Voll alltagstauglich
04.01.2018

Deutsche Bestseller wie der Golf, der Astra oder Focus dominieren in der Bundesrepublik die Kompaktklasse. Noch jedenfalls. Denn die Importeure machen sich längst daran, an dieser Vormachtstellung zu kratzen. Peugeot versucht das mit seinem 308, der vor allem durch sein Design Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Mit dem 130-PS-Benzinmotor sowie mit je zwei weiteren Otto- und Dieselaggregaten schafft der 308 als derzeit einziges lieferbares Familienauto die zukunftsfähige Abgasnorm Euro 6d-temp. Für diese werden erstmals neben Laborwerten auch auf der Straße ermittelte sogenannte RDE-Werte (Real Drive Emissions) herangezogen. Dies bezieht sich allerdings ausschließlich auf die Stichoxide (NOx), die im realen Betrieb um das 2,2-fache über dem Normwert von 80 mg/km für den Laborbetrieb liegen dürfen, also bei 168 mg/km. Der kleine Benzinmotor in unserem 308 mit nur drei Zylindern und 1,2 Litern Hubraum schafft diese Norm, auch dank eines serienmäßig eingebauten Partikelfilters.
 
Soweit die Theorie. Die gute Nachricht lautet: In der Praxis ist von der komplizierten neuen Emissions-Welt überhaupt nichts zu merken. Der Dreizylinder hängt toll am Gas und beschleunigt dank Turbounterstützung so vehement, dass der Frontantrieb vor allem auf feuchter Straße oder beim Anfahren durchaus so seine Probleme haben kann, die Kraft ohne Eingriff der Traktionskontrolle auf die Straße zu bringen. Das in den Gängen fünf und sechs lang übersetzte Getriebe sorgt für hohe Autobahngeschwindigkeiten, der Tacho zeigte sogar deutlich mehr als die versprochenen 210 km/h Spitze an. Auf den Verbrauch hat das aber leider keine Auswirkungen.
 
Der Peugeot ist davon abgesehen ein voll alltagstaugliches Auto. Leichter Einstieg vorne, bequeme Sitze, eine eher komfortbetonte Federung und ein in dieser Klasse mit 420 Litern überdurchschnittlicher Kofferraum finden sich auf der Pluspunkt-Liste, hinten geht es allerdings eher eng und wenig luftig zu. Wenig überzeugend auch das Navi, das sich durch relativ lange Rechenzeiten und ausbleibende Hinweise auf Staus „auszeichnete“, was uns an einem schneereichen Wochenende auf der Autobahn fast in eine Vollsperrung getrieben hätte – und dies, obwohl sogar bereits das Radio entsprechende Meldungen sendete.
 
Trotzdem ist der 308 als Fahrzeug eigentlich rundum empfehlenswert, auch weil er anders als bei französischen Modellen früher üblich, sorgsam zusammengebaut wurde und im Innenraum mit wertigen und gut verarbeiteten Materialien glänzt. Kein Wunder, dass der Kompakte der in Deutschland meistverkaufte Peugeot überhaupt ist. Zumal sein Grundpreis von 22.150 Euro mit dieser Motorisierung und angesichts der schon gar nicht so schlechten Active-Ausstattung durchaus wettbewerbsfähig ist.
 
Allerdings patzt der 308 ausgerechnet da, wo er unbedingt eigene Akzente setzen will. Zu nennen wäre da vor allem das sogenannte i-Cockpit, dessen hervorstechendste Eigenschaft das flach angesetzte Lenkrad ist. Anders als üblich schaut man hier nicht durch das Lenkrad auf die Instrumente, sondern über es hinweg. Das soll besonders sportlich sein, aber ehrlich gesagt hat sich uns dies nicht erschlossen. Es wirkt vielmehr so, als ob hier unbedingt etwas Neues ausprobiert werden musste.
 
Ähnlich ist es auch mit der Bedienung im eigentlich sehr schön reduzierten, mit wenig Knöpfen und Schaltern eingerichteten Innenraum. So muss man sich einige der Icons für Radio, Navi oder Telefon am Rande des Bildschirms mehr als zweimal anschauen, um zu verstehen, was dahinter steckt. Hier heißt es wohl eher: Form vor Funktion.
 
Das gilt übrigens auch für den Schaltknauf des exakt zu bedienenden manuellen Sechsganggetriebes. Man ist versucht ihn als typisch französische Lösung zu benennen: Der aus edlem Alu gefertigte Knauf sieht gut aus und liegt gut in der Hand, wird aber im Winter derart eiskalt, dass man ihn nur mit Handschuhen anfassen konnte. Erst nach zwei Stunden Fahrt hatte sich das Designerstück so aufgewärmt, dass wir uns im inzwischen schon längst muckelig warmen Innenraum auch der Handschuhe entledigen konnten.
 
So steht der Schaltknauf irgendwie symbolisch für den 308. Denn der Peugeot überzeugt in allen gängigen Disziplinen wie Motor, Getriebe, Komfort und Platz. Aber genau dort, so man mit Gewalt eigene und spezielle Lösungen durchsetzen will, entpuppen sie sich als überflüssige Spielerei oder sogar als echtes Ärgernis. Wenn die Franzosen vom PSA-Konzern hier noch nachlegen würden, wäre der 308 aber eine echte Alternative zum Golf oder auch zum neuen Konzernrivalen Astra.

Peugeot 308 1.2 PureTech 130 – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges Kompaktmodell; Länge: 4,25 Meter, Breite: 1,80 Meter (mit Außenspiegeln: 2,04 Meter), Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,62 Meter, Kofferraumvolumen: 420 - 1.228 Liter

1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, 6-Gang-Handschaltgetriebe, 0-100 km/h: 9,1 s, Vmax: 210 km/h, Normverbrauch: 5,2 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 120 g/km, Abgasnorm: Euro 6d temp, Emissionsklasse: C, Testverbrauch: 7,1 Liter

Preis: ab 22.150 Euro (Active)


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