Haltungsnote

Rückenfreundliches Sitzen ist ein wesentlicher Aspekt für das sichere Autofahren. Wir geben einen Überblick darüber, was Vielfahrer bei der Auswahl eines geeigneten Sitzes und auch bei dessen Einstellung beachten sollten.

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Wer 30.000 km im Jahr fährt, sitzt (wenn man von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h ausgeht) mindestens 600 Stunden im Fahrzeug. Wenn man durchschnittlich zwei Stunden täglich auf der Couch sitzt, verbringt man dort im Jahr rund 730 Stunden. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Couch zu kaufen, auf der man nach einiger Zeit Rückenschmerzen bekommt beziehungsweise auf der man nicht ausgiebig Probe gesessen hat. So sollten auch Dienstwagennutzer ein starkes Interesse daran haben, auf einem bequemen, rückenfreundlichen und langstreckentauglichen Fahrersitz Platz zu nehmen. Und hier sollten keine Parallelen zur heimischen Couch gezogen werden, denn „weich” bedeutet beim Autositz auf längere Sicht nicht unbedingt „rückenfreundlich”, ganz im Gegenteil: Je härter ein Autositz gepolstert ist, umso angenehmer erweist sich dies für die Langstrecke. Hier sollte der Fahrer nicht vergessen, dass die Möglichkeiten der Haltungsänderung nur begrenzt möglich sind. Nicht zuletzt deshalb heißt es ja auch: „Regelmäßig Pausen machen und sich die Beine vertreten.”

Das Sitzen stellt für die menschliche Wirbelsäule und die Bandscheiben eine enorme Belastung dar, da sie eher für die aufrechte Haltung und Bewegung statt Ruhe ausgelegt ist. Um eine möglichst bequeme und rückenschonende Haltung einzunehmen, sollten wesentliche Aspekte der Sitzeinstellung beachtet werden (siehe Kasten). Denn eine entspannte Haltung sorgt kurzund langfristig für sicheres Fahren. Auch haben Forscher herausgefunden, dass dauerhafte Vibrationen beim Autofahren zu Stauchungen der Wirbelsäule führen, was sich am Ende einer stundenlangen Fahrt in einem Minus von bis zu drei Zentimetern Körpergröße zeigen kann. Liebhaber sportlicher Fahrzeuge sollten deshalb bei der Auswahl für die Langstrecke davon absehen, zu hart gefederte Fahrwerke zu wählen. Alternativ kommen Sportsitze in Frage, die genau diese Vibrationen wieder abmildern können.

Ein Blick in die Liste der Serien- und Sonderausstattungen beliebter Flottenfahrzeuge zeigt, dass in der Serienausstattung lediglich eine Vierfach-Einstellung der Sitz- und Rückenflächen angeboten wird. Gegen Aufpreis können Sitze bestellt werden, die über eine Lendenwirbelstütze mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten, Sechsfach-Einstellmöglichkeiten der Sitz- und Rückenflächen, Memory-Funktionen bis hin zu Massage- und Klimatisierungsoptionen verfügen. Hier liegen die Aufpreise je nach Aufwändigkeit der Sitze zwischen 170 und 1.500 Euro netto, was wiederum Mehrkosten von etwa drei bis 15 Euro netto in der monatlichen Leasingrate ausmacht. Dabei sollte der Fahrer, wenn diese Ausstattungsvorgabe nicht bereits vom Arbeitgeber gemacht wird, bereit sein, in seine Gesundheit und sein Wohlbefinden zu investieren.

Die Organisation Aktion Gesunder Rücken e.V. beschäftigt sich regelmäßig mit Produkten, die einem gesunden Rücken zuträglich sind, unter anderem mit Autositzen. Tests haben ergeben, dass derzeit die Ergonomiesitze aus der Sonderausstattung in Opel Astra, Insignia, Meriva und Zafira sowie die Multikontursitze in den Mercedes Benz-Modellen C, CL, CLS, E und S alle Voraussetzungen für das AGR-Gütesiegel erfüllen. Das Gütesiegel wurde in Zusammenarbeit mit den beiden größten deutschen Rückenschulverbänden, dem Bundesverband der deutschen Rückenschulen e.V. und dem Forum Gesunder Rücken – besser leben e.V. entwickelt. Die Opel-Sitze überzeugten die Experten durch die elektrisch einstellbare Lordosenstütze, variable Sitzflächenneigung, aktive Kopfstützen und ausziehbare Oberschenkelauflage. In den Mercedes- Modellen kommen Sitze zum Einsatz, bei denen in Abhängigkeit von Lenkwinkel, Querbeschleunigung und Geschwindigkeit die Luftpolster in den Seitenwangen in zwei Stufen pneumatisch jeweils so angespannt werden, dass ein bestmöglicher Seitenhalt auch bei einem sehr dynamischen Fahrstil sichergestellt ist. Nach Abschalten der Fahrdynamikfunktion wird der vorab gewählte Druck in den Seitenkammern automatisch wieder symmetrisch eingestellt. Zusätzlich soll eine Massagefunktion für eine Verringerung der Rückenermüdung sorgen, denn sie unterstützt das von Orthopäden empfohlene Prinzip des „dynamischen Sitzens”, das heißt, im Rahmen der Möglichkeiten die Sitzposition für eine natürliche Be- und Entlastung der Muskulatur und der Bandscheiben häufig zu wechseln.

Nachrüstlösungen wie beispielsweise von der Firma Recaro können darüber hinaus zusätzliche orthopädische Ansprüche erfüllen und, nach erfolgreicher Antragstellung beim Kostenträger, bezuschusst werden. Sie werden vom Fachhändler eingebaut und gewährleisten mindestens das gleiche Sicherheitsniveau wie das Originalzubehör.

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Wenn es um Fahrsicherheit geht, denken die meisten zuallererst an Fahrassistenzsysteme, die Risiken verringern können. Dass aber sehr viel Sicherheit vom Wohlbefinden, von der Konzentrationsfähigkeit und von der Fitness des Fahrers abhängt, scheint zweitrangig zu sein und in der persönlichen Verantwortung des Fahrers zu liegen. Aber zu genau diesem wünschenswerten Zustand trägt entscheidend die Haltung des Fahrers am Lenkrad bei. Wenn dies auch nicht per Dienstwagenüberlassungsvertrag vorzuschreiben ist, so könnten die Fahrer wie beispielsweise auf Spritsparmaßnahmen auch auf Verhaltensweisen im Sinne der Gesundheit hingewiesen werden.

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