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Die japanische Premium-Marke

0 2018-02-08 362

Mit der Tochtermarke Lexus spricht Toyota eine ganz spezielle Käufergruppe an. Neue Modelle sollen dazu beitragen, die Bekanntheit des Premium-Herstellers weiter zu steigern. 

Wer im Sultanat Oman unbedacht über die Straße geht, hat gute Chancen, mit einem Lexus zu kollidieren. In keinem anderen Land tummeln sich, bezogen auf die Gesamtzulassungen, mehr Modelle der Toyota-Tochter. Diesen Zustand spiegelte vor ein paar Jahren auch der Lexus-Showroom in der Hauptstadt Maskat wider. Nach Fertigstellung galt er als der größte und imposanteste im Nahen Osten.

Lexus läuft hier wie geschmiert. Die Frage nach dem gerade eingetroffenen, neuen Topmodell LS 500h beantwortete der Geschäftsführer mit „Ausverkauft!“. Von solchen Zuständen träumt man bei Lexus in Deutschland. Hierzulande fristet die japanische Luxus-Marke ein Nischendasein – seit mehr als 25 Jahren. 3.002 Einheiten waren es im vorigen Jahr. 2020 sollen es mehr als 5.000 sein. Lexus Europa kommt auf rund 75.000. Hier will man in zwei Jahren die Marke von 100.000 schaffen. Zum Vergleich: Weltweit verkauft Lexus etwa eine dreiviertel Million Fahrzeuge.
 
Schwierig gestaltet sich die Eroberung in der Oberklasse, in der sich der LS tummelt. Die Käuferschaft gibt sich konservativ – und entsprechend markenloyal. Einen S-Klasse- oder BMW-Siebener-Fahrer davon zu überzeugen, einmal etwas anderes zu probieren, erfordert vom Verkäufer sehr viel Geschick. Auch preislich ist Lexus kein Schnäppchen. Der LS, basierend auf der GA-L-Plattform (Global Architecture for Luxury Vehicles) und gebaut im japanischen Werk Tahara, rangiert zwischen 93.000 und 140.000 Euro. Seit dem 20. Januar ist das Modell im deutschen Markt.
 
Allenfalls zwei Dinge könnten bei Lexus locken: der Hybridantrieb und das Design. Der markante Grill mit seiner eng geschnürten Taille – von Lexus Spindel-Grill genannt – ist gewöhnungsbedürftig. „Die Modelle müssen auffallen, ein „Me-too“ reicht nicht“, wir sind im schwierigsten Markt der Welt, sagt Heiko Twellmann, General Manager Lexus Deutschland. Und setzt weiterhin auf die Anziehungskraft der Hybridtechnik, für die sich über 90 Prozent der Kunden entscheiden. Keine Marke schafft hier mehr. Zum Diesel hat Lexus bereits 2013 „Leb’ wohl!“ gesagt.
 
Um das derzeitige Absatzlevel nach steigern, bräuchte Lexus mindestens ein weiteres SUV/CUV. Bislang ist das Mittelklasse-Modell NX Bestseller der Marke. Es fehlt für Europa ein kompakter Crossover. Ihn will Lexus vermutlich Ende dieses Jahres auf Basis des Toyota Prius vorstellen. Gut möglich, dass das Modell so heißen wird die Studie, die 2016 auf dem Pariser Autosalon stand: UX. Lexus, so ist zu hören, will dann die CT-Baureihe nicht fortführen. Schon jetzt fährt im Segment vom Einser-BMW der Lexus CT in aussichtsloser Position. Knapp 250 Einheiten wurden 2017 davon in Deutschland abgesetzt, wirtschaftlich hat das wenig Sinn.
 
2019 könnte die GS-Baureihe (Segment Fünfer-BMW) durch ein Nachfolgemodell abgelöst werden, das vermutlich unter dem Kürzel ES laufen wird. Nahe dem Ende ihres Lebenszyklus sind der IS (Segment Dreier-BMW) und der RX. Sie werden 2019, spätestens aber 2020 erneuert. Vom Sport-Coupé LC will Lexus im nächsten Jahr eine Cabrio-Variante bringen
 
Was die weitere Elektrifizierung angeht, plant Japans-Premiummarke zunächst keinen Plug-in-Hybrid, sondern setzt weiter auf das Mild-Hybrid-System. Interne Untersuchungen haben ergeben, dass Lexus-Fahrzeuge im Alltag knapp die Hälfte der Zeit im EV-Modus unterwegs sind. „So gesehen haben wir bereits einen Elektroanteil von fast 50 Prozent“, rechnet Twellmann vor. Die ersten beiden vollelektrischen Modelle kommen 2020. Der UX erhält eine Batterie-Variante und das Flaggschiff LS wird das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug der Toyota-Tochter. Die neueste Generation der Stacks soll dann eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern erlauben. Ein weiteres Elektro/Brennstoffzellen-Fahrzeug hat Lexus im Januar in Detroit gezeigt, den LF-1 Limitless, ein großer Crossover, der oberhalb des RX positioniert werden soll. Debüt des Serienmodells: 2020/21.
 
Derzeit besitzt Lexus 17 Standorte in Deutschland, sieben weitere sind geplant. Um mehr Kunden zu generieren, denkt man darüber nach, das Toyota-Netz stärker zu nutzen. Zwar soll hier kein reiner Verkauf von Lexus-Modellen stattfinden, doch, so General Manager Lexus Deutschland Heiko Twellmann, „wenn der Verkäufer merkt, was dem Kunden vorschwebt, möchte er ihn bitte zum nächsten Lexus-Händler schicken.“

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