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"Flotte! Der Branchentreff" 2019
Der Nissan X-Trail im Test
Die Heckansicht des X-Trail
Ein Blick in den Innenraum
Zusatzsitze im Kofferraum
Der Kofferraum ist variabel

Ganz entspannt zwischen allen Stühlen

0 2017-12-18 255

Der Nissan X-Trail war mal ein kerniger Typ. Wie viele dieser Art ist er im Laufe seines Lebens nun deutlich weicher geworden und mag es komfortabel. Ist das eine neue Art von Souveränität oder einfach nur langweilig? Das muss ein Test klären.

In Deutschland neigt man zur Nabelschau: Was wir nicht für wichtig erachten wird häufig gleich ganz ignoriert. Ein Fehler, der sowohl auf unseren speziellen Hang zur Provinzialität als auch auf mangelnde Informationen - oder auf beides - zurückzuführen sein könnte. So gibt es im Automobilbereich zum Beispiel einige echte Welt-Bestseller, die in Deutschland gar nicht erst angeboten werden oder hier zumindest keine Rolle spielen und damit auch kaum auf die Wunschliste von Neuwagenkäufern kommen. Der Pick-up Ford F150 wäre so ein unbekannter Champion, der Toyota Corolla ein anderer. Honda CR-V und Nissan X-Trail werden bei uns immerhin angeboten, sind aber nur leidlich erfolgreich. Kein Grund, sich nicht mal den große Nissan in die Testgarage zu stellen und der Frage nachzugehen: Wird das SUV bei uns zu Unrecht ignoriert oder gibt es dafür vielleicht doch gute Gründe?

Zur Verfügung gestellt wurde uns der Japaner in der stärksten Motorisierung mit 177 Diesel-PS, Allradantrieb, sieben Sitzen und allerlei Extras an Bord. So schraubte sich der Preis des Testwagens auf 41.430 Euro, allerdings bleiben dann in Sachen Ausstattung auch kaum noch Wünsche offen. Wirklich vermisst haben wir aber zum Beispiel ein Head-up-Display, das in dieser Preis- und Größenklasse eigentlich zumindest optional angeboten werden sollte.
 
Apropos Größe, die ist eine echte Stärke des Nissan, obwohl er mit 4,69 Meter Länge nicht zu den ganz riesigen SUV zählt. In der ersten und zweiten Reihe gibt es nichts zu meckern und die in unserem Fahrzeug vorhandene dritte Sitzreihe mit zwei Plätzen (1.450 Euro inkl. Glas-Schiebedach) ist wie bei allen Mitbewerbern nur was für höchsten mittelgroße Kinder. Ansonsten wirkt der seit dreieinhalb Jahren in Deutschland erhältliche X-Trail im Innenraum zwar nicht angestaubt, aber irgendwie auch nicht gerade modern. Qualität und auch Verarbeitung der Materialien sind eher Durchschnitt. Das überrascht, war dem Fahrzeug doch erst kürzlich eine umfangreiche Überarbeitung zuteil geworden. Zu diesem Eindruck passt dann leider auch der pixelige 7-Zoll-Bildschirm, der aber immerhin beim Einparken eine bequeme 360 Grad Rundumsicht bietet. Was durchaus notwendig ist, denn dafür, dass er in einem SUV sitzt, hat der Fahrer selbst keine besondere Übersicht. Geärgert haben wir uns zudem über das Navi (1.380 Euro, inkl. Rückfahrkamera), das sich nicht nur bei neueren Verkehrsführungen nicht auf dem Stand zeigte, sondern auch in Sachen rechtzeitiger Stauinfo ein ums andere Mal versagte.
 
Umfangreich, zumindest in dieser Ausstattungsvariante, fällt das Sicherheitspaket aus. An Bord fanden sich ein Spurverlassenswarner, Einparkautomatik, Tempolimiterkennung und Notbremsassistent, der seit der Überarbeitung nun auch Fußgänger erkennt. Wenig überzeugt hat uns dagegen die Motor-Getriebe-Kombination. Der 2-Liter-Diesel ist zwar kräftig, agiert aber deutlich vernehmbar und ist auch kein Verbrauchswunder. Fast neun Liter Sprit nahm sich der Selbstzünder trotz überwiegend verhaltender Fahrweise im Durchschnitt und damit annähernd 50 Prozent mehr als versprochen. Das mag auch am Getriebe liegen: Die CVT-Automatik hat uns auf ganzer Linie nicht überzeugt. Andererseits passt sie zur grundsätzlich gemütlichen Gangart des X-Trail und dessen komfortabler, manche mögen sagen schaukeliger, Federung.
 
Hier zeigt sich besonders deutlich, dass es dieser Nissan mit einem schwer definierbaren Mittelweg versucht. Er ist trotz Allradantrieb (in dieser Variante) viel weniger Geländewagen und viel mehr SUV als die Vorgänger. Um aber als großer Bruder des erfolgreichen Qashqai durchzugehen, fehlt es ihm wiederum an Agilität und Handlichkeit. In diesen Dingen ist er X-Trail eher Amerikaner und dort soll er sich ja auch ganz gut verkaufen. Allerdings natürlich nicht mit einem Dieselmotor unter der Haube, der Selbstzünder ist die europäischste Komponente am ganzen Auto.
 
So sitzt man zwar selbst im X-Trail gemütlich, das Fahrzeug als solches aber irgendwie zwischen allen Stühlen. Für Marketing und Vertrieb ist es sicher keine leichte Aufgabe, ein solches Auto in Deutschland zu vermarkten. Und so bedarf es keiner prophetischen Fähigkeiten um vorherzusagen: Der X-Trail wird auch weiterhin ein seltener Gast auf unseren Straßen bleiben. 

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