Gefahr durch Wildtiere
30.11.2017

Etwa um die Zeit wenn auf den Winterreifenwechsel hingewiesen wird, nimmt auch die Zahl an Hinweisen auf die Gefahr durch Wildunfälle zu. Die Annahme diese seien vor allem ein Phänomen des Herbstes ist weit verbreitet, doch richtig ist sie deswegen nicht. Es kommt das ganze Jahr zu Unfällen durch straßenkreuzende Wildtiere, daher sollte man im Sommer nicht weniger aufmerksam den Straßenrand beobachten.

Wildwechselsaison?

Alle zwei Minuten kommt es, statistisch gesehen, zu einem Wildunfall in Deutschland. Pro Unfall entsteht durchschnittlich ein Sachschaden von rund 2.300 Euro (Quelle: Allianz). Allerdings unterscheidet sich Durchschnittswert in den Bundesländern etwas voneinander (Siehe Grafik). Dies reicht von 2.125,39 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 2.654,74 Euro in Hamburg. Allein bei den Allianz-Versicherten Autofahrern entstand 2016 ein Gesamtschaden von 71,44 Millionen Euro durch Wildschäden.

Wildunfälle sind also ein ernstzunehmendes Problem. Zumal die Bebauung im Bundesgebiet immer weiterzunimmt und damit die Rückzugsorte für Wildtiere immer kleiner werden. Auf der Suche nach Nahrung kreuzen sie so deutlich häufiger Straßen und Wege als dies vor Jahren noch der Fall war. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Zahl der Unfälle und auch die Schadensleistungen aufgrund von Wildtieren in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Von 203.000 Unfällen und Versicherungskosten von 400 Millionen Euro im Jahre 2006, bis hin zu 263.000 Unfällen und 653 Millionen Euro Schadenaufwand (GDV).

Es ist jedoch keinesfalls so, dass die Tiere nur dann eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen wenn die Tage kürzer werden. Zwar gibt es im Jahresverlauf Zeiten mit einem höheren Risiko aber eine Hauptsaison gibt es deswegen nicht. Die Annahme einer Hauptsaison dürfte wohl auch mit ein Grund für die unterschätze Gefahr von Wildunfällen sein. Doch eine Kollision mit einem ausgewachsenen Keiler von rund 200 Kilogramm Körpergewicht sollte man nicht unterschätzen. Etwas stärkere Aktivitätsphasen der Wildtiere sind im April und Mai mit Beginn der austreibenden Vegetation zu verzeichnen. Rehe und Hirsche sind nun verstärkt auf Nahrungssuche. Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Paarungszeiten dar. Diese sind beim Rotwild zum Beispiel im September und Oktober, bei den Rehen jedoch bereits im Juli und August. Doch auch in den übrigen Monaten bestimmt immer die Gefahr, dass sich Tiere des Waldes auf die Straße verirren.

Besonders häufig geschehen Wildunfälle in den frühen Morgenstunden zwischen fünf und acht Uhr sowie am Abend zwischen 17 Uhr und Mitternacht. „Da die Tiere vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung unterwegs sind, liegen hier tendenziell die Gefahrenschwerpunkte. Sofern diese Zeiten auch noch mit dem Hauptberufsverkehr zusammenfallen und die Straßen stärker befahren sind, ist das Risiko entsprechend erhöht“, erklärt David Rosenbach, Diplom-Forstwirt und Allianz Experte für Waldversicherungen. Hauptverursacher sind laut den Zahlen des Versicherers Rehe. Diese haben einen Schadensanteil von etwa 80 Prozent. „Das liegt vor allem daran, dass sie flächenmäßig am weitesten verbreitet sind“, sagt Rosenbach. „Damwild, Rotwild oder auch Wildschweine kommen dagegen nicht in allen Regionen vor.“ Dennoch werden etwa zehn Prozent der Unfälle durch Wildschweine verursacht. Die restlichen zehn Prozent sind kleinere Tiere wie Füchse oder Hasen.

Was kann man tun?

Wenn, trotz aller Vorsicht, eine Kollision mit einem Wildtier nicht mehr verhindert werden konnte ist es wichtig, dass man weiß wie man sich korrekt verhält.Wie bei anderen Unfällen auch, ist es wichtig die Unfallstelle zunächst abzusichern: Warnblinklicht einschalten, Sicherheitsweste anlegen, Warndreieck aufstellen, um mögliche Verletzte kümmern. „Vor dem Hintergrund des Tierschutzes muss der Unfall auf jeden Fall gemeldet werden“, erklärt David Rosenbach. „Wenn das Tier nach dem Zusammenstoß wegläuft, wird der zuständige Jäger eine sogenannte Nachsuche organisieren. Speziell ausgebildete Jagdhunde nehmen mit ihrem Führer dabei die Fährte auf, um festzustellen ob das Wild schwerer verletzt ist und ihm gegebenenfalls unnötiges Leid zu ersparen.“ Liegt ein Tier verletzt auf der Straße, sollte man es auf gar keinen Fall anfassen. „Es könnte sich bedroht fühlen, ausschlagen oder beißen“, so Rosenbach weiter. „Liegt das Tier tot auf der Straße und besteht keine Eigengefährdung, dann kann man den Kadaver (mit Schutzhandschuhen) vorsichtig an den Straßenrand ziehen. Das Mitnehmen der Tiere ist verboten, das wäre Wilderei und somit eine Straftat.“ Zudem solle der Unfall unbedingt dokumentiert werden und eine Wildschadenbestätigung durch die Polizei oder Jagdpächter ausgestellt werden. Anschließend sollte man umgehend die Versicherung kontaktieren.

Es ist jedoch nicht nur jeder Autofahrer bei der Vermeidung von Wildunfällen gefragt sondern auch die Behörden. So fordert der GDV beispielsweise das Wildwechselwarnschilder zielgerichteter und häufiger aufgestellt werden.


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