Auf Schmusekurs
27.10.2017

Der neue Citroen C4 Cactus Foto © Wolfgang Groeger-Meier / Citroen Deutschland
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Citroën stellt sich in der Kompaktklasse neu auf und führt die beiden Varianten des Golf-Konkurrenten C4 in ein Modell zusammen. Die Originalität des bislang mit großen seitlichen Luftkissen versehenen Cactus bleibt dabei allerdings etwas auf der Strecke.

Vor gut drei Jahren überraschte Citroën mit einem sogenannten Crossover namens C4 Cactus. Das erste Auto, das durch auffallende Luftkissen („Airbumps“) vor allem an den Flanken gegen kleine Rempler im Straßenverkehr und auf dem Parkplatz weitgehend geschützt ist. Das hochbeinige Unikum ergänzte die bekannte C4-Limousine und fand rasch viele Fans. Die Idee eines vor allem optisch auffallenden Citroëns in der dicht besetzten Kompaktklasse rund um VW Golf, Ford Focus und anderen gefielt Markenchefin Linda Jackson und ihren Mitstreitern so gut, dass jetzt die eher konservativ gestylte Limousine dran glauben muss. Künftig tritt der Cactus alleine gegen die Heerscharen von bekannten Rivalen an.


Dafür allerdings musste er gründlich „zivilisiert“ werden. Beim jetzt in Paris vorgestellten Cactus-Nachfolger schrumpften die großflächigen Airbumps an den Seiten auf einen kleinen Rest oberhalb der Türschweller zusammen, das markante Gesicht muss dem neuen Einheitslook aller Citroëns weichen und das optisch schwebend wirkende Dach fällt nun leicht nach hinten ab. Natürlich blieb die Grundform des derzeitigen Cactus weitgehend erhalten, ist in Summe aber nicht mehr so originell und extravagant wie bisher. Neben einem normalen Kompakten wie eben dem Golf stellt sich dennoch der gewünschte Aha-Effekt ein, da auch der neue Cactus höher als der Rest erscheint, obwohl er mit 1,48 Metern das gleiche Maß aufweist wie der Wolfsburger Bestseller. Das liegt auch an den recht breiten Kunststoffumrandungen der großen Radhäuser, in denen sich die 17-Zoll-Räder zu verlieren scheinen.

Die Strategie der Franzosen ist recht einfach. Der normale C4 hat in der Kompakt-Riege viel Boden verloren, konnte sich gegen all die anderen kaum noch durchsetzen, während die Schwestermarke Peugeot mit den neuen 308 und auch der Renault Megane Erfolge feiern. Also besinnt sich Citroën auf die alte Tugend „Wir sind anders“ und setzt vor allem das das Thema Insassenkomfort. „Wir wollen die Marke sein, die als Volumenhersteller möglichst vielen Menschen höchsten Komfort bieten will“, sagt die englische Chefin Linda Jackson und nennt den neuen C4 Cactus einen „fliegenden Teppich“, da er durch ein neues Federungskonzept Unebenheiten, Bodenwellen und Schlaglöcher besser wegbügeln soll als es die Konkurrenz vermag.

Dazu verfügt der Cactus über eine Eigenschaft, die schon von je her Modelle mit dem Doppelwinkel auszeichnete. Bei der Federung kommen hydraulische Elemente zum Einsatz, die in den Stoßdämpfern an beiden Enden dafür sorgen, dass harte Schläge abgefangen werden. Citroën hat 20 Patente für diese „Federung mit progressivem hydraulischen Anschlag“ und ist das einzige Auto in Europa, das dieses System verwendet. Nur das größere SUV C5 Aircross, der derzeit nur in China gebaut wird und im Laufe des nächsten Jahres auch nach Europa kommt, vertraut auf die gleiche Technik.

Damit die Insassen im Cactus auch wie Gott in Frankreich reisen, gibt es ein neues Sitzkonzept, dass der Logik moderner Matratzen folgt. Dabei kommt neben dem normalen recht harten Polsterschaum eine 1,5 Zentimeter starke Auflage mit weicherem Material hinzu. Die Folge ist, dass sich der Sitz der Körperauflage anpasst und so für ermüdungsfreies Reisen ohne Rückenschmerzen sorgen soll. Um auch die Akustik für die Insassen störungsfrei zu gestalten, hat Citroën seinem Cactus eine aufwendige Dämmung inklusive dicker Scheiben spendiert. Bei der ersten Sitzprobe im recht geräumigen Fond offenbart sich eine ungewöhnliche Entscheidung: Bei Cactus können die hinten Seitenscheiben nicht heruntergefahren, sondern durch einen kleinen Spalt ausgestellt werden. Produktchef Xavier Peugeot erklärt: „Umfragen haben ergeben, dass die Menschen das nicht mehr für wichtig erachten. Also haben wir darauf verzichtet.“

Wie heute üblich bietet der Neuling eine Fülle von Assistenzsystemen wie Spurhaltewarnung, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Rückfahrkamera oder halbautomatisches Einparken. Abstandsradar ist ebenso wie LED-Licht noch nicht zu haben. Die standesgemäße Vernetzung mit der digitalen Umwelt findet sich im neuen Cactus. Apple Carplay und Mirrorlink für Android-Smartphones sind an Bord.

Genaue technische Details will Citroën erst Ende des Jahres offenbaren. Fest steht, dass der neue Cactus mit drei Dreizylinder-Benziner antritt, die das Spektrum zwischen 60 KW/82 PS bis 96 kW/130 PS abdecken. Hinzu kommen zwei Vierzylinder-Diesel mit 74 kW/100 PS und 88 kW/120 PS. Verbrauchsdaten und Preise gibt er ebenfalls noch nicht.

Unterm Strich erweist sich der neue C4 Cactus als ein mutiger, aber durchaus nachvollziehbarer Schritt von Citroën, in der umkämpften Kompaktklasse eine andere Formensprache zu wagen. Denn schließlich ist der Neuling der erste Cactus, der auf Schmusekurs geht.


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