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Der erste X2

0 2018-02-06 141

Ab dem 17. März ist der neue BMW X2 erhältlich. Der SUV ordnet sich zwischen dem X1 und dem X3 ein und schließt somit die Lücke im SUV-Portfolio der Bayern. Der X2 kommt mit einer klaren Formsprache sowie einer sportlichen Optik daher. 

Schönheitschirurgen stellen in der Regel besonders saftige Rechnungen aus, wenn hier das Näschen und dort die vielleicht nicht ganz wunschgemäße Figur korrigiert werden soll. Bei den Autos verhält es sich ganz ähnlich. Die Knete fließt zwar nicht direkt in die Kasse der Designer, sondern schlägt sich im Profit der Autobauer nieder. Die Zeche zahlt aber in jedem Fall der Kunde. Ja, es geht um die Coupés, bei denen ein schickes Outfit wichtiger scheint als der praktische Nutzen. Das kennen wir von den Limousinen und ihren schnittigeren Ablegern. Und das ist auch bei den nach wie vor boomenden Sport Utility Vehicles (SUV) nicht anders. Jüngstes Beispiel: Der BMW X2 als drittes SUV-Coupé der Münchner geht im März zu saftigen Preisen ab 39.200 Euro an den Start, wobei diese Marke kaum mehr als statistischen Wert haben dürfte.

Der erste X2 der Firmengeschichte schließt die letzte Lücke in der X-Serie vom Einser bis zum Sechser und präsentiert sich mit 4,36 Metern Länge als kürzester Vertreter der Geländewagen-Riege. Das erscheint logisch. Allerdings misst er von Stoßfänger zu Stoßfänger noch einmal acht Zentimeter weniger als der traditionelle SUV-Bruder X1, mit dem er sich die Plattform und größtenteils auch die Technik teilt. Da der Radstand mit 2,67 Metern aber identisch ist und somit zu knapperen Überhängen führt, zudem die nach hinten leicht abfallende Dachlinie rund sieben Zentimeter niedriger verläuft, ergeben sich völlig andere, ungewöhnliche Proportionen.
 
Dieses Empfinden wird durch ein markantes Design noch verstärkt. So wirkt schon die Frontpartie sehr wuchtig. Einmal durch die neu geformte, quasi auf dem Kopf stehende Doppelniere, die als prägendes Element der Frontpartie nun unten breiter ist als oben. Aber auch durch die drei voluminösen Lufteinlässe, die zwei seitlichen und die hexagonale Aussparung in der Mitte des kräftigen Stoßfängers.
 
In der Seitenansicht fallen die fast rechteckigen Radläufe auf, in denen 20-Zöller natürlich mehr hermachen als die serienmäßigen 17-Zoll-Felgen. Und neben den ausstattungsspezifisch ausgestalteten Radlaufblenden und Schwellern sind es vor allem die sehr hohe Schulterlinie und die daraus resultierenden, schmal zulaufenden Seitenfenster, die das Fahrerhaus optisch in eine flache Kanzel verwandeln. Zusammen mit einem eigenständig gestalteten Heck samt den recht hoch platzierten LED-Rücklichtern mit L-förmiger Lichtgrafik ergibt diese Mixtur ein schwungvolles, sportliches Outfit. Ein Hingucker, der sich deutlich vom X1 absetzt.
 
Zwar kümmern sich Designer im Gegensatz zu plastischen Chirurgen gewöhnlich auch um die „Innere Abteilung“, beim X2 sahen sie da aber offensichtlich wenig Handlungsbedarf. Ein paar Kontrast- und Ziernähte mehr, aber ansonsten das bekannte ergonomische Layout mit Materialien in gewohnter BMW-Qualität, ein Multimedia-System mit einem 6,5- oder 8,8-Zoll-Touchscreen und ein farbiges Head-Up-Display, Letzteres wie so vieles andere natürlich nur gegen Aufpreis.
 
Dass sich das Platzangebot im Fond ein wenig bescheidener darstellt als im X1-Brüderchen, erklärt sich aus den veränderten Abmessungen, betrifft allerdings nur die etwas eingeschränkte Kopffreiheit. Mit dem geschrumpften Längenmaß reduziert sich auch das Kofferraumvolumen leicht. 470 Liter sind für ein kompaktes SUV-Coupé aber ein guter Wert und immer noch mehr als bei Wettbewerbern wie dem Audi Q3, dem Jaguar E-Pace oder dem Evoque-Coupé. Mit den im Verhältnis 40:20:40 umlegbaren Rücksitzlehnen lässt sich das Ladevolumen zudem auf 1.535 Liter erweitern. Verschiebbar sind die Rücksitze allerdings nicht.
 
