Wenn Grip alles ist
07.04.2017

Der Allradantrieb kann nützlich sein, Autokäufer aus Regionen mit häufigen Schlechtwetter-Phasen wissen, wovon die Rede ist. Doch es muss nicht immer nur das klassische Kompakt-SUV sein mit zwei angetriebenen Achsen, das für Freude sorgt. Mit den Fahrzeugen Nissan Qashqai, Subaru Levorg, Suzuki Vitara und Ignis stellen wir im Folgenden vier völlig unterschiedliche japanische Fahrzeugkonzepte mit Allradantrieb vor.

Der Auftakt dieser 4x4-Geschichte beginnt ausgerechnet mit einem SUV, obwohl hier ausdrücklich erwähnt sei, dass ja nicht nur SUV über vier angetriebene Räder verfügen, sondern auch andere Auto-Konzepte. Doch dazu später mehr. SUV gehören jedenfalls zu den beliebtesten Segmenten, also darf es ruhig auch hier thematisiert werden. Der Nissan Qashqai ist in seiner Eigenschaft als Kompakt-SUV einer breiten Masse zugänglich – er kostet als 4x4 ab netto 25.117 Euro und verfügt in dieser Version ausschließlich über den 130 PS starken Vierzylinder-Diesel mit 1,6 Litern Hubraum. Damit ist er durchaus solide motorisiert und fordert kaum Kompromisse von seinem Fahrer. Außer dass er, besteht er auf den Allradantrieb, mit einem geschmeidig schaltbaren Sechsgang-Getriebe klassischer Bauart Vorlieb nehmen muss. Automatik? Weder für Geld noch gute Worte. Dafür rollt der Japaner mit einer hinteren Multilink- statt Verbundlenkerachse an den Start, was der Fahrstabilität zu Gute kommen soll. Apropos Fahrstabilität: Mit den zwei angetriebenen Achsen bewegt sich der Qashqai vor allem bei unwirtlichen Wetterbedingungen ziemlich sicher vorwärts. Er ist nicht der große Geländegänger, das steht ja außer Frage angesichts dieses Segments – aber bei Nässe schlupffrei und bei Schnee noch immer souverän anfahren zu können, ist immerhin auch eine feine Sache.

Fein ist der Qashqai generell mit seinem äußerst großzügigen Raumangebot und den soliden Sitzen. Hier kommen die Fahrgäste nicht nur in der ersten Reihe gut unter, sondern genießen im Fond viel Bein- und Kopffreiheit. Dieser Alleskönner-Nissan ist wie gemacht für Kunden mit vielseitigem Nutzungsprofil. Da auch die Fahrgeräusche angenehm sind – der Selbstzünder dreht niedrig und läuft kultiviert –, eignet sich der 1,6er perfekt als Kilometerfresser. Und dank fast 1.600 Litern Kofferraumvolumen ist er der perfekte Kombi-Ersatz, falls ein SUV eben vorgezogen wird aus optischen Gründen oder weil man höher sitzt. Um die Allrad-Gepflogenheiten muss sich der Fahrer übrigens nicht kümmern, er kann die Kraftverteilung bei Bedarf zwar per Drehschalter blocken, aber im Auto-Modus entscheidet das System per Lamellenkupplung im Mitteldifferenzial selbst über die Momentzuweisung, was sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch auswirken soll – denn bei griffiger Fahrbahn ist der Qashqai als Fronttriebler unterwegs. Umfangreiches Infotainment (das Navi kostet bei der Basis 949 Euro netto Aufpreis) und eine hervorragende Sicherheitsausrüstung inklusive Autonom-Bremsung macht den Qashqai zur empfehlenswerten Alternative.

Was Fahrerassistenz und Sicherheit angehen, bewegt sich auch Subaru auf vorbildlichem Level. Die ausgefallene japanische Marke setzt eine Kamera (iSight) ein, um den vorausfahrenden Verkehr zu beobachten. Bekommt der Fahrer eine abrupte Bremsung des Vordermanns nicht mit, unterstützt das System mit einer selbsttätigen Verzögerung, um einen Auffahrunfall nach Möglichkeit komplett zu verhindern oder zumindest abzumildern. Außerdem läuft darüber auch die Steuerung des aktiven Tempomat. Ohne Frage hat auch der hier behandelte Levorg dieses Feature an Bord. Und ebenso gesetzt ist der Allradantrieb, wofür die Marke ja wie kaum eine andere steht. Es handelt sich dabei um ein ziemlich leistungsfähiges Permanent-System, bei dem immer beiden Achsen – völlig unabhängig von der momentanen Bodenbeschaffenheit – mit Power versorgt sind. Das hat natürlich Vorteile bei der Reaktionsgeschwindigkeit, was der Untergrund einmal unverhofft glitschig wird. Unter der Haube unseres Subarus, der erfrischenderweise mal kein SUV ist, sondern ein klassisches Kombi-Konzept verkörpert, steckt ein wacher 1,6-Liter-Otto mit Direkteinspritzung und Turbolader.

