Elektrisierende Entwicklung
04.12.2017

Bei der Formel E geht es wie hier in Hongkong mitunter eng zu. Seit dieser Saison mischt auch Audi mit einem Werksteam mit.

Am vergangenen Wochenende ist die Formel E in Hongkong in die Saison 2017/2018 gestartet. Die neue Serie geht damit bereits in ihre viertes Jahr. Auch in der aktuellen Saison wird mit dem ePrix auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Berlin-Tempelhof wieder ein Rennen in Deutschland stattfinden. Flottenmanagement hat sich die Serie genauer angesehen und erklärt, welchen Stellenwert der elektrische Motorsport in der Entwicklung der Elektrofahrzeuge einnimmt.

Seit Jahrzehnten gilt die Formel 1 als die Königsklasse des Motorsports. Als solche bietet sie die Plattform für die extremsten und schnellsten Rennwagen der Welt. In den letzten Jahren fand daher ein immer stärkeres Wettrüsten um das beste Auto statt. Somit gewinnt in der Regel nicht mehr ausschließlich der beste Fahrer, sondern der mit dem besten Material. Kleinere Teams können sich die Autos sowie die enormen Kosten der Rennserie kaum noch leisten. Um sich überhaupt über Wasser halten zu können, müssen Traditionsteams wie Williams oder Sauber sogenannte Paydriver einsetzen, die sich für viele Millionen Euro ein Cockpit erkaufen. Ein Grund, warum beispielsweise Sebastian Vettel den Sprung in die „Königsklasse“ bereits mir 19 Jahren geschafft hat, war sicherlich auch die finanzielle Unterstützung von Red Bull. Dass er auch eine kräftige Portion Talent und Können besitzt, hat er mit vier WM-Titeln mittlerweile bewiesen. Andere Talente wie jüngst Pascal Wehrlein bleiben jedoch auf der Strecke, die Cockpits erhalten stattdessen Fahrer, die weniger mit Talent, dafür aber mit potenteren Geldgebern gesegnet sind. Diese Gründe haben zur Folge, dass sich die Rennserie seit Jahren von den Zuschauern entfernt.

Mit der Formel E wurde nun eine Rennserie geschaffen, die neue Wege geht. Dem Wettrüsten geht man (noch) mit vielen Einheitsteilen wie beispielsweise dem Chassis entgegen. Somit liefert die elektrische Rennserie dem Zuschauer ein klareres Bild, wer denn der schnellste Fahrer ist. Allerdings wird der sonst so markante Sound bei der Formel E durch ein gewöhnungsbedürftiges leises Surren sowie quietschende Reifen ersetzt. Gewöhnen muss sich der Zuschauer auch an den Auto-Tausch. Richtig, in der Formel E muss nach etwa der Hälfte des Rennens der Bolide getauscht werden, da die Akkus nicht für eine volle Renndistanz ausreichen. Kein Wunder also dass die Elektro-Rennserie mit ihrem neuen Konzept beim Zuschauer bislang noch nicht auf die große Zustimmung trifft. Allerdings unternehmen die Veranstalter einiges, um das Interesse des Zuschauers zu wecken: erschwingliche Eintrittspreise, Zugang zum Fahrerlager und spannende Rennen in den Städten dieser Welt. Seit der ersten Saison ist Berlin als Austragungsort im Kalender und wird auch kommendes Jahr am 19. Mai den 9. WM-Lauf austragen. Damit auf den überwiegend engen Stadtkursen Überholmanöver möglich sind, benötigt die Formel E allerdings wie auch die Formel 1 eine künstliche Überholhilfe. Beim elektrischen Pendant zur „Königsklasse“ wird jedoch der Fan durch die Überholhilfe am Renngeschehen beteiligt. Denn der Zuschauer bestimmt anhand des „Fan Boost“ über Soziale Netzwerke, welcher Fahrer zusätzliche „Push-to-Pass“-Optionen erhält. Die Überholhilfe ermöglicht dem jeweiligen Fahrer in seinem zweiten Auto eine kurzzeitige Zusatzleistung von 100 kW beim Überholvorgang.

Gesteigert werden könnte das Interesse beim Zuschauer auch durch die Werksteams. Bereits seit dem ersten Rennen ist beispielsweise Renault mit dem Team „e.dams“ sehr erfolgreich am Start. In den ersten drei Jahren hatten die Franzosen bislang alle Konstrukteurs-Titel gewonnen. Darüber hinaus konnte Sébastien Buemi im Jahr 2015/16 die Fahrer-WM in einem Renault für sich entscheiden. Die Konkurrenz wird in Zukunft allerdings nicht weniger werden. Vergangene Saison war Jaguar mit einem eigenen Team in die Serie eingestiegen. Seit dem Wochenende ist nun auch Audi werksseitig gemeinsam mit dem Automobilzulieferer Schäffler vertreten. Ab kommender Saison will BMW gemeinsam mit dem US-Team Andretti Autosport antreten. Zur Saison 2019/20 wollen mit Porsche und Mercedes zwei weitere namhafte deutsche Hersteller den Schritt in den vollelektrischen Motorsport wagen. Das hat allerdings Konsequenzen für andere Rennserien. Porsche hat den Ausstieg aus der Langstrecken-WM WRC verkündet, während Mercedes zugunsten der Formel E auf die DTM verzichtet.

Das sind wegweisende Entscheidungen über die Zukunft des Motorsports. Auch für die Serienproduktion von Elektrofahrzeugen hat die Rennserie eine große Bedeutung. Immerhin gilt der Motorsport seit jeher als Plattform für die extremsten und schnellsten Fahrzeuge der Welt sowie für stetige Weiterentwicklung der Technologien. Von dem werksseitigen Engagement der Hersteller in der Formel E kann also langfristig eine Weiterentwicklung der Elektrotechnologie in Sachen Motoren, Antriebsstränge sowie der Batterietechnik erwartet werden. Denn es ist auch im Sinne der Motorsport-Fans, wenn die Boliden eine gesamte Renndistanz mit einer Batterieladung absolvieren können. Auf Basis der Erkenntnisse aus dem Rennsport können E-Fahrzeuge in Zukunft also deutlich effizienter sowie leistungsstärker werden und die Reichweitenproblematik der Elektromotoren damit der Vergangenheit angehören.  


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