Natürlich muss auch in einem X2 ein starkes BMW-Herz schlagen, haben die Münchner wieder eine breit gefächerte Motorenpalette geplant. Zum Marktstart werden allerdings zunächst nur drei Motor-Getriebe-Varianten erhältlich sein. Als einziger Benziner wird der X2 sDrive 20i mit 141 kW/192 PS angeboten, der mit Frontantrieb und einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wird. Er schafft maximal 227 km/h Spitze und soll sich nach alter EU-Norm mit 5,9 Liter Super auf 100 Kilometern begnügen. Den 2,0-Liter-Diesel gibt es in den beiden Leistungsstufen als xDrive 20d mit 140 kW/190 PS und als xDrive 25d mit 170 kW/231 PS. Allradantrieb ist hier serienmäßig ebenso an Bord wie die 8-Gang-Wandlerautomatik von ZF. Die Höchstgeschwindigkeit für die beiden Selbstzünder wird mit 221 beziehungsweise 237 km/h angegeben. Mit 4,8 und 5,3 l/100 km bewegt sich der Dieselkonsum erwartungsgemäß auf niedrigerem Niveau.
 
Zu ersten Ausfahrten rund um Lissabon stand ausschließlich der kleinere Dieselmotor zur Verfügung, der sich als kraftvoller und harmonischer Partner für den X2 erwies. Natürlich verwandelt er das SUV-Coupé nicht in einen Sportwagen, 7,7 Sekunden für den Standard-Sprint auf Tempo 100 und ein ordentlicher Durchzug dank 400 Nm Drehmoment lassen im Verkehrsalltag aber keineswegs den dringlichen Wunsch nach der leistungsstärkeren Variante aufkommen. Dabei findet die Achtgang-Automatik treffsicher und kaum spürbar die passende Schaltstufe.
 
Das fahraktive, agile Fahrwerk und die feinfühlige, präzise Lenkung leisten ebenfalls ihren Beitrag zur freudvollen Tour über die kurvige portugiesische Küstenstraße. Die straffe Abstimmung tut ein Übriges, nötigt den Insassen aber auch leichte Zugeständnisse beim Komfort ab - besonders im Sportmodus der optionalen Dynamischen Dämpfer Control, erst recht beim M-Sportfahrwerk, das in den X2-Varianten M-Sport und M-Sport X serienmäßig eingebaut ist. Dann poltert das Kompakt-SUV schon mal über Querfugen hinweg. Aber auch wenn kurze Stöße nicht perfekt herausgefiltert werden, ungemütlich wird die Fahrt nie.  Der Verbrauch kann bei flotter Gangart dann allerdings Richtung acht Liter ansteigen.
 
Nur wenige Monate später soll das Portfolio des BMW X2 um den Dreizylinder sDrive18i (103 kW/140 PS) erweitert werden, der als neues Einstiegsmodell den Basispreis auf 34.050 Euro drücken wird. Ein 20i mit Allradantrieb und ein 18d-Diesel mit 150 PS sowohl als sDrive und xDrive sind als weitere Ergänzungen ebenfalls eingeplant. Ein Plug-in-Hybrid und leistungsstärkere Performance-Varianten dürften mit etwas Verzögerung gleichfalls noch folgen.
 
Wäre da noch die Sache mit den Preisen. Mit 39.200 Euro liegt der X2 i20 sDrive etwa 2500 Euro über dem vergleichbaren X1. Dabei handelt es sich aber um die mehr oder weniger nackte Basisausstattung, die mit einfacher Klimaanlage, 17-Zöllern und dem kleineren 6,5-Zoll-Bildschirm nur das Allernötigste enthält, das man von einem Premium-Fahrzeug erwarten kann. Und das wird auch in den Advantage- (ab 40.650 Euro) sowie M-Sport-Varianten (ab 45.600 Euro) nur in Maßen besser. Selbst auf die aktuell teuerste Ausführung, den 25d xDrive M-Sport für 51.750 Euro, lassen sich locker noch 10.000 Euro und mehr draufpacken, da der Großteil der Assistenzsysteme, das Infotainment und viele, viele andere Annehmlichkeiten allesamt aufpreispflichtig sind.    
 
Unabhängig vom Preisgefüge ist die Schönheits-Operation aber auf jeden Fall gelungen. Das Fazit kurz und knapp: Der X2 ist kurz und gut. Sehr gut sogar. Vielleicht das schickste Modell aus dem umfangreichen SUV-Sortiment der Münchner, das vom 1er bis zum 6er jetzt keine Lücken mehr aufweist. Komplett ist die X-Reihe aber noch lange nicht, denn noch in diesem Jahr wird in der nach oben offenen X-Skala die Nummer 7 ergänzt. Einen ersten Ausblick auf das X7-Mega-SUV hatte bereits eine Studie auf der vergangenen IAA gegeben. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht auch noch irgendwann ein etwas weniger wuchtiges X8-Coupé folgen sollte.

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