Stand der Dinge
02.01.2018

Die Vernetzung im Straßenverkehr schreitet voran

Die Vernetzung von Geräten und insbesondere von Autos schreitet immer weiter voran. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Idee vom vernetzten Auto ist ein alter Hut. Schon 1939 sinnierte General Motors über autonome Fahrzeuge auf intelligenten Highways, die mit Radio- und TV-Wellen gesteuert werden sollten. Heute ist die Technik viel weiter, fahrzeuginterne Vernetzungen sind schon lange an Bord und gehören für uns mittlerweile zum Standard-Repertoire eines modernen Fahrzeugs. ABS, ESP, Navigation oder der Abstandsregeltempomat: All diese Funktionen erfordern eine Vernetzung innerhalb des Autos mit seinen Sensoren und Steuergeräten. In einem aktuellen Mittelklasse-Fahrzeug sind schon heute durchschnittlich 70 Mikrochips, 100 sogenannte „Engine Control Units“ und mehr als 100 Millionen Zeilen Befehlscode untergebracht.

Das vernetzte Auto von Morgen gehört zum „Internet der Dinge“ – wie Fernseher, Smartphones oder sehr futuristische Kühlschränke. Als rollende Packstationen (wie Smart und VW es testen) oder mittels der intelligenten Sprachsteuerung über Amazons Alexa (wie bei Seat oder BMW) wird das Auto in kleinen Schritten zu einem Mehrzweckgerät verwandelt, das mehr können soll, als nur von A nach B zu fahren. Faktisch ist dabei jeder Neuwagen, der ab dem 31. März 2018 verkauft wird, ein vernetztes Auto – auch extern, also vom Auto zu weiteren, gerne als „X“ bezeichneten Stellen. Denn: Ab diesem Zeitpunkt müssen alle Fahrzeuge mit dem „E-Call“-Notrufsystem ausgerüstet sein, das im Falle eines Falles automatisch einen Notruf absetzt.

Doch schon heute können viele Autos mehr. Die Standheizung per Smartphone-App starten? Geht. Schnell auf dem riesigen Luxus-Schlüssel samt Display checken, wie lange das Benzin noch reicht? Kein Problem.
Doch besonders solche Anwendungen fürs Handy sollten mitunter erstmal kritisch betrachtet werden, meint die Stiftung Warentest. Die Prüfer hatten im Herbst 26 Apps von 13 großen Autoherstellern untersucht und festgestellt, dass eigentlich alle mehr Daten als nötig sammeln und versenden würden. Dabei werden sensible Informationen wie die Fahrzeug-Identifikationsnummer teilweise unverschlüsselt übermittelt. Besonders Tesla, als Pionier auf diesem Gebiet geltend, musste Kritik einstecken. So könnten die Amerikaner laut dem Test unter anderem Zugriff auf Daten der Fahrzeug-Kameras und auf Informationen über den individuellen Fahrstil des Fahrers erlangen. Daten, die nicht nur für die Hersteller, sondern zum Beispiel auch für Versicherer interessant sind. Laut einer Umfrage des Mobilitätsclubs „Jimdrive“ würden 75 Prozent der Nutzer vernetzter Autos ihre Fahrdaten einem Versicherer überlassen, sollte dieser im Gegenzug den Tarif senken.

58 Prozent der Befragten signalisierten ihre Bereitschaft, Fahrdaten Dritten zugänglich zu machen, wenn sich etwa durch eine Vernetzung mit anderen Verkehrsteilnehmern die Unfallprävention verbessern ließe. Dazu eignet sich die sogenannte „Car to Car“-Kommunikation, die über eine cloudbasierte Datenbank Verkehrsinfos sammelt und verschickt. So lassen sich beispielsweise Unfallstellen schneller melden oder Staus umfahren. Als aktuelles Beispiel kann hier der neue Audi A8 angeführt werden, dessen Navigationssystem auf eine Cloudlösung des Dienstleisters „Here“ vertraut. Vor allem autonome Fahrzeuge kommen nicht ohne eine solche Plattform aus, die sie mit Infos versorgt. Hier werden wir in Zukunft also eine enorme Entwicklung sehen.

Und auch für Software-Updates, die Fahrzeuge mit vielen Steuergeräten immer häufiger benötigen, lässt sich eine mit dem Auto verbundene Cloud nutzen. Unter anderem setzt Tesla bereits seit längerem auf diese Art der Wartung, die dem Fahrzeugnutzer lästige Werkstatt-Aufenthalte ersparen kann.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass Vernetzungs-Technologien in der nächsten Zeit immer mehr Raum in modernen Autos einnehmen werden. Egal, ob es dabei um Unterhaltung, Komfort oder Sicherheit geht. Vor allem mit der etwa ab 2020 startenden Offensive deutscher Premiumhersteller im Bereich der autonomen Fahrzeuge werden Dinge möglich sein, die heute noch kein Auto kann. Mit dem selbstfahrenden Robotertaxi abends ins Kino, ohne einen Parkplatz suchen zu müssen? Wir sprechen uns in ein paar Jahren wieder.


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