Allrad auf die feine englische Art
04.06.2018

Ob Gummistiefel oder High Heels, in einem Land Rover kann man gar nicht falsch gekleidet einsteigen Foto © Land Rover
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   Mit dem Land Rover Velar bewegt sich die britische Marke auch auf dem Lifestyle-Pflaster. Aber das coupéhaft niedrige SUV sticht nicht nur durch sein Äußeres aus der Masse hervor. 

Der Trend weg von bulligen Kisten mit Geländewagen-Anmutung den SUV-Segmenten ist schon länger erkennbar. Stattdessen geht es in Sachen Optik hin zu schlankeren, leichteren Fahrzeugen mit mehr Pkw-Komfort und –Optik. Bei Land Rover machten man bis zuletzt eine Ausnahme. Die Briten setzen mit Modellen wie dem Range Rover, dem Range Rover Sport oder dem Discovery auf ein bewährtes Design, das schon auf den ersten Blick das „Weltumrundungspotential“ der Fahrzeuge deutlich machen soll. Mit dem stylischen Evoque hat Land Rover seit einigen Jahren aber auch schon ein modischeres Modell im Angebot. Der seit etwa einem halben Jahr erhältliche, klar über dem Evoque angesiedelte Range Rover Velar setzt da nun noch einen drauf.

Für den Fünftürer gilt wohl die Annahme, innen wie außen das derzeit vielleicht coolste SUV zu sein. So fahren zum Beispiel die äußeren Türgriffe nach der Entriegelung aus der Karosserie aus und nach dem Start ab 8 km/h Tempo wieder automatisch ein, großes Kino. Aber es sind natürlich nicht allein solche Spielereien, die den Velar derart aus der SUV-Masse herausheben. Schon die Grundform des 4,80 Meter langen Allraders ist irgendwie anders, denn durch seine relativ geringe Höhe (1,69 Meter, ein Discovery kommt auf 20 Zentimeter mehr) wirkt die Karosserie deutlich gestreckter, ja fast schon sportlich. Zum Einstieg kommt der Velar seinen Nutzern um rund 16 Zentimeter von oben entgegen und erleichtert so den Zutritt. Wer mit dem Schönling tatsächlich mal den Asphalt verlassen will, kann umgekehrt die Bodenfreiheit um 25 Zentimeter anheben. Ein Kritikpunkt ist in diesem Zusammenhang allerdings die dem Design geschuldete mangelhafte Rundumsicht.

Schaut man in den Innenraum, fallen die zwei über zehn Zoll großen Displays auf, über die man praktisch alles regeln kann und auch muss. Denn Knöpfe und Tasten sind im Velar eher selten anzutreffen. Die Verarbeitung ist sehr fein, Holz und Leder wirken very british, aber das will der Käufer ja eben genau so. Die Bedienung gibt dagegen am Anfang manchmal Rätsel auf, hier hängt die Marke trotz Fortschritten immer noch hinter den Benchmarks BMW und Audi zurück.

Dank Luftfederung schwebt man größtenteils über den Asphalt. Nur wenn es in ein tieferes Loch geht, hört man ein gut vernehmliches Poltern von den Achsen. Hier würden wir die Note 2+ vergeben. Das gilt im Übrigen auch für die Motorisierung. Selbstverständlich war der Testwagen mit dem stärksten Diesel ausgerüstet. Der Sechszylinder entwickelt mit Hilfe einer Biturbo-Unterstützung 221 kW/300 PS und beschleunigt den über zwei Tonnen schweren Velar in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 bzw. weiter auf bis zu 241 km/h.

Diese Region ist aber ehrlich gesagt nicht die ideale für das Trumm. Wohl fühlt sich der Velar als Gleiter auf der Autobahn, bei Tempi zwischen 100 und 180 km/h. Natürlich mit dem guten Gefühl, es jederzeit auch krachen lassen zu können. Muss man aber wie gesagt nicht, zumal der Verbrauch dann exorbitant in die Höhe geht. Selbst bei überwiegend zurückhaltender Fahrweise, standen bei uns nach zwei Wochen Nutzung schon 9,4 Liter Durchschnittverbrauch zu Buche. Deutlich mehr als die versprochenen 6,6 Liter aus den technischen Daten.

Wer hier aufs Geld achten will, dem sei der Einstiegsdiesel als Vierzylinder mit 180 PS empfohlen, der zudem schon in der Anschaffung über 7.000 Euro spart. Die Benziner mit Leistungen zwischen 250 und 380 PS sind dagegen nur für Menschen, die an der dann häufiger zu besuchenden Tankstelle ihre Nerven unter Kontrolle haben. Ach ja, knapp 64.000 Euro kostet der Velar mit dem großen Diesel in der „Basisversion“, in der höchsten Ausstattungsstufe HSE sind es schon über 84.000 Euro und die Optionsliste gibt immer noch das eine oder andere Schmankerl her. Der Velar ist also weniger etwas für Evoque-Aufsteiger, sondern eher was für ehemalige Range-Rover-Fahrer, die ein optisch cooleres Fahrzeug wünschen.

Fazit: Grundpreis und Verbrauch, Bedienung und eine nicht perfekte Rundumsicht sind letztlich die auffälligsten Kritikpunkte. Auf der anderen Seite bietet der Velar wie bei Land-Rover-Modellen mit Ausnahme des Evoque üblich viel Platz und ein sehr elegantes, puristisches Design. Und er ist nicht nur ein Möchtegern-SUV, sondern verfügt dank Allradantrieb und der jahrzehntelangen Erfahrung der Briten auch über echte Geländeeigenschaften. So man denn mit diesem Auto überhaupt den Boulevard gegen einen Waldpfad eintauschen möchte.

Range Rover Velar D300 – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der gehobenen Mittelklasse; Länge: 4,80 Meter, Breite: 1,93 Meter (mit Außenspiegeln: 2,15 Meter), Höhe: 1,69 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 673 – 1.705 Liter
3,0-Liter-V6-Twinturbo-Diesel, 221 kW/300 PS, maximales Drehmoment: 700 Newtonmeter bei 1.500 – 1.750 U/min, Allradantrieb, 8-Stufen-Automatik, 0-100 km/h: 6,7 s, Vmax: 241 km/h, Normverbrauch: 6,6 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 175 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 9,4 Liter
Preis: ab 63.890 Euro (Velar)
Preis des Testwagens: 84.130 Euro (HSE) 

Kurzcharakteristik:
Warum: puristisch-elegantes Design, viel Platz, hohe Geländetauglichkeit
Warum nicht: eingeschränkte Rundumsicht, teils umständliche Bedienung, teuer
Was sonst: wen 8 Zentimeter mehr Länge nicht stören – einen Range Rover Sport


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