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Der Sport-SUV

0 2018-05-07 729

Der neue Prosche Cayenne S bietet die Leistungsdaten eines Sportwagens und den Fahrkomfort eines Geländewagens. Kann das gut gehen?

Seit 2002 hat sich Porsche sukzessive zum SUV-Spezialisten entwickelt. Der damals eingeführte Cayenne legte den Grundstein für den Wandel vom reinen Sportwagen- zum Sport-Utility-Vehicle-Hersteller. Inzwischen gibt es bereits die dritte Generation des großen SUV, der sich nach wie vor Gene mit dem VW Touareg teilt. Das Porsche-Flair und die typischen Eigenschaften der Marke, vom Design bis zur Bedienung wurden aber mit jeder Fortentwicklung deutlicher. Wie sich der Neue im Alltag schlägt, wollten wir mit der mittleren von derzeit drei Motorvarianten testen.

Der Cayenne S wird von einem neu entwickelten 2,9-Liter-Bi-Turbomotor angetrieben. Der Basis-Cayenne verfügt dagegen über einen 3,0-Liter Turbo, der Cayenne Turbo wiederum über einen 4-Liter-V8-Turbo. Aufladung ist somit Pflicht, einen Diesel gibt es aktuell nicht, wohl aber demnächst einen Plug-in-Hybriden. Mit 324 kW/440 PS ist der Bi-Turbo glatte 100 PS stärker als der einfache Turbo und hält zum V8 einen Respektabstand von 110 PS. Die goldene Mitte also und damit die Wahl der Vernunft gewissermaßen, wenn man bei 440 PS in einem SUV noch von Vernunft sprechen kann. Von gefühlter Vernunft vielleicht.

Andererseits, in Zeiten da biedere Kleinwagen gerne mal 200 PS haben und Elektrosportwagen mit vierstelligen Leistungswerten protzen, darf ein SUV der Oberklasse doch auch mehr als 400 PS anbieten, die dann ja auch mindestens 92.000 Euro kosten. Der Preis war beim Cayenne noch nie ein Problem für die Kundschaft, weshalb wir darüber und über die zugehörige Aufpreispolitik des Hauses gnädig schweigen wollen. Porsche weiß, was seine Kunden wollen und bezahlen können.

Im Falle des Cayenne S bekommen Sie dafür neben Leistung im Überfluss auch reichlich Platz auf 4,92 Metern Länge, das derzeit modernste Porsche-Interieur und Fahrkomfort, der noch vor wenigen Jahren Oberklasselimousinen vorbehalten war.

Doch der Reihe nach. Während beispielsweise im kleinen Bruder Macan die Mittelkonsole mit ihrer Überfrachtung durch viele Schalter eher nervt, wirkt der Cayenne bei größerem Funktionsumfang deutlich aufgeräumter. Das riesige Display informiert und unterhält, die Bedienflächen und Tasten liegen da wo sie hingehören und bedürfen keiner Erklärung. Sehr gut gemacht. Auch die Sprachsteuerung funktioniert weitgehend wie sie soll, wenn man denn den Knopf auf dem Lenkstockhebel einmal gefunden hat.

Muss man erwähnen, dass Porsche auf Wunsch ein sehr gut klingendes Highend-Surround-System von Burmester (5.940 Euro) einbaut? Nicht das der V6 Bi-Turbo schlecht klingt. Aber ein Cayenne ist ein Porsche für den Alltag. Das heißt, Dienstreisen, Einkaufen, Kinder- und Enkeltaxi und derlei mehr profane Dienste sind zu erledigen. Da kommt es mehr auf den Klang aus den Boxen als auf den aus den Auspuffrohren an. Der Porsche für die Freizeit ist noch immer unter dem Kürzel 911 gelistet und hat nur zwei Türen.

So gesehen brauchen wir im Cayenne auch weder das Porsche-Sport-Chrono-Paket mit der Anzeige der Rundenzeit, noch das gleichfalls optionale Offroad-Paket (1.785 Euro). Letzteres allerdings nur deshalb nicht, weil ein solches Auto einfach nicht in den Wald gehört, auch wenn man es beispielsweise als Jäger oder Förster dürfte. Das Auto sollte auch nicht durch Bäche waten, auch wenn es könnte, rein technisch gesehen. Alleine bei der Vorstellung schlammverkrusteter Gummistiefel im vollbelederten Innenraum schaudert es uns.

Da genießen wir lieber die Vorteile der Luftfederung (2.136 Euro) insbesondere in Kombination mit der dynamischen Chassiskontrolle (3.272 Euro) die Wankbewegungen aufs komfortabelste unterbindet. Das kommt nicht zuletzt den Passagieren hinten entgegen, die bei dynamischer Kurvenfahrt sonst schon mal die Gesichtsfarbe wechseln könnten.

Aber – wir sitzen in einer Wahl der Vernunft und verhalten uns im Straßenverkehr natürlich entsprechend. Die Achtgang-Automatik sortiert die Gänge perfekt, wir gleiten auf der Drehzahlwelle von 550 Newtonmetern gelassen über Landstraßen und Autobahnen und können anschließend Kritikern benzinverschlingender Groß-SUV mitteilen, dass man so dem Normverbrauch von 9,4 Litern verdammt nahekommt. Eine Zehn vor dem Komma zu realisieren ist jedenfalls keine große Kunst, solange man nicht ausschließlich Kurzstrecken fährt.

In Sachen Mama-Taxi ist mit ähnlich großen Verbrauchsaufschlägen zu rechnen, wie wenn man den Cayenne S als rasenden Dienstwagen nutzt und die mögliche Höchstgeschwindigkeit von immerhin 265 km/h anpeilt. Selbstverständlich liegt der Cayenne auch in diesem Tempo-Regionen satt auf der Straße und lässt sich nahezu spielerisch bewegen. Die gut zwei Tonnen Leergewicht merkt man am ehesten, wenn man Landstraßenbiegungen scharf anbremst. Aber so fährt man ein SUV ja nicht im Alltag. Schon gar nicht mit Passagieren hinten oder Getränkekisten ganz hinten im 770-Liter-Kofferraum. Man könnte aber, wenn man wollte. Der Cayenne ist zwar ein SUV, aber eines von Porsche.

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