Ein echter Hingucker
09.02.2018

Der neue VW Polo im Test
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Der VW Polo geht in eine neue Runde. Mit einer breiten Palette an Ausstattungsfeatures und Assistenzsystemen gehört der Wolfsburger zu den Top-Modellen im Kleinwagensegment. 

Als „Mini-Golf“, „groß geworden“ und „erwachsen“ wurde der Kleinwagen wahrgenommen, als VW ihn Ende 2017 erstmals auf der Straße präsentierte. Das lag zum einen an den Außenabmessungen, überragt der Polo in der Länge doch erstmals in seiner Geschichte die vier Meter. Viel zum seriösen Eindruck trugen und tragen aber auch die neuen Bügelfalten im Blech bei. Kein anderer Hersteller kann sie so scharf ziehen wie VW, kein anderer Kleinwagen ist ein ähnlich stolzes Statement für Fertigungs-Know-How. Dem Kunden mag der technische Hintergrund im Zweifel egal sein, übersehen kann er den Führungsanspruch des Polo in der Kleinwagenklasse aber kaum.

Das ist auch im Innenraum so, wo sich der zweitkleinste Volkswagen vor dem größeren Golf nicht verstecken muss. Gute Ergonomie paart sich mit schickem Look, die Schalter sind griffgünstig, rasten verbindlich ein und würden optisch auch in einem Audi-Cockpit nicht unangenehm auffallen. Dass die Materialschlacht vor allem das Armaturenbrett aufwertet und VW aus Kostengründen die kompletten Türverkleidungen aus Hartplastik gefertigt hat fällt kaum ins Gewicht. Auch, weil man angesichts der vorne wie hinten sehr guten Sitzgelegenheiten und Platzverhältnisse gar nicht unbedingt aussteigen will.

Dass man sich innen gerne aufhält, hat auch mit der neuen Größe zu tun. Der Polo fällt sogar noch viel geräumiger aus als es der Längenzuwachs um knapp acht Zentimeter vermuten ließe: Hinten sitzen auch zwei lange Erwachsene bequem, dank der mittlerweile serienmäßigen Fondtüren macht auch der Einstieg kein Problem. Und der Kofferraum fällt größer aus als in manchem Kompaktwagen.

Auf der Straße gibt sich der Polo ebenso erwachsen und ausgewogen. So federt er einerseits Unebenheiten weg wie ein Großer und schirmt die Insassen von den akustischen Zumutungen der Außenwelt und der Antriebsmechanik ab, andererseits toleriert er durchaus etwas flottere Etappen und erfreut dabei mit seiner präzisen Lenkung. Jugendliche Wildheit leistet er sich dabei aber nie, was auch an dem eher auf Sparsamkeit denn auf Fahrspaß getrimmten Duo aus 70 kW/95 PS starkem 1,0-Liter-Turbobenziner und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe liegt (ab 18.700 Euro). In der Stadt reicht der von der Automatik gut moderierte Durchzug vollkommen, über Land überzeugt immerhin der ordentliche Verbrauch von gut fünf Litern. Selbst im Straßenmix bleibt der Polo-Dreizylinder relativ locker unterhalb der Sechs-Liter-Marke.

Ist der Polo also tatsächlich Papis Golf, eine halbe Nummer kleiner? In vielerlei Hinsicht schon. Aber VW hat auch an die leicht rebellischen Teenager gedacht und seinem Kleinen ein paar Merkmale für den Distinktionsgewinn gegenüber den Gruftis mitgegeben. Wenn auch nur über die Optionsliste. Dort findet sich etwa in der Lackierung „Sunburnt Orange“ eine visuelle Versicherung der eigenen Juvenilität. Der metallisch in den Farben des Sonnenuntergangs changierende Lackton nimmt dem Auftritt des Kleinwagens den teutonischen Ernst und sorgt für ein fast südeuropäisches Flair im Reihenhaus-Carport. Vor allem bei einer jüngeren Generation punkten dürfte auch das Soundsystem von Hifi-Hipster Beats, der sonst vor allem Rap-Musiker und Fußballer mit auffälligen und sehr basslastigen Kopfhörern ausstattet.

Wem das als Differenzierungsmerkmal nicht genügt, findet bei VW im Rallyestreifen-Sondermodell „beats“ auch gleich die Kombination von auffälliger Farbe und Audioanlage. Und zu guter Letzt gibt es da ja auch noch den Polo GTI, die Sportversion des Kleinwagens.

Wer solch ein vielfältiges Portfolio hat, kann sich ein wenig Spießigkeit beim Grundmodell nicht nur leisten, sondern davon durchaus auch profitieren. Denn selbst der rebellischste Fahranfänger erfreut sich an mackenfreier Technik, gutem Qualitätseindruck und durchdachter Bedienung.


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