Korrekter Reifendruck ist wichtig
30.01.2018

Reifendruckkontrollsysteme überwachen den Reifenfülldruck. Aber auch ohne die Systeme sollten Fahrer den Druck regelmäßig checken. Warum dies so wichtig ist und wo es neue Luft gibt, fassen wir im Artikel zusammen.  

Seit 2014 sind in Neufahrzeugen Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) Pflicht. Das bedeutet, dass der Druck ständig überwacht wird und Abweichungen von der Norm angezeigt werden, sodass der Fahrer umgehend reagieren kann. Dennoch: Auch bei Fahrzeugen mit einem Reifendruckkontrollsystem sollte regelmäßig der Reifendruck manuell überprüft werden. Das rät der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) nach seiner bundesweiten Mess-Aktion „Wash & Check“ an rund 30 Waschanlagen und Tankstellen mit Waschstation.Rund ein Drittel der Fahrzeuge mit RDKS wies nicht den optimalen Reifendruck vor. Das kann zum einen daran liegen, dass zum Zeitpunkt des Checks das RDKS bereits gewarnt hat, der Reifendruck durch den Autofahrer aber noch nicht angepasst wurde. Zum anderen kann es sein, dass das RDKS von vorneherein nicht korrekt initialisiert war. Je nachdem welches RDKS verbaut ist, warnt das System erst ab einer Verringerung des Reifendrucks von etwa 0,5 bar.

Und auch bei den Fahrzeugen, die nicht über ein RDKS verfügen, sollte regelmäßig, das heißt, spätestens alle vier Wochen, der Reifendruck – am besten vor Fahrtantritt in kaltem Zustand – überprüft werden. Ein korrekter Druck unterstützt darüber hinaus auch einen wirtschaftlichen Kraftstoffverbrauch.

Auswirkungen falschen Druckes

Wie riskant ein falscher Reifendruck für die Sicherheit der Fahrzeuginsassen beziehungsweise schädlich für den Reifen ist, verdeutlichen die Angaben, die der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e. V. macht: Bei etwa 40 Prozent aller Unfälle spielt zu niedriger Druck eine Rolle. Bei zu geringem Reifenfülldruck steigen der Rollwiderstand, der Kraftstoffverbrauch (0,6 bar weniger bedeutet 4 Prozent höherer Verbrauch) und der Reifenverschleiß (0,2 bar weniger bedeutet 10 Prozent geringere Lebensdauer, 0,4 bar weniger gleich bis zu 30 Prozent geringer, 0,6 bar weniger gleich bis zu 45 Prozent geringer).

Aber auch ein zu hoher Druck hat ebenfalls wie zu niedriger Druck gravierende Auswirkungen auf den Kontakt des Reifens mit der Fahrbahn, wie der Münchner Reifen-Forscher und -Sachverständiger Professor Norbert Seitz erläutert: „Das Profil kann sich mit dem Straßenbelag nicht mehr optimal verzahnen.“ Die Folge: schnellere und ungleichmäßigere Abnutzung. Noch entscheidender sind die Folgen für die Sicherheit: „Der Grip des Reifens geht verloren und Bremswege werden länger. Das kann auch dazu führen, dass das Fahrzeug in Kurven instabil wird“, warnt Reifenfachmann Seitz.

Plötzlicher Druckverlust geht meist auf das Konto einer massiven Schädigung des Reifenmaterials, beispielsweise durch Einfahrschäden oder Stich- und Schnittverletzungen. Schleichenden Druckverlust erkennt das RDKS oder zeigt die regelmäßige manuelle Kontrolle. Auch hier können die Ursachen eingedrungene Fremdkörper oder Schäden durch unsachgemäße Behandlung wie unvorsichtiges Überfahren von Bordsteinen oder Fahren mit nicht angepasstem Luftdruck sein. Manche Beschädigungen lassen sich im Reifenhandel fachgerecht reparieren, darunter gehört auch ein Schaden am Ventil. Welche Reifenfachbetriebe Reparaturen durchführen, lässt sich unter brv-mitglieder.kfzgewerbe.net herausfinden.

Prüfmöglichkeiten unterwegs

Für den regelmäßigen Reifenfülldruckcheck können Tankstellen und zur den üblichen Öffnungszeiten der Reifenfachhandel angefahren werden. An Tankstellen sollte mindestens das tragbare Luftdruckprüfgerät zum Service gehören, eine Testfahrt zu verschiedenen Tankstellen in Bonn hat jedoch ergeben, dass das leider nicht überall der Fall war. Außerdem wird das mobile Gerät mehr und mehr verdrängt von Automaten, die erst nach Einwurf einer Euromünze Luft zur Verfügung stellen. Viele Tankstellenbetreiber beklagten, dass die mobilen Geräte oft gestohlen oder beschädigt wurden und sie für Ersatz auf eigene Rechnung sorgen müssen. Für die großen Automaten, die die Tankstellenpächter aufstellen lassen können, sorgen die Herstellerfirmen, lediglich ein Stromanschluss ist nötig. Und sie versprechen zudem eine Beteiligung am Umsatz. Das klingt auf jeden Fall verlockend.

Doch die Kehrseite der Medaille ist die aus Kundensicht. Hier gilt nicht „was nichts kostet ist auch nichts“. Die Umstellung auf Bezahlgeräte hat nämlich vor einiger Zeit schon Kritik unter anderem des Deutschen Verkehrssicherheitsrates hervorgerufen: „Wir haben jetzt schon das Problem, dass etwa 20 Prozent der Fahrzeuge einen ungenügenden Luftdruck aufweisen. Wenn das Luftauffüllen Geld kostet, befürchten wir, dass noch mehr mangelhafte Reifen auf den Autos zu finden sind“, so DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. Er appelliert deshalb an die Tankstellenbetreiber, das Auffüllen der Reifen weiterhin kostenlos zu ermöglichen. Den Autofahrern rät er auf jeden Fall, regelmäßig beim Tanken den Luftdruck zu kontrollieren.

Mittlerweile gibt es auch Kombigeräte, die Druckluft und Staubsauger vereinen, bei denen auch nach Beendigung des Auffüllvorgangs für die restliche Zeit (6 Minuten insgesamt) auf Staubsaugen umgeschaltet werden kann. So „bekommt“ der Kunde tatsächlich noch etwas für sein Geld, das bislang schon immer etwas gekostet hat.

Fazit: Der richtige Luftdruck im Reifen ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Prüfen Sie regelmäßig, auch wenn Ihr Fahrzeug über RDKS verfügt und auch wenn es Geld kostet. Das wiederum können Sie beim Kraftstoffverbrauch einsparen, wenn der Luftdruck optimal ist (siehe Tankdeckel). Ebenfalls sollte er der Beladung angepasst sein und maximal 0,2 bar höher als empfohlen. Alles andere kann den Reifen schädigen beziehungsweise zu erhöhtem Spritverbrauch führen. Bedenken Sie immer: die Reifen sind die einzigen Kontaktstellen zur Straße. Deshalb ist die Reifen- und Ventilpflege so wichtig.

 

 


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