Mobilitätsdaten machen Verkehrsströme sichtbar
10.01.2018

Telefónica Next, eine Tochtergesellschaft des Kommunikationsunternehmens Telefónica Deutschland, hat mit „So bewegt sich Deutschland“ eine interaktive Karte geschaffen, die aus Daten deutschlandweite Verkehrsströme aufzeigt. So sollen abstrakte Begrifflichkeiten wie Mobilitätsdaten, Datenanalyse, Big Data greifbar gemacht werden. Die Daten sollen vor allem Städten und Verkehrsbetrieben visuell veranschaulichen, welche Erkenntnisse für die Mobilität und Verkehrsplanung in Deutschland aus anonymisierten Mobilfunkdaten gewonnen werden können. Für die Metropolen Hamburg, Berlin und München finden sich beispielhaft regionale Einblicke, unter anderem zum Pendlerverhalten und abendlichen Ausgehzeiten.

Die anfallenden Datenmengen sind dabei immens. Allein bei Telefónica Deutschland sind es Mobilfunkdaten von über 48 Millionen Anschlüssen. Solche Daten entstehen bei Handys/Smartphones beispielsweise beim Surfen oder Telefonieren, mit den Mobilfunkzellen kommunizieren. Und auch für Datenschutz ist gemäß Telefónica Deutschland gesorgt. So sollen die täglich rund fünf Milliarden Datenpunkte über ein dreistufiges und vom TÜV zertifiziertes Verfahren anonymisiert worden sein, ein Rückschluss auf Einzelpersonen sei somit nicht möglich.

Aus der Analyse dieser Daten gewinnt das Tochterunternehmen NEXT Erkenntnisse über Bewegungsmuster in Deutschland, die unter anderem für die Verkehrsplanung einen wichtigen Mehrwert bieten könnten. „Big Data ist ein abstraktes Thema. Mit ‘So bewegt sich Deutschland’ haben wir unsere anonymisierten Datenströme zum ersten Mal erlebbar gemacht“, erklärt Jens Lappoehn, Geschäftsführer für Advanced Data Analytics bei Telefónica NEXT. „Unsere Datenvisualisierung zeigt, was schon das Fraunhofer IAO vor einem Jahr bestätigt hat: Anonymisierte Mobilfunkdaten sind eine wertvolle Datengrundlage für die Planung von Mobilität.“

Arbeitsbeginn und -wege werden sichtbar

Berechnungen zufolge finden an einem durchschnittlichen Wochentag in Deutschland 161 Millionen Reisen von über zwei Kilometer Länge statt. Diese Bewegungsströme über eine Durchschnittswoche hinweg sind auf der Website in einer interaktiven Grafik dargestellt. Dabei bilden die sich bewegenden Tropfen immer ausreichend große Gruppen von Reisenden ab – dies ist sowohl für den Datenschutz als auch für die Statistik relevant, so das Corporate Start-up.

Anhand der Karte zeigt Telefonica Next, wann die verschiedenen Regionen in Deutschland den Tag beginnen. So fahren die Menschen im Bundesdurchschnitt um 7:30 Uhr los. Dabei machen sich die Menschen aus Ostdeutschland und Bayern etwas früher auf den Weg, als ihre arbeitenden Pendants im Westen. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt starten die Menschen im Schnitt um 6:56 Uhr und damit in Bundesrepublik am frühesten.

Die Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern haben dabei morgens im Schnitt mit knapp 30 Kilometern die längste Strecken vor sich, währenddessen die Berliner mit durchschnittlich 6,7 Kilometern den kürzesten Weg zurücklegen. Interessant: Auf der Website können Nutzer auch sehen, wie früh „ihre“ Region (Postleitzahl) auf den Beinen ist.

Darüber hinaus sind auch die unterschiedlich großen Einzugsgebiete deutscher Großstädte einsehbar, sie sind ebenfalls grafisch auf der Seite dargestellt. In München kommen die Pendler aus klar umrissenen Umkreisen, in Hamburg wiederum legen sie deutliche größere Strecken zurück, teilweise gar aus Regionen wie Mecklenburg, Prignitz oder Vorpommern. Im Schnitt sind Pendler 28,9 Kilometer unterwegs, um nach Hamburg zu kommen.

Was steckt hinter dem Ganzen?

Gemäß eigenen Angaben möchte Telefónica Next veranschaulichen, welche Möglichkeiten in den anonymisierten Mobilfunkdaten für die Verkehrsplanung stecken. Davon könnten Verantwortliche für Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), Städtebau und Gestalter neuer Formen der Mobilität profitieren, so das Unternehmen. So würde die Datenbasis des Start-ups bereits in zahlreichen Projekten eingesetzt, zum Beispiel zur Optimierung der Kapazitäten des Regionalverkehrs in Berlin-Brandenburg im Projekt „ProTrain“, das durch das Bundesverkehrsministerium gefördert wird.

Letztlich wird anhand dieses Großprojekts einmal mehr deutlich, welche enorme Bedeutung Daten schon heute und vor allem in Zukunft haben werden. Nicht ohne Grund werden Daten als „das Öl der Zukunft“ bezeichnet, das Ausmaß ihres Wertes dürfte heute noch kaum abzuschätzen sein. Besonders interessant ist und bleibt das Thema Datenschutz. Während Telekommunikationsfirmen mit Datensicherheit und Anonymität werben, herrscht gerade in der Automobilindustrie viel Intransparenz, was mit den anfallenden Daten im Auto passiert und wer letztlich alles Zugriff darauf hat.

Hintergrundinformationen zum Projekt:

Auf Basis der anonymisierten Mobilfunkdaten von Telefónica Deutschland erstellte Telefónica Next eine umfangreiche Quelle-Ziel-Matrix für ganz Deutschland. Informationen zu Start und Ziel von Reisen über zwei Kilometer innerhalb Deutschlands erfasste Telefónica Next im März 2017 und wertete die anonymisierten Daten Stunden- sowie Postleitzahlen-genau aus. Alle Daten entsprechen extrapolierten Werten und sind damit auf die gesamte deutsche Einwohnerzahl hochgerechnet.

Zusätzlich berechnete Telefónica Next das jeweilige Transportmittel. Dabei erfolgte eine Unterscheidung zwischen luftgebundenem Transport einerseits und den restlichen landgebundenen Transportmitteln (Straßen- und Schienenverkehr) andererseits. Der zugrunde liegende Algorithmus kann z.B. auf Basis von Werten wie Reisegeschwindigkeit und -Dauer eine Flugreise identifizieren. Hier finden Sie die interaktive Karte.

Über Telefonica Next:

Telefónica Deutschland hat vor circa einem halben Jahr die Tochter für datenbasierte Geschäftsmodelle gegründet: Telefónica Next: Mittlerweile hat das Corporate Start-up Datenanalysen für die Verkehrsplanung in fünf deutschen Großstädten durchgeführt. Zudem soll es mit seiner Analysekompetenz den stationären Handel und damit deutsche Innenstädte stärken. Darüber hinaus hat es die IoT-Plattform für Endkundenanwendungen „Geeny“ in einer Alpha-Version für Entwickler und Unternehmen geöffnet.


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