Vom Autohersteller zum Alleskönner
30.11.2017

Geht doch: Die Nutzfahrzeugsparte von Mercedes-Benz kann doch elektrisch angetriebene Kleintransporter bauen | Foto © Mercedes-Benz

Mercedes-Benz Vans erweitert nicht nur sein Modellportfolio, sondern auch seine Tätigkeit. Darin spielen unter anderem die Logistik und das Management beim Kunden sowie Car-Sharing und Elektromobilität eine Rolle.

Vor sechs Jahren ersann die Van-Sparte bei Mercedes den Slogan „Mercedes-Benz Vans goes global“. Obwohl man damit zwar grammatikalisch ein bisschen neben der Spur fährt, in der Realität hat sich die Strategie als goldrichtig erwiesen. Die leichten Nutzfahrzeuge LCV (Light Commercial Vehicles), vom Citan bis zum Sprinter waren bislang hauptsächlich in Europa unterwegs. Jetzt sind Russland und China dabei, Lateinamerika wurde „runderneuert“, wie Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans es nennt, und Sprinter nebst Vito wurden zum Weltauto gemacht. In 150 Märkten ist die Daimler-Tochter mittlerweile vertreten, fertigt in insgesamt zehn Fabriken, neben Deutschland in den USA, in Russland, Brasilien, China, Frankreich und Spanien. Jüngst wurde die Produktion für den Sprinter und Vito in Charleston/USA für 500 Millionen Dollar erweitert. 2016 liefen global rund 360.000 Fahrzeuge von den Bändern. Auch das finanzielle Ergebnis kann sich sehen lassen: 12,8 Milliarden Euro Umsatz, der höchste jemals erzielte. Gleiches gilt für den Gewinn, der bei 1,17 Milliarden Euro vor Steuer liegt, mithin eine Rendite von 9,1 Prozent ergibt. Sie zählt zu den höchsten in der Branche.


Doch das Umfeld ändert sich. „Nur Nutzfahrzeuge herzustellen und zu verkaufen, wird in Zukunft nicht mehr das alleinige Geschäft ausmachen“ sagt Mornhinweg. Mercedes-Benz Vans will viel intensiver mit dem Kunden zusammenarbeiten, besonders was Logistik, B2B-Lösungen und Flottenmanagement betreffen. „Wir werden zum Anbieter von Gesamtsystemlösungen.“ In fünf Bereiche ist die neue Strategie aufgeteilt, gebündelt unter dem Namen „adVANce“. 500 Millionen Euro stehen an Investitionen bis 2020 bereit. Knapp 500 neue Mitarbeiter, vor allem IT-Spezialisten wurden eingestellt.

Bei den „Kepler“, so nennt MBVans seine Kurier-Express-Firmenkunden, will man sich tief in deren Prozessketten einklinken, unter anderem Laderaum-Management betreiben und so die Effizienz des Kunden deutlich steigern. Stichworte: „On-Shot-Loading“, „Last-Mile-Logistic“, Drohnen. Gestartet werden soll damit 2019. Firmen sollen zudem die Möglichkeit bekommen, zu Spitzenbelastungen ihre Flotte per Smartphone-App schnell und unkompliziert zu erweitert (pay-per-use).

Ein weiteres Feld umfasst People-Mover, Ride Sharing und Pooling. Dahinter steckt die Absicht, mehrere Menschen mit gleichem Ziel in ein Auto zu setzen und so den Verkehr zu entlasten. In Kooperation mit Via betreibt MBVans das On-Demand-Shuttle-Projekt bereits erfolgreich (eine Million Fahrten pro Monat) in New York, Chicago, Washington D.C. und London. Eingesetzt werden Vito Tourer. Später sollen spezielle Vans mit Integration der Via-Software, Onboard-Sensorik und elektrischem Antrieb sowie autonomen Fahrfunktionen hinzukommen.

Und nur zu gut wissen die Stuttgarter, wie wichtig beim Thema Umweltzonen Elektromobilität bei Warenauslieferungen in Innenstädten wird. Hermes bekommt bereits 1.500 elektrisch angetriebene Vito. Schon nächstes Jahr können Kunden Fahrzeuge mit unterschiedlichen großen Batterien erhalten, zugeschnitten nach ihren Reichweitenbedürfnissen. „Wir bieten zwischen 50 und 200 Kilometer“, so Volker Mornhinweg.

Mit dabei ist der neue Sprinter, dessen Nachfolger im Sommer 2018 sein Debüt feiert. Der Sprinter ist weltweit Segmentführer und hat, ähnlich wie der VW Golf, ein ganzes Segment seinen Namen gegeben. Danach (2020) steht die Erneuerung des Citan, dem kleinsten Mitglied der LCV-Familie auf dem Programm. Da es bei der Kooperation mit Renault bleibt, wird der nächste Citan von Beginn an zusammen mit dem Kangoo entwickelt. Nur mit dem Unterschied, dass Mercedes jetzt seit der Konzeptphase dabei ist und seinem Citan daher hauseigene Spezifikationen mit auf den Weg geben kann sowie ihm eine Karosserie in eigenständigem Design überstülpt. Ganz so wie man es jetzt bei der X-Klasse in Relation zum Nissan Navara und Renault Alaskan gemacht hat. Beim derzeitigen Citan wurde lediglich die Front bis zur A-Säule anders gestaltet. Der Citan bleibt für Mercedes-Benz Vans ein wichtiges Einstiegsmodell. Ebenso wie die X-Klasse. Mornhinweg: „Unsere Kunden schätzen es sehr, sich nun ihren Fuhrpark oder ihre Flotte aus einer Marke zusammenstellen zu können.“


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