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27.11.2017

Der Skoda Kodiaq im Test
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In der Käufergunst haben SUV inzwischen der Kompaktklasse den Spitzenrang abgenommen. Der Skoda Kodiaq ist eine rollende Erklärung für diesen Erfolg.

Die tschechische VW-Tochter Skoda schafft es schon seit einigen Jahren, mit guten Ideen, einer cleveren Nutzung der vom Konzern ermöglichten Technik sowie einem modernen, aber nicht modischen Design Erfolgsgeschichten zu schreiben. Nachdem man das Thema SUV mit dem Yeti noch recht vorsichtig ausprobiert hatte, kam im Frühjahr mit der Kodiaq ein Modell, das dem Konzernbruder Tiguan in Sachen Raumangebot und Alltagstauglichkeit in den Schatten stellt. Nicht umsonst hat VW inzwischen den Tiguan Allspace vor- und beim Platzangebot wieder Gleichstand hergestellt. In Zeiten grassierender Dieselskepsis haben wir den Kodiaq mit starkem Benzinmotor ausprobiert. SUV und Otto – ist das eine vernünftige Kombination?
 
Da wir von den komplett weichgespülten Varianten mit Antrieb nur einer Achse nicht vollends überzeugt sind – wenn schon Gelände-Gene, dann auch mit Matschtalent – lieferte Skoda den Kodiaq als sogenannten „2.0 TSI 4x4“ und mit DSG-Getriebe. Der Turbo verteilt 132 kW/180 PS an die vier Räder und gibt sich, typisch für aufgeladene Motoren, zivilisiert und kräftig. Naturgemäß ist ein zwangsbeatmeter Benziner leiser als ein entsprechender Diesel, was sich sowohl beim Kaltstart wie auf Langstrecke wohltuend bemerkbar macht. Wobei man zugeben muss, dass auch ein Selbstzünder, der nicht ausgereizt wird, auf Autobahnen kaum mehr zu hören ist.
 
Wir fuhren den Kodiaq seinem und unserem Naturell gemäß eher gelassen, nutzten auf langen Strecken den Tempomat und nur selten das PS-Potential des Vierzylinders. So kann man die Verbrauchsanzeige zwischen 8 und 9 Litern halten. In der hügellosen und tempolimierten norddeutschen Küstenlandschaft kommen gar Verbräuche um den Normwert von 7,4 Litern und darunter heraus. Flotte Etappen bringen die Anzeige dafür schnell in zweistellige Bereiche. Das ist alles in Ordnung, ein Diesel wäre aber selbstverständlich sparsamer. Skoda koppelt den Motor an ein Siebengang-DSG. Nun ist das sogenannte Direktschaltgetriebe des VW-Konzerns zwar ein gutes, aber auch schon etwas betagtes Getriebe, was sich bei anderen Modellen gerne im Rangierbetrieb bemerkbar macht. Die Tschechen haben die Abstimmung aber so hinbekommen, dass es sich fast wie eine moderne Wandlerautomatik anfühlt.
 
Mit 180 PS bewegt sich der Kodiaq im oberen Leistungsbereich der Kompakt-SUVs, denen er mit seinen Abmessungen bereits entwachsen ist. Geht man nur von der Größe aus, heißt der Wettbewerb eigentlich Mercedes GLC, Audi Q5 oder BMW X3, Fahrzeuge die bei vergleichbarer Ausstattung und Leistung schnell mal 15.000 oder gar 20.000 Euro teurer sind als der Tscheche.
 
Den genannten Premiumwettbewerbern ist der Kodiaq in Sachen Innenraum klar überlegen, weil der quer eingebaute Motor weniger Bauraum benötigt. Das kommt den Passagieren spürbar zugute. Vor allem denen in der zweiten und der optionalen dritten Reihe. Letztere muss man aber nicht haben, wenn der Nachwuchs aus dem Kindergartenalter heraus ist und nicht mehr in halber Mannschaftsstärke zum Sport gefahren werden will. Nimmt man erwachsene Freunde mit auf Reisen, ist der Platz in der zweiten Reihe keinesfalls schlechter als der vorne. Selbst hinter einem großgewachsenen Fahrer der 1,90-Meter-Klasse bleiben locker zwanzig Zentimeter Knieraum. Das klappt bei den erwähnten Premiumprodukten nicht. Auch nicht bei den bürgerlichen Wettbewerbern, außer eben dem ziemlich ähnlichen Tiguan Allspace.
 
Dass der Kofferraum bei voller Bestuhlung 720 Liter schluckt und sich das Ladevolumen bis auf maximal 2.065 Liter steigern lässt, wenn man die Rücksitzlehnen umklappt, unterstreicht den Nutzwert des Fahrzeugs. Bei einem Kurzurlaub zu zweit drohen Trolleys hinten zu vereinsamen.
 
Skoda konnte bei der Konstruktion des Kodiaq auf die aktuellen Assistenzsysteme des Konzerns zurückgreifen. Alles was der sogenannte Modulare Querbaukasten hergibt, ist im Prinzip vorhanden. Auch die Vernetzung via Smartphone klappt einwandfrei. Vermisst haben wir ein Head-up-Display, aber das ist in diesem Baukasten ohnehin nur in einer einfachen Form und für den Kodiaq gar nicht erst lieferbar.
 
In dieser Hinsicht ist die erwähnte Premium-Liga mal eine Spur besser. Auch beim Federungskomfort kommt der Kodiaq nicht ganz etwa an einen luftgefederten Mercedes GLC heran, liefert aber in seiner Liga ein exzellentes Ergebnis. Nur wer wirklich mehr Komfort und dazu dieses gewisse Extra an Saturiertheit haben will, ist bei Daimler und Co. besser aufgehoben, muss dafür aber sehr viel tiefer in die Tasche greifen. In der Ausstattung Style kostet der Kodiaq mit diesem Motor ab 37.550 Euro. Mit Extras steigt der Preis schnell in Richtung 50.000 Euro. Das ist für dieses sehr erwachsene und sehr gute SUV aber immer noch angemessen.


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