Einzelfälle

Bis zu einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometer können adäquate Benziner im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten eine Alternative zum Diesel sein

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Nach Angaben des ADAC haben die Kraftstoffpreise in Deutschland „einen historischen Höchststand“ erreicht, da machen wir offensichtlich nichts dagegen. Für Anfang März meldete der Automobilclub Durchschnittspreise von 1,522 Euro für einen Liter Diesel und 1,635 Euro für einen Liter Super E 10. Nun ist es erfahrungsgemäß auf Dauer müßig, sich mit den jeweiligen Ursachen auseinanderzusetzen, wie wahr oder unwahr sie auch immer sein mögen, morgen sind es wieder andere.

Wir lernen: Steigende Kraftstoffpreise sind knallhart unabänderlich, wir sollten permanent intelligente Wege finden, mit ihnen besser leben zu können. Für das Fuhrparkmanagement bedeutet das unter anderem auch, immer wieder zu überprüfen, ob es in puncto Fahrzeugauswahl vor dem Hintergrund des jeweiligen Einsatzzweckes noch Stellschrauben gibt, die das Ganze im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten in irgendeiner Form abfedern oder doch zumindest einen weiteren Anstieg – und sei es nur vorübergehend – stoppen.

Wie groß ist das Problem geworden? Nach den Durchschnittspreis-Ermittlungen des ADAC sind seit 2009, also innerhalb von nur drei Jahren, die Preise für einen Liter Diesel um sage und schreibe 37,5 Prozent und für einen Liter Super / Super E 10 um 24,6 Prozent gestiegen (seit 2011 beobachtet der ADAC vergleichsweise die Preisentwicklung für Super E 10). Auffällig ist dabei unter anderem, dass sich im selben Zeitraum die Liter-Preise für Diesel, die ja auch deutlich stärker gestiegen sind (die jährlichen Preis- Steigerungsraten lagen hier immer über denen für Super / Super E 10), den Liter-Preisen von Super / Super E 10 immer weiter angenähert haben.

Betrug der Preisunterschied im Durchschnitt der Monate 2009 noch 19,6 Cent, so liegt er momentan im Durchschnitt der Monate lediglich noch bei 10,5 Cent. Allein von 2009 auf 2010 stieg der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel um 12,7 Prozent, für einen Liter Super aber um 10,4 Prozent; von 2010 auf 2011 lagen die entsprechenden Steigerungsraten bei 16,0 Prozent (!) beziehungsweise 8,3 Prozent (dann im Vergleich zu Super E 10 betrachtet), derzeit betragen sie 5,0 beziehungsweise 4,2 Prozent gegenüber 2011.

Wenn dieser Trend der Preis-Annäherung beider Kraftstoff-Arten noch weiter anhält, der im übrigen kaum mit Entwicklungen bei den Rohöl-Preisen begründet werden kann, kann sich im Fuhrpark-Betrieb aber auch noch einmal die Frage stellen, ob in jedem Fall Dieselfahrzeuge – traditionell schon einmal teurer in Anschaffung und Kfz-Steuer – die bessere Wahl sind. Auch bei der Verbrauchs-Optimierung herkömmlicher Otto-Motoren schreitet die Entwicklung stetig voran. Hier sind bis hin zur Mittelklasse Herstellerangaben von um die 6,0 Liter auf 100 Kilometer und teils deutlich weniger auch schon keine Seltenheit mehr.

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Flottenmanagement hat in wichtigen flottenrelevanten Fahrzeugkategorien und -klassen jeweils zwei repräsentative Fahrzeuge (in Diesel und adäquater Benziner-Version) ausgewählt und für fünf alternative jährliche Laufleistungen zwischen 15.000 und 50.000 Kilometer über eine Laufzeit von 36 Monaten kalkuliert, um dieser Frage noch einmal auf den Grund zu gehen. Dabei standen die jährlichen Treibstoffkosten, die jährlichen Wertverluste und die Beträge der Kfz.-Steuer im Fokus. Das sind hier die drei wesentlichen Parameter, die die Mehr- oder Minderkosten im Vergleich Diesel / Benziner beeinflussen.

