Blaue Weste

Mit unter 120 g CO2 pro Kilometer ist der neue B 180 CDI ein umweltfreundlicher Sparmeister unter den kompakten Vans. Das erstmals angebotene Doppelkupplungsgetriebe hilft dabei, den dynamisch gezeichneten Allrounder komfortabel und fit zu machen für die Langstrecke. Flottenmanagement unterzog den Fronttriebler einem umfangreichen Test.

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Was lange Zeit undenkbar war, integriert sich inzwischen unauffällig in den Straßenalltag: Leichte, frontgetriebene Mercedes- Baureihen wie zum Beispiel die B-Klasse. Doch ganz so schlicht wie ihr Vorgänger kommt die neue Ausgabe nicht mehr dahergefahren. Mit markanter Sicke in den Flanken und schneidigen Scheinwerfern meldet der Kompaktklässler Anspruch für den Club der sportlichen Topdesigner an und rutscht somit auf die Shoppinglist trendbewusster User Chooser. Wem der geschwungene Stil eine Spur zu viel wird, kann sich ja vom etwas ruhiger gestalteten Heck trösten lassen, das übrigens deutlich die Verwandtschaft zum Vorgänger anzeigt. Der aktuelle B-Klasse-Jahrgang hält viele Neuigkeiten bereit – nicht nur die Optik wurde gründlich renoviert. Effizienz ist in diesen Zeiten das bestimmende Thema, davon kann sich auch ein eher rational motorisierter Van keineswegs freisprechen. Für Automatik-Liebhaber heißt das: Abschied nehmen von der klassischen Wandlerlösung.

Es bleibt hingegen bei den sieben verschiedenen Übersetzungen, mit denen das Label einst vorpreschte. Zwei Kupplungen sind nun das Maß der Dinge – so pflanzten die Techniker dem Allrounder also das neue, im Mercedes-O-Ton „7G-DCT” genannte Getriebe ein; wer es bestellt, bekommt den Tempomat für 1.820 Euro netto gleich mitgeliefert und muss mitnichten auf Start-Stopp verzichten. Das schreit nach einem Praxisversuch. Lediglich beim Anfahren merkt der Analytiker, dass hier kein Drehmomentwandler im Spiel sein kann, denn die Art und Weise des Kraftschlusses erinnert eher an eine Scheibenkupplung. Tatsächlich sorgt ein Lamellenpaket im Ölbad für Bewegung – leicht erhöhte Drehzahl ist das Schlüsselmerkmal, dann rollt der Schwabe mit dem einprägsamen Namenszusatz „Sports Tourer” sanft an. Die Schaltvorgänge vollziehen sich geschmeidig, und angemessen schnelle Kickdown- Reaktion verleiht der Box eine spontane Note. Unter der Haube steckt ein quer platzierter Abkömmling des OM 651 Commonrail mit reduziertem Hubraum – 1,8 Liter sind übrig geblieben, um an der Tankstelle auch mal mit einer Vier vor dem Komma punkten zu können bei entsprechend zurückhaltender Fahrweise.

Dass der Basis-Selbstzünder mit 109 PS kein Leistungsmonster ist, leuchtet ein – allerdings reicht der Punch für alle Disziplinen inklusive zügiger Autobahnrunden. Schon ab sensationell niedrigen 1.400 Touren stehen 250 Nm Drehmoment bereit, was nicht nur dazu führt, schnell einen hohen Gang zu wählen, sondern darüber hinaus Überholvorgänge erleichtert. Erst jenseits der 2.800 Umdrehungen flacht die Kräfte-Kurve wieder ab. In puncto Sound hält sich der Vierzylinder vornehm zurück. Jedenfalls gilt das für gewöhnliche Bedingungen – wer das Triebwerk in kleiner Fahrstufe ausdreht, erlebt eine kernige Note. Von recht kerniger Natur ist auch das tendenziell straff ausgelegte Fahrwerk, so dass kurze Bodenwellen deutlich vernehmbar in den Fahrgastraum dringen. Damit hält der Viertürer immerhin, was die Außenhülle verspricht, und zeigt auf der schnellen Piste, dass durchaus ein Fünkchen Komfort in ihm steckt.