Die Ingenieure holen 170 PS aus dem laufruhig agierenden Boxer und 250 Nm Drehmoment. Letzteres mag zwar im ersten Moment wenig klingen, aber die Zugkraft steht über einen weitläufigen Drehzahlbereich von 1.800 bis 4.800 Touren zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Maschine ziemlich gut am Gas hängt und willig hochjubelt. Dabei ist der Levorg keineswegs ein Aufreger-Auto, sondern durchaus komfortbetont unterwegs, wenngleich er mit einem Standard-Sprint von unter neun Sekunden auf Landstraßentempo schon zu den Fixen auf der Straße gehört. Es ist ja auch kein Zufall, dass die Verantwortlichen ihn ausschließlich mit dem CVT ausliefern, der stufenlosen Automatik. Mittels geschickter Steuerung wird der so genannte Gummiband-Effekt indes eliminiert. So verändert die Elektronik die Übersetzung zwar kontinuierlich, aber immer „portionsweise“ in einer ordentlich großen Spreizung, was wie ein besonders sanft vollzogener Gangwechsel wirkt. Nur im Falle der maximalen Leistungsabforderung verharrt die Drehzahl im oberen Bereich. Mit einem milde abgestimmten Fahrwerk, wunderbar ergonomischen Stühlen und viel Platz in allen Lebenslagen gibt der Levorg den harmonischen 4x4-Kombi. Mit netto 25.201 Euro ist der Exote eine fair eingepreiste Multifunktionswaffe.

Da ist der Suzuki Ignis schon anders gestrickt – mit seinen 3,70 Längenmetern geht er als so genanntes Micro-SUV durch und darf als wahrer Städter unter den Allradlern gelten. Nicht, dass man ihn ausschließlich als 4x4 bekäme – aber in diesem Quartett tritt er natürlich in der wintertauglichen Version an. Und auch wenn die zwei angetriebenen Achsen im Alltag unter griffigen Fahrbahnverhältnissen nicht zutage treten, ist es doch ein schönes Gefühl, um das Plus an Traktion zu wissen. Es muss übrigens nicht einmal schneien – Regen reicht bekanntermaßen schon aus, um die guten Front- oder Hecktriebler der Straße bereits aus der Ruhe zu bringen. Zwar leistet der hier besprochene Ignis nur 90 PS, aber der gut 900 kg schwere Winzling schafft es dennoch, kurz Schlupf zu produzieren, der dann per kurzfristig zugeschalteter Hinterachse nahezu verzögerungsfrei eliminiert wird. Stichwort 90 PS: Unter der Haube werkelt ein 1,2 Liter großer Vierzylinder-Saugmotor nach klassischer Bauart. Der Benziner tut nicht nur in urbanen Gefilden gute Dienste, sondern kann ohne Probleme auch mal auf die schnelle Piste entführt werden. Die knackig-kurze Übersetzung der gut bedienbaren Fünfgang-Box sorgt für ein quirliges Naturell.

Bemerkenswert ist die Fülle der Komfort- und Sicherheitsmerkmale, die der Kleine an Bord führt. Autonombremsung? Na klar, das System greift sogar recht eifrig ein und warnt früh, wenn man zügig auf die Ampelschlange zufährt – gut so! Selbstredend bietet der Japaner auch einen Tempomat, um den Fahrern Langstrecken-Trips zu versüßen. Das Enter- und Infotainment überzeugt – es bietet eine Bluetooth-Freisprechanlage, Digitalradio und natürlich ein hervorragend arbeitendes Navigationssystem. Demnach erfrischt der Ignis nicht nur mit seinem frechen Äußeren – er fährt angemessen komfortabel, bietet im Verhältnis zu den Abmessungen annehmbare Raumverhältnisse und überaus gute Stühle. Und in der dichten Innenstadt ist der Ignis ohnehin kaum zu toppen dank seiner kompakten Abmessungen. Preislich beginnt der Allrad-Zwerg bei netto 13.436 Euro.

Für 4x4-Fans, die von vornherein wissen, dass sie meist längere Strecken zurücklegen, bietet sich der Vitara an. Dieses noch recht junge SUV eignet sich dank kompakter Abmessungen (4,17 Meter Länge) ebenfalls für urbane Gefilde, ist aber andererseits durchaus komfortabel. Vor allem in Verbindung mit dem neuen, aufgeladenen 1,4-Liter-Vierzylinder macht der hier freilich ebenso als Allradler angetretene Japaner richtig Spaß. Da die 220 Nm Zugkraft zwischen 1.500 und 4.000 Umdrehungen abgerufen werden können und eben nicht statisch sind, erfreut der Vitara S mit munterer Gangart. Bei der Kraftverteilung hält es Suzuki effizient: Die Hinterräder werden erst bei Traktionsverlust über das Mitteldifferenzial zugeschaltet, was unmerklich und stufenlos geschieht. Ein rasanter Start bei rutschiger Fahrbahn bringt den kleinen Soft-Geländewagen jedenfalls kaum aus der Ruhe.

Ruhe dagegen genießen die Passagiere auf der Fahrt. Denn erstens hebt der Benziner seine Stimme nur moderat, und zweitens halten sich auch die Windgeräusche in Grenzen. Hinzu kommen bequeme Sitze, die auch längeren Touren gerecht werden. Außerdem nehmen sie den Fahrgast ordentlich in die Zange, was ein angenehmes Sitzgefühl erzeugt. Modernes Infotainment fährt hier natürlich ebenso mit: Der große Monitor in der Mittelkonsole ist heutzutage gesetzt und demnach serienmäßig. Bedienen lässt sich der kommod abgestimmte Vitara ziemlich simpel – ein großer Teil der Funktionalitäten (Entertainment und Navi) wird über den Touchscreen abgehandelt, und dann ist da ja auch noch das Multifunktionslenkrad. Für die Klimasteuerung gibt es ein einfach erfassbares Paneel. Mit netto 22.512 Euro ist der Vitara S 1,4 Boosterjet Allgrip ziemlich wohlfeil und stellt viel Auto für überschaubares Geld dar.


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