Heckansichten
12.04.2018

Audi hat beim neuen A6 Avant nicht auf Nutzwert-Maximierung gesetzt, sondern dem Kombi lieber ein schnittigeres Heck verpasst Foto © Audi
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Nach dem in Genf vorgestellten Audi A6 als Limousine folgt alsbald der Avant. Beim Kombi haben die Ingolstädter aber etwas mehr Wert auf eine höchst ästhetische Optik als auf eine Vergößerung des Laderaums gelegt. 

Gerade einmal sechs Wochen ist es her, dass Audi den neuen A6 als Limousine auf dem Genfer Autosalon vorgestellt hat. Und noch ehe die ersten Fahrzeuge überhaupt auf die Straße kommen, reicht der Hersteller jetzt den Kombi nach. Der heißt wie jeher Avant, und legt noch mehr Wert als bisher darauf, ein schöner Kombi zu sein: Deshalb bekommt die Neuauflage, die ab Sommer erhältlich sein wird, vor allem eine schnittigere Silhouette. Die Preise dürften bei rund 46.500 Euro starten – und wie gehabt gut 2.500 Euro über denen der Limousine liegen.

Ebenfalls wie gehabt teilt sich der Avant den Vorderbau mit der Limousine teilt, erst ab der Hälfte des 4,94 Meter langen Kombis waren die Designer gefragt: Statt den Nutzwert zu maximieren und einen Lademeister nach Vorbild alter, schwedischer Kasten-Kombis zu bauen, legte das Team um Marc Lichte bei der intern C8 genannte A6-Generation allerdings Wert auf eine flache, schnittige Dachlinie. Die D-Säule steht deutlich schräger als beim Vorgänger und mit ihr natürlich die Heckscheibe, was den Kombi noch mal ein gutes Stück dynamischer wirken lässt. Interessant: Obwohl sich das Avant-Heck grundlegend von dem der Limousine unterscheidet, sind die Rückleuchten identisch.

Auch wenn das Ladevolumen durch den flotten Schnitt nicht größer geworden, Einbußen gibt es dafür aber auch nicht: Mit 565 bis 1.680 Litern schluckt der Kombi-A6 genau so viel wie sein Vorgänger. Dass Praktikabilität nicht ganz oben im Lastenheft stand, sieht man an anderer Stelle. Die Rückbank lässt sich – dreifach geteilt – vom Gepäckraum aus umklappen, eine brettebene Ladefläche entsteht allerdings nicht; zwar bildet sich keine Stufe, aber der Boden steigt wegen der nicht wegzuklappenden Sitzfläche leicht an. Auch die maximale Ladelänge ist, will man nicht die Mittelarmlehne bepacken, auf 1,90 Metern beschränkt, anders als bei manch anderem Kombi lässt sich der Beifahrersitz nämlich nicht nach vorne falten. Und: Gerade bei den sperrigen Transport-Klassikern wie Kühlschrank oder Waschmaschine könnte wegen der schrägeren Scheibe zukünftig der ein oder andere Millimeter fehlen.

Küchengeräte aber, so ist aus Audi-Kreisen zu hören, lasse man sich heutzutage doch sowieso liefern und dem Lifestyle-Anspruch von Golfern, Reitern oder Skifahren wird das neue, flachere Heck auf jeden Fall gerecht. Zumal die Passagiere im Fond keine Einschränkungen befürchten müssen: Anders als bei vielen „coupéartigen Dachlinien“ haben die Avant-Verantwortlichen peinlichst darauf geachtet, die Höhe bis hinter die Köpfe der Rückbänkler gleich zu halten und erst dann den Abschwung einzuleiten. Mehr noch: Gegenüber dem Vorgänger haben die hinten Sitzenden sogar 1,4 Zentimeter mehr Kopffreiheit und auch für die Beine ist etwas mehr Platz als bisher.

Darüber hinaus profitiert der Avant von allen Neuerungen der Limousine: Unter der Haube arbeiten die gleichen Aggregate, zunächst also drei Diesel und ein Benziner: Den Einstieg markiert der Zweiliter-Vierzylinder-Selbstzünder (40 TDI) mit 150 kW/204 PS, die übrigen Aggregate schöpfen ihre Kraft aus sechs Zylindern. Die beiden Diesel (45 und 50 TDI) leisten 210 kW/286 PS und 170 kW/231 PS, der Benziner (55 TFSI) gibt 250 kW/340 PS ab. Alle Triebwerke fahren mit Riemen-Starter-Generator vor, der im Schiebebetrieb Energie zurück gewinnen kann; die V6-Motoren sind zusätzlich mit 48-Volt-Bordnetz ausgerüstet, was die Rekuperationsleistung auf bis zu 12 kW erhöht. Außerdem Serie bei den Sechszylindern: der Allradantrieb quattro. Bei den Getrieben setzt Audi auf eine Achtgang-Wandlerautomatik (für die großen TDI) oder ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (für den Vierzylinder-Diesel und den Benziner) – Handschalter sind nicht vorgesehen.

Neben der inzwischen üblichen Assistenten-Armada, die beim A6 in die beiden separat zu bestellenden Pakete „Stadt“ und „Tour“ aufgedröselt ist, wird der Technikreigen auch um Luftfederung – als Krönung der vier Fahrwerksoptionen – und Allradlenkung ergänzt: Wie bei der Limousine lenken die Hinterräder ab 60 km/h parallel zu den Vorderrädern, um die Stabilität zu erhöhen. Bei niedrigerem Tempo schlagen sie dagegen bis zu fünf Grad gegensinnig ein und machen den Kombi deutlich handlicher: Der Wendekreis ist mit 11,1 Metern kleiner als beim A4.

Auch wer sich mehr für smarte Connectivtiy-Lösungen als für klassischen Fahrzeugbau interessiert, kommt im A6 auf seine Kosten: Der Avant erhält neben dem digitalen Kombiinstrument auch das gleiche Infotainmentsystem wie sein Limousinen-Bruder sowie A7 und A8. Dasjenige, welches mit seinen zwei breiten Bildschirmen fast alle herkömmlichen Schalter aus der Mittelkonsole verdrängt. Und mit dem neuen Connect-Key bekommt die Generation Smartphone ein neues Spielzeug: Das Handy wird so zum Autoschlüssel und kann den A6 öffnen und schließen – allerdings nur, wenn es sich um ein Android-Gerät handelt.


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