Als Gesamtergebnis bei 20 betrachteten Fahrzeug- Paaren quer durch alle Kategorien und Klassen lässt sich aktuell unter dem Strich festhalten, dass die Benziner die adäquaten Diesel-Fahrzeuge in den Kosten nennenswert nicht unterbieten können. Lediglich bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometer lagen in 15 Prozent der Fälle die jährlichen Kosten des Benziners marginal – bis zu 57 Euro pro Jahr – unter denen des Selbstzünder-Pendants.

Würde bei 15.000 Kilometer jährlich für die Benziner ein Toleranz-Bereich von bis zu 100 Euro Mehrkosten pro Jahr angesetzt, würde sich diese Quote in etwa auf 25 Prozent erhöhen und die Aussage zulassen können: Bei jedem vierten Fahrzeug und einer Laufleistung von 15.000 Kilometer im Jahr kann es sein, dass der Benziner auf dem Kosten-Niveau des Diesels liegt. Zu den Fahrzeugen, bei denen das so vorkommen kann, zählen beispielsweise auch Hyundai ix35, Mazda 5, Renault Clio oder die VW-Modelle Golf Variant, Passat Variant und Caddy. Bei jeder höheren Laufleistung „fährt“ der Benziner im Vergleich zum Diesel bei den Kosten in aller Regel mehr oder weniger deutlich in den roten Bereich.

Ausschlaggebend für eine Kostenentwicklung Diesel / Benziner pari (bei 15.000 km jährlich) ist vor allem das Kriterium jährlicher Wertverlust. Wo ein Benziner mit einem deutlich geringeren dreistelligen Wertverlust pro Jahr aufwartet, können das und die geringere Kfz.-Steuer bei 15.000 Kilometer pro Jahr den Treibstoffkosten-Vorteil des adäquaten Diesels glatt wieder aufwiegen, insbesondere noch dann, wenn die Verbrauchswerte des Benziners relativ nahe an denen des Diesels liegen (Verbrauchs- Differenzen 1,5 Liter und weniger auf 100 Kilometer).

Das kann vorkommen bei Pkw- und Pkw-Kombi bis hin zur Mittelklasse, ferner bei Kompakt- Vans, Kompakt-SUV und Kleintransportern. Bei allen anderen Kategorien und Klassen lohnt die Betrachtung so gut wie gar nicht. Die Verbrauchswerte des VW Golf Variant 1.6 TDI DPF Blue Motion Technology und des Golf Variant 1.2 TSI Blue Motion Technology beispielsweise differieren nach Herstellerangaben lediglich um 1,1 Liter auf 100 Kilometer. Beim VW Polo 1,6 TDI Blue Motion und beim 1,2 TSI Blue Motion sind es auch nur 1,2 Liter auf 100 Kilometer. Auch bei den beiden Versionen des Hyundai ix35 beträgt die Verbrauchsdifferenz nach Hersteller-Angaben nur 1,1 Liter auf 100 Kilometer.

In Summe muss aber noch einmal festgehalten werden, dass bei der gegenwärtigen Preisdifferenz für einen Liter Diesel / Super E 10 von rund 12 Cent (Stand Anfang März 2012) von der Motorleistung her vergleichbare Benziner im Gesamtkosten-Niveau bestenfalls die Diesel-Version egalisieren können. Gewinnen lässt sich mit ihnen bis jetzt unter dem Strich nichts, zumal 15.000 Kilometer jährlich in einem Fuhrpark auch keine besonders hohe Laufleistung ist. In einem wirklich innerstädtisch betriebenen Pflegedienst, im regional stärker begrenzten Zuliefer-Verkehr oder auch im Poolfahrzeug- Bereich kann der Vergleich Diesel / Benziner aber eine Überlegung wert sein, sicher auch dann, sollten sich die Liter-Preise der beiden Treibstoff-Arten noch weiter annähern.

Aber selbst dann würde es noch stark vom gewählten Fahrzeug abhängen.

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