War das der Durchbruch?
02.01.2018

Das E-Auto kommt - bald

Des einen Leid ist des anderen Freud: Weil der Diesel permanent unter Beschuss steht, hat es das E-Auto endgültig in die Mitte der Gesellschaft geschafft. Auch wenn es weiterhin kaum gekauft wird.

Produktionsprobleme bei Tesla, Lieferschwierigkeiten beim Opel Ampera-e – 2017 wirkt auf den ersten Blick nicht eben wie eine glänzende Zeit für das E-Auto. Dennoch könnte es als das Jahr des endgültigen Durchbruchs in die Geschichte eingehen. Nicht zuletzt, weil der Verbrennungsmotor Schwächen zeigt.

Dass er Schwebezustand in dem das Elektroauto seit Jahren verharrt, zunehmend durch eine beginnende Bodenständigkeit abgelöst wird, war zuletzt auf der IAA zu sehen. Zwar hatten die meisten Hersteller auch weiterhin keine Serienmodelle dabei, doch die gezeigten Studien wirkten deutlich konkreter als noch zwei Jahre zuvor an gleicher Stelle. Mercedes EQA, VW I.D. und Co. kommen zwar frühestens übernächstes Jahr auf den Markt, sind aber zumindest schon mal konkrete Zwischenzeugnisse aus den Entwicklungslaboren. Keine reinen Phantasiegebilde mehr, sondern seriennahe Fahrzeuge, an denen sich die künftigen Modelle messen lassen müssen.

Der neue Elektro-Hype auf der wichtigsten Branchenmesse des Jahres mag auch ein klein wenig ein Ablenkungsmanöver gewesen sein. Denn das bisherige Absatz- und Image-Zugpferd lahmt zunehmend. Seit dem Herbst 2015 hören die Hiobsbotschaften um NOx-Ausstoß und Technik-Schummelei nicht auf. In diesem Jahr sind die Skandale schließlich auf für den nur oberflächlich interessierten Verbraucher konkret geworden, drohen im kommenden Jahr doch großflächige Fahrverbote in Innenstädten. Und damit abstürzende Restwerte. Der Diesel dürfte sich in der Breite davon nicht mehr erholen und sich seine Nische künftig in den großen Fahrzeugklassen suchen.

Kleinwagenfahrer mit dem Wunsch nach preisgünstiger und CO2-armer Mobilität werden in Zukunft wohl eher nicht mehr nach dem Diesel greifen können – denn entsprechende Neuwagen gibt es bald nicht mehr. Profiteur ist schon heute das E-Auto. In den vergangenen Monaten sind die Zulassungszahlen deutlich gestiegen: von 1.323 Einheiten im Januar auf 3.031 im November. Gegenüber dem Vorjahr sind das dreistellige Zuwachsraten. Dank der groß angelegten Diesel-Abwrackprämien der Hersteller dürften noch einige dazu kommen, gibt es doch für den Umstieg aufs E-Auto häufig noch Extra-Rabatt. Berücksichtigt man dann noch die seit 2016 gewährte E-Auto-Prämie, fällt der Preis schon mal unter die 20.000-Euro-Grenze. So kann man sich ein Elektromobil durchaus schön rechnen.

Der kleine Elektro-Boom hat aber nicht nur mit privatwirtschaftlichen Rabattaktionen, staatlichen E-Autoprämien und der Schwäche von Konkurrenz-Antrieben zu tun. Auch das Produktangebot hat sich im laufenden Jahr stark verbessert. Vor allem, weil bewährte Modelle ihre nächste technische Evolutionsstufe erklommen haben. So bringt es der E-Auto-Bestseller Renault Zoe dank neuer Batterie nun auf bis zu 400 Kilometer Reichweite, Deutschlands Nummer zwei BMW i3 kommt nun gegen Aufpreis bis zu 300 Kilometer ohne Steckdose aus und der VW E-Golf schafft die gleiche Strecke mit einer Akkuladung.

Bei so viel Feinschliff am Bewährten fällt es kaum auf, dass es mit echten Neuheiten zumindest auf dem deutschen Markt nicht weit her war. Tesla hat zwar den lang erwarteten Massen-Stromer Model 3 vorgestellt, bietet ihn aber auf absehbare Zeit noch nicht in Deutschland an. Und Opel hat zu Jahresbeginn mit großem Wirbel den Ampera-e präsentiert, sich aber kurz darauf von der Konzernmutter General Motors getrennt. Aus dem Elektro-Wunderkind wurde so ganz schnell ein ungeliebtes Stiefkind. Statt mit dem preisgünstigen Crossover und seinen über 500 Kilometern den deutschen Markt aufzurollen, müssen die Rüsselsheimer nun noch ein bis zwei Jahre auf die kommenden E-Modelle der neuen Konzernmutter PSA warten.

Klar ist aber, dass die Autos kommen werden und nicht mehr bloß optimistische Ankündigungen sind. Denn Ignoranz und Verzögerungstaktik ist für die europäischen Hersteller beim E-Auto keine Option mehr, seit China die Elektromobilität zur Staatsräson erklärt hat. Im Reich der Mitte entscheidet nicht der Markt, der bislang weltweit nicht gerade als Triebkraft für die Elektrifizierung in Erscheinung getreten ist, sondern die Politik. Und die hat im Herbst angekündigt, spätestens 2019 strenge Quoten einführen, die auch Europas Marken zum Verkauf einer erklecklichen Zahl von E-Autos zwingen.

Vielleicht ist der China-Vorstoß zusammen mit der Diesel-Krise der letzte Anstoß, den das E-Auto noch gebraucht hat. 2017 wäre dann tatsächlich das Jahr seines endgültigen Durchbruchs – auch wenn dieser sich erst im kommenden Jahrzehnt in den deutschen Neuzulassungszahlen ernsthaft niederschlagen dürfte.


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