Was kostet die Elektromobilität
08.02.2018

In Deutschland hat die Elektromobilität weiterhin einen schweren Stand. Ein Grund hierfür ist der mitunter deutlich teurere Kaufreis. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung zeigt, was die Elektroautos effektiv auf den Kilometer kosten. 
 

Was Elektroautos teuer macht ist ihre Reichweite. Diese hängt vor allem vom Akku, aber auch von Fahrzeuggewicht, -form und Motor ab. Passt alles gut zusammen, muss elektromobiles Langstreckenpotenzial nicht einmal teuer sein. Bei den günstigsten Modellen gibt es den Kilometer Reichweite schon ab 82 Euro.

Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung liegt aktuell der Renault Zoe an der Spitze der Großserien-E-Mobile. 400 Kilometer kommt der Kleinwagen weit, das günstigste Modell gibt es ab 32.900 Euro. Macht einen Reichweitenpreis von 82 Euro pro Kilometer. Der kleine Franzose schafft es demnach am besten, Kosten und Akkugröße unter einen Hut zu bringen. In Sachen Reichweite liegt er diesseits von Tesla-Luxusmodellen im Spitzenfeld. Dadurch relativiert sich auch, dass der Preis für ein knapp vier Meter langes Auto mit 68 kW/92 PS durchaus hoch ist.

Dass der Zoe so gut abschneidet, liegt möglicherweise auch daran, dass er speziell für den Elektroantrieb entwickelt wurde. Auch, wenn die Basis vom Kleinwagenbruder Clio stammt, ist es den Ingenieuren gelungen, ein effizientes Grundfahrzeug zu bauen. Andere reine E-Auto-Baureihen schneiden in der Preis-Reichweiten-Bilanz ähnlich gut ab: So bieten auch Teslas Model 3 (zirka 87 Kilometer), der gerade neu entwickelte Nissan Leaf (85 Kilometer) und der Opel Ampera-e (83 Kilometer) viel Fahrtstrecke fürs Geld. Selbst der technisch ambitioniertere und daher teure BMW i3 (312 Kilometer für 36.150 Euro) ist relativ gesehen mit 116 Euro recht günstig.

Richtig teuer wird Reichweite bei Luxusmodellen. Tesla Model S und Model X kommen mit jeweils rund 600 Kilometern zwar extrem weit, kosten aber auch deutlich sechsstellige Preise. Während die Limousine S noch auf einen Faktor von 167 Euro kommt, ist der Kilometer beim SUV-Modell X mit 196 Euro am teuersten. In ähnlichen Regionen dürften auch die kommenden E-SUV der Premium-Hersteller rangieren. Jaguar etwa kommt beim I-Pace auf einen Euro-pro-Kilometer-Faktor von rund 160.

Wer glaubt, mit kleinen E-Autos automatisch günstiger zu fahren, irrt allerdings. Bei einem VW E-Up (160 Kilometer für 26.900 Euro) kosten 1.000 Meter 168 Euro, bei den Smart-Stromern Fortwo ED und Forfour ED sind es jeweils rund 140 Euro. Und auch das Kleinstwagen-Trio Mitsubishi Electric Vehicle, Peugeot Ion und Citroen C-Zero lässt sich den Kilometer Reichweite mit 130 bis 150 Euro bezahlen.

Die drei letztgenannten Modelle sind die ältesten auf dem Markt, profitieren damit wohl auch am wenigsten davon, dass die Elektroautotechnik zunehmend günstiger wird. Lagen die Akkupreise 2010 noch bei rund 600 Euro pro Kilowattstunde, waren es 2016 nur noch gut 225 Euro. Für 2020 rechnen Experten mit dem Unterbieten der 100-Euro-Marke. Sollte es so kommen, könnten Autos wie der Zoe und der Leaf bei gleicher Reichweite noch einmal 4.000 bis 5.000 Euro günstiger werden. Die Kosten pro Kilometer würden so auf Werte um 70 Euro sinken.

Ähnliche Kosten-Nutzen-Werte erreichen sonst nur Brennstoffzellenfahrzeuge. Der im Sommer startende Hyundai Nexo etwa kommt bei Anschaffungskosten von knapp 60.000 Euro auf eine Reichweite von rund 800 Kilometern, was einen Faktor von 75 ergibt. Allerdings sind Brennstoffzellenautos in noch stärkerem Maße als batterieelektrische Modelle reine Nischenfahrzeuge. Denn öffentliche Tankstellen gibt es in Deutschland so gut wie keine.


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