Niki und kein Ende

<p> Erst Lufthansa, dann die International Airlines Group (IAG) und nun ... Die Liste der (vermeintlichen) K&auml;ufer f&uuml;r die &ouml;sterreichische Airline Niki wird n&auml;chste Woche vielleicht noch um einen dritten Namen reicher. Flottenmanagement fasst die Geschichte voller Absurdit&auml;ten zusammen und erkl&auml;rt, warum es bisher nur Verlierer gibt.</p>

Niki und kein Ende

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Niki und kein Ende

Eine Chronologie der Ereignisse

Eigentlich schien alles geregelt – die Lufthansa wollte im Rahmen der Air-Berlin-Übernahme auch die Tochter Niki in den Konzern eingliedern. Die EU-Kommission hatte jedoch Bedenken, Lufthansa selbst nannte es „zu erwartende Restriktionen“ aus Brüssel und schließlich zog man das Angebot zurück. 200 Millionen Euro hatte die Lufthansa immerhin geboten, eine Summe die schon wenige Monate später völlig utopisch erscheint.

Nun war einmal mehr Insolvenzverwalter Lucas Flöther an der Reihe, der Verkauf von Niki sollte noch vor Jahresende 2017 abgeschlossen werden. Den Zuschlag erhielt schließlich die IAG, beziehungsweise die zum Konzern gehörende spanische Billig-Airline Vueling, für einen Kaufpreis von circa 20 Millionen Euro. Die Spanier verpflichteten sich dabei zudem zur Übernahme von rund 750 Niki-Angestellten (in etwa 75 Prozent aller Niki-Mitarbeiter) und war bereit, einen Kredit von 16,5 Millionen Euro für den Weiterbetrieb von Niki zu geben.

Doch Anfang Januar folgte dann einmal mehr eine Wende. Denn das Berliner Landgericht gab einer Beschwerde österreichischer Gläubiger statt. Im Namen dieser hatte das Fluggastrechtportals „Fairplane“ die Verlegung des Insolvenzverfahren nach Österreich gefordert, denn dort habe Niki seinen Sitz und dort würden auch die Geschäftsbücher geführt. Die Berliner Richter stimmten der Verlegung zu. „Alles, was bisher in Deutschland passiert ist, ist damit nichtig“, sagt Gerhard Weinhofer, Chef des heimischen Gläubigerschutzverbands Creditreform. Folglich ist Berlin nicht für das Insolvenzverfahren zuständig und darf somit nicht über den Verkauf von Niki entscheiden. „Jetzt muss ein österreichisches Insolvenzgericht entscheiden, an wen verkauft wird“, so Weinhofer weiter. Eine neue Insolvenzverwalterin ist bereits gefunden. In einer schriftlichen Begründung erklärten die Richter des zuständigen österreichischen Landesgericht Korneuburg, dass fortan „allein Rechtsanwältin Dr. Ulla Reisch zur Vertretung der Masse legitimiert“ ist. Und doch steht auch diese Entscheidung noch unter Vorbehalt. Denn Niki hat gegen die Verlegung eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof eingereicht.

Ganz eindeutig ist die Lage unabhängig von der Beschwerde von Niki immer noch nicht. Denn aktuell gibt es zwei gleichberechtigte Insolvenzverfahren – in Österreich und ein weiteres in Deutschland – und damit auch zwei Insolvenzmassen. Die neue Insolvenzverwalterin Reisch kann allerdings nur die österreichischen Vermögen verkaufen. Und das wären nur rund 20 Prozent des verwertbaren Vermögens. Denn gemäß des deutschen Masseverwalters Lucas Flöther liegen etwa 80 Prozent des verwertbaren Vermögens von Niki in Deutschland. Flöther sei bereit, in Deutschland nur ein Sekundärverfahren zu führen und die Verantwortung nach Österreich abzugeben, schreibt er in einer Aussendung. Dafür müsste schnellstmöglich das Angebot des Billigfliegers Vueling zur Übernahme der Niki-Werte auch in Österreich anerkannt und umgesetzt werden.

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Denn das zweite Bieterverfahren in Österreich berge das ernste Risiko, dass alle Beteiligten am Ende mit leeren Händen dastünden, so Flöther weiter. Noch zeige Luftfahrtkonzern IAG zwar Geduld, es müsse jedoch jeder verstehen, wenn dieser Investor irgendwann von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch mache. Er warnte ausdrücklich vor einem Scheitern des Deals mit der IAG. „Wenn das Paket wieder aufgeschnürt wird, sehe ich für die Zukunft von Niki schwarz“, sagte der Insolvenzverwalter.

Ob dies passiert, ist offen. Bis zum 19. Januar dürfen jedenfalls neue Angebote für Niki abgegeben werden. Voraussichtlich nach werden neben Vueling auch Ryanair (jedoch nicht für die komplette Airline) und die bisherigen Bieter Tuifly, der Reisekonzern Thomas Cook (Condor) sowie Niki Lauda die Chance für ein erneutes Angebot wahrnehmen. Letzterer begrüßte die Verlagerung des Prozesses nach Österreich. „Das Insolvenzverfahren ist endlich dort, wo es von Anfang an hingehören sollte, nämlich nach Österreich. Ich bedauere, dass so viel Zeit mit dem Umweg über Deutschland verschwendet wurde“, so Lauda gegenüber dem Handelsblatt. Auschlaggebend für den Zuschlag sollen weiterhin die Höhe des Gebots und die Zahl der gesicherten Jobs sein. „Die Unterschrift beider Insolvenzverwalter gewährleistet dabei dem Erwerber Rechtssicherheit für den Vollzug des Kaufvertrages“, heißt es in der Erklärung von Flöther.

Die Causa Niki scheint kein Ende zu finden und kennt bis jetzt nur Verlierer. Für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs von Niki investierte die Lufthansa 70 Millionen Euro, um dann schlussendlich doch vom Kauf Abstand zu nehmen. Die EU hatte kartellrechtliche Bedenken. Und auch die deutschen Steuerzahler gehören zu den Verlierern. Sie müssen 75 Millionen Euro abschreiben, da durch die Niki-Pleite die Besicherung des Staatskredits für Air Berlin wertlos geworden ist. Zudem gehört Niki selbst zu den Verlierern. Denn von der ehemals potenten und flugfähigen Airline, die von der Lufthansa mit rund 200 Millionen Euro bewertet wurde, ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Sollte der IAG-Deal doch noch klappen, gibt es nur noch ein Zehntel der Summe des Lufthansa-Gebotes. Falls doch ein anderer Bieter den Zuschlag erhält, gibt es noch einen Verlierer mehr. Denn dann wären die 16,5 Millionen Euro, die die IAG in die Betriebssicherung bei Niki gesteckt hatte, wohl auch weg.

Allerdings gibt es auch etwas Licht am Horizont. Denn der für Deutschland zuständige Insolvenzverwalter Flöther teilte am heutigen Dienstag mit, dass er mit seiner österreichischen Kollegin Dr. Reisch eine enge Kooperation vereinbart habe. Und auch die IAG betont, dass sie zuversichtlich sei, dass der Prozess bald zum Abschluss gebracht werden könne. Man darf also sehr gespannt sein, wann und wie die Causa Niki zu Ende geht.

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