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Mission fast completed

0 2018-06-07 313

Der Porsche Mission E befindet sich auf der Zielgeraden, 2019 ist der anvisierte Marktstart. Mit dem Cross Turismo konnten ebenfalls bereits die ersten Testkilometer absolviert werden, er soll zwei Jahre später folgen.

„Nicht so zaghaft, Sie können ruhig das Pedal durchtreten.“ Wer mit Stefan Weckbach im Porsche Mission E Cross Turismo auf Testfahrt geht, der verliert schnell den Respekt vor dem millionenschweren Einzelstück. Denn wo die Entwickler sonst oft schon Herzrasen bekommen, wenn ihre Studien mal mit Schritttempo über eine Straße rollen und statt dem Glanz der Messescheinwerfer etwas Tageslicht abbekommen, will der Projektleiter hier in den Hügeln hinter Hollywood und am Strand von Malibu Fahrspaß demonstrieren. Schließlich ist der aufgebockte Sportkombi in Offroad-Look der Vorbote des ersten vollelektrischen Porsches und muss beweisen, dass der Reiz des Rasens auch ohne Verbrenner nicht verloren geht. Erst recht hier in Kalifornien, wo bislang Tesla die alleinige Deutungshoheit für die Zukunft des Luxusautos beansprucht hat.

Also spricht Weckbach dem Fahrer vom Sozius aus Mut zu und bereitwillig leistet man ihm Folge. Wie auf der PlayStation, völlig geräuschlos und deshalb fast ein wenig virtuell schießt der Cross Turismo den Topanga Canyon hinauf und mit jeder Meile auf dem Mullholland Drive wird das Grinsen breiter. Doch das hier ist keine VR-Simulation. Das Auto ist real und entsprechend mitreißend, selbst wenn die Cops im Begleitfahrzeug den Spaß ein bisschen einbremsen, weil sie erstens zumindest ein bisschen nach den Regeln schauen müssen und zweitens ihr Chevy Tahoe ohnehin nicht mithalten kann.

Aber der Bremser mit Blaulicht ändert nichts an der Faszination, die von der weißgrauen Flunder ausgeht: 600 PS bleiben 600 PS, egal, ob sie von einem V8-Turbo kommen wie im Panamera oder eben von zwei E-Motoren, von denen jeder eine Achse antreibt. Ein Sprint von 0 auf 100 in weniger als 3,5 Sekunden fühlt sich noch spektakulärer an, wenn er so unvermittelt und scheinbar mühelos kommt, und so wie der Cross Turismo durchzieht, glaubt man ihm das Spitzentempo von mehr als 250 km/h auch ohne die Probe aufs Exempel. Zumal das hier in den Hügeln hinter Hollywood auch ohne Polizeieskorte kaum zu schaffe wäre, so eng und kurvig, wie die Straßen hier sind. Stattdessen freut man sich hier lieber an der variablen Kraftverteilung und den Segnungen der Hinterradlenkung, dank derer sich der knapp fünf Meter und sicher mehr als zwei Tonnen schwere Cross Turismo mehr nach Macan anfühlt als nach Cayenne.

Dass der Cross Turismo so gut fährt, liegt weniger am hohen Anspruch, den Porsche an die Studie stellt, sondern an seinen Verwandtschaftsverhältnissen. Denn selbst wenn es zu den Aussichten des Showcars als mögliche Erweiterung der Modellpalette für mehr Platz im Fond und einen größeren Aktionsradius durch die höhere Bodenfreiheit noch keine offizielle Angaben gibt, basiert er doch auch den normalen Mission E, der Ende nächsten Jahres auf die Straße kommt. „Wir haben deshalb für den Messeauftritt kein großes Spielzeugauto gebaut, sondern einen unserer Prototypen neu eingekleidet,“ sagt Weckbach. Es knirscht und knarzt deshalb zwar ein bisschen im Kunststoff-Gebälk, die handgeschnitzten Reifen schleifen bisweilen in den Radkästen, man kann die Sitze und die Spiegel nicht verstellen und leider brennt die Sonne brutal durch das riesige Glasdach. Doch was an Technik unter dem Wagenboden steckt, das gibt einen ziemlich konkreten Ausblick auf das Serienmodell, verspricht Weckbach.

Das gilt nicht nur für die Motoren, sondern auch für den Akku, der eine Kapazität von rund 90 kWh haben wird und so für mehr als 500 Kilometer reichen soll. Nur das mit dem 800 Volt-Laden klappt hier in Kalifornien noch nicht. Aber so verlockend die Vorstellung auch sein mag, in 15 Minuten den Strom für 400 Kilometer zapfen zu können – es gibt schlimmere Ecken, um einen längeren Ladestopp abzuwarten, als den Strand von Malibu. Außerdem gibt einem die Zwangspause genügend Zeit, eine weitere Neuerung im Cross Turismo zu würdigen: die digitale Bedienlandschaft, die selbst die im neuen Panamera schon wieder ziemlich alt aussehen lässt: Alles, was im Cross Turismo zu steuern und zu regeln ist, erledigt man über Sensorfelder und Touchscreens und alles, was einem das Auto mitzuteilen hat, erscheint auf den drei Bildschirmen hinter dem Lenkrad, in der Mittelkonsole und vor dem Beifahrer, der erstmals sein eigenes Display bekommt.

Obwohl das alles frisch und fremd ist, wirkt es zugleich ungeheuer vertraut. Denn ein paar Konstanten haben die Schwaben in die neue Zeit gerettet: Eine grafische Darstellung der Beschleunigung in der Mitte der Anzeige erinnert an den bei Porsche sonst immer so dominanten Drehzahlmesser. Und natürlich gibt es Links vom Lenkrad, wenn schon kein Zündschloss mehr, dann zumindest einen Startknopf.

Zwar markiert der Mission E den Beginn einer neuen Ära bei Porsche und nicht nur der Cross Turismo zeigt, dass die Schwaben einen großen Plan für eine komplette Modellfamilie haben. Schließlich sollen Weckbachs Stromer schon in wenigen Jahren auf einen Anteil von 25 Prozent an der Porsche-Produktion kommen – ein Ansinnen, dass sich die Schwaben stolze sechs Milliarden Euro kosten lassen. Doch so ganz muss die Vollgasfraktion die Flinte nicht ins Korn werfen – nicht nur, weil der Mission E nach allem, was der Prototyp erahnen lässt, wie ein typischer Porsche fahre wird. Sondern weil der der Anfang des Elektrozeitalters eben nicht das Ende des Verbrenners markiert, beruhigt der Baureihenleiter die Gemüter: „Solange es für Autos wie einen 911R oder einen GT3 Kunden gibt und es die Gesetze erlauben, werden wir das eine tun und das andere nicht lassen.“ Schließlich kommt auch vor dem Mission E erst mal eine neue Generation 911 – und zwar mit einem Tankstutzen und bis auf weitere ohne Steckdosenanschluss.

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