Lange Wellen steckt die Feder-Dämpfer-Einheit sanft nachschwingend weg – außerdem sorgen stramm gepolsterte, aber ordentlich dimensionierte Stühle für einen bequemen Touch. Ein großer Pluspunkt der B-Klasse sind ihre ausgesprochen geräumigen Platzverhältnisse; dass in der ersten Reihe eines Kompakten angesichts kontinuierlich gewachsener Abmessungen inzwischen Personen jeder Statur ganz fürstlich sitzen, gilt als Binsenweisheit. Die Spreu vom Weizen wird jedoch im Fond getrennt: Hier glänzt der B mit großem Abstand zwischen Sitzkissen und vorderer Lehne. Insassen mit besonders langen Beinen dürften keine Probleme haben, diese zu sortieren. Erst ab dem dritten Passagier auf der Hinterbank werden weitere Strecken allmählich anstrengend.

Wie steht es um Gepäckstücke? Bis zu 1.545 Liter schluckt der Stuttgarter bei umgeklappten Sitzen und macht damit deutlich, der Lifestyle-Fraktion anzugehören. Und der kommt es nicht auf das letzte Literchen an – aber beim Baumarkt vorbeischauen und später sogar etwas einladen, muss keine Kopfschmerzen bereiten. Gegenüber dem Vorgänger deutlich aufgewertete Innenraum- Architektur erfreut fast alle Sinne. Armaturen mit breitflächigen Holzeinlagen verströmen einen Hauch von Oberklasse-Flair, ohne dick aufzutragen. Die akkurat angeordneten Schalter klicken präzise; leichte Eleganz gepaart mit praktischen Eigenschaften kennzeichnen das Interieur des Allround-Talents. Über den schicken Lüftungsdüsen thront der perfekt einsehbare, große Farbmonitor, um die Karte des (optionalen) Navigationssystems anzuzeigen. Nützliche Ablagen zwischen den Sesseln plus Armlehnen-Fach geben anfallendem Kleinkram Raum zum Atmen. Kleiner Tipp an die Konstrukteure: Die Klappe für die Armauflage bitte so gestalten, dass das iPod-Kabel herausgucken und man sie dennoch verschließen kann. Durstige Gemüter finden zu ihrer Zufriedenheit freilich auch jene berühmten Cupholder vorn und hinten.

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Bleibt die Preisfrage. Mit 23.175 Euro netto ist man schon dabei (B 180 CDI) und erhält das Grundwerkzeug wie Bluetooth-Freisprechfunktion, Bordcomputer, Klimaanlage, Radio und natürlich die volle Sicherheitsausstattung à la Front-, Kopf- und Seitenairbags inklusive Kneebag für den Fahrer sowie elektronisches Stabilitätsprogramm. Sogar ein Auffahrschutz mit Kollisionswarnung ist stets an Bord. Zur gefühlten Oberklasse wird der Benz-Einsteiger indes erst mit Hilfe vieler Sonderoptionen wie Navi (ab 720 Euro), elektrisches Panorama-Schiebedach (1.145 Euro), Rückfahrkamera (290 Euro), elektrisch verstellbare Vordersitze samt Memory (ab 335 Euro), Spurhalte- und Totwinkel-Assistent (750 Euro), aktiver Tempomat (860 Euro) sowie Bixenon-Scheinwerfer mit variabler Lichtverteilung für satte 1.400 Euro. Eine immer wichtiger werdende Auszeichnung hingegen bekommt der Van ganz kostenlos mit auf den Weg: Die Rede ist von der Effizienzklasse A – und diese ist auch noch bares Geld wert.

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