Ein starkes Netzwerk
08.08.2014

Bernd Franke (re.) und Sebastian Heuft (li.) sprechen mit Andreas Brodhage über das Werkstattkonzept von Global Automotive Service
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Exklusivinterview mit Andreas Brodhage (Geschäftsführer der Global Automotive Service GmbH)

Flottenmanagement: Herr Brodhage, seit 2006 sind Sie mit Global Automotive Service im Flottenbereich tätig. Welche Erfolge konnten Sie bisher erzielen? Was ist das Neue an Ihrem Werkstattkonzept?

Andreas Brodhage: Während der letzten acht Jahre haben wir es geschafft, uns stetig zu verbessern und das Netzwerk zu erweitern. Mittlerweile haben wir die eine oder andere große Flotte oder Leasinggesellschaft in unser System integriert. Dabei basiert unser Werkstattkonzept auf einem im Grunde recht einfachen System: Jede einzelne Werkstatt ist ein eigenständiges Unternehmen und hat somit vollständige Entscheidungsfreiheit. Wir vermitteln nur zwischen den Kfz-Betrieben und dem Endkunden und leiten den Auftrag weiter. Dieses System funktioniert vollkommen unabhängig von der Flottengröße. Es ist demnach egal, ob Sie sich uns mit fünf oder 5.000 Fahrzeugen anschließen.

Wir sind, anders als viele Marktbegleiter, keine Autoteilebörse, sondern nur ein Auftragssteuerer. Daher muss bei uns auch nicht jede Werkstatt alle Reparatur- und Wartungsleistungen anbieten, sie kann sich auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren. Außerdem erheben wir keine monatliche Gebühr oder wollen das Erscheinungsbild der einzelnen Betriebe angleichen. Wir haben lediglich eine auftragsabhängige Aufwandspauschale für die Vermittlung des Auftrags. Dieses sehr offene System ermöglicht uns, trotz der großen Anzahl an Betrieben, ein Höchstmaß an Flexibilität zu gewährleisten, was auch unser Schlüssel zum Erfolg ist. Denn, egal welche Kunden von uns akquiriert werden, schließlich ist es die Werkstatt vor Ort, die den Endkundenkontakt hat und gute Arbeit leisten muss. Dabei ist es uns wichtig, unser Werkstattsystem bestmöglich zu fördern. Die Werkstätten werden von uns bei der Beschaffung von notwendiger technischer Ausstattung, bei der Optimierung der Geschäftsprozesse und durch diverse Schulungen unterstützt. Es muss keine aufwendige Zentrale aufgebaut werden, die dann von einzelnen Filialen gestützt werden muss. Letztlich ist das Ziel, durch die Zusammenarbeit von Werkstattbetrieben, Global Automotive Service und den Autoteilelieferanten Synergieeffekte zu erzielen, die am Ende des Tages den wirtschaftlichen Erfolg aller Beteiligten verbessern und den Flottenkunden zugleich möglichst umfangreiche Serviceleistungen bieten können. 

Flottenmanagement: Global Automotive Service GmbH ist eine Tochter des Ersatzteilspezialisten Coparts Autoteile GmbH. Wie wichtig ist diese Nähe für den Unfallschaden- und Werkstattservice?

Andreas Brodhage: Die Nähe zwischen Coparts Autoteile und Global Automotive Service ist grundlegend für die Existenz unseres Werkstattnetzwerkes. Darüber hinaus bringt diese Verbindung aber auch Vorteile für unsere Endkunden. Für Flotten zum Beispiel ist es sehr wichtig, nach dem Auftrag ein umfangreiches Reporting über die Inspektion und Wartung nach Herstellervorgaben zu erhalten, um so die Garantie- und Gewährleistungsansprüche in vollem Umfang zu erhalten. Dazu müssen viele Informationen beispielsweise zu Ersatzteilen zusammengetragen werden. Dies ist in unserem Falle sehr detailliert möglich, weil in den angeschlossenen Werkstätten nur Ersatzteile unserer Teilelieferanten verarbeitet werden. Durch unsere direkte Nähe zu Coparts Autoteile als Tochterunternehmen ist es uns überhaupt nur möglich, dass wir ein bis aufs kleinste Ersatzteil genaues Reporting anbieten und darüber hinaus auch alle Herstellerstandards erfüllen können.

Zudem verbessert sich durch diese Nähe zu der europaweit agierenden Coparts Gruppe auch das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Fahrzeugreparaturen. Jedoch ist in diesem Punkt eine Markenflexibilität oftmals wichtiger als der Preis, vor allem, wenn man das Flottenkundengeschäft betrachtet, denn der Markt wird nicht nur von einem Automobilhersteller und einem Modell beherrscht, sondern von vielen. Diese Schlagkraft, alle Ersatzteile in Erstausrüsterqualität anbieten zu können, wird uns durch Coparts Autoteile ermöglicht.

Flottenmanagement: Für Flotten ist eine Reparatur nach Herstellervorgaben und mit den entsprechenden Ersatzteilen unerlässlich. Wie ermöglichen Sie eine Qualitätssicherung bei den insgesamt 1.450 Partnerwerkstätten? Nach welchen Standards bieten Sie Ihre Serviceleistungen an?

Andreas Brodhage: Es ist uns wichtig, unsere Idee immer weiter zu verbessern und gewisse Standards zu erfüllen. So ist beispielsweise die ISO-Zertifizierung im Bereich der Vermittlung von Reparatur- und Wartungsaufträgen in Kfz-Werkstätten ein Beleg für unsere hohen Qualitätsansprüche. Bei unseren Partnerwerkstätten ist es in Sachen Qualitätssicherung entscheidend, dass alle wissen, wie das System und unser Regelwerk funktioniert. Dabei muss aber kein Betrieb in ein vorgeschriebenes Korsett gepresst werden, denn der Anreiz, gute Arbeit zu leisten, ergibt sich für die einzelnen Werkstätten schon allein daraus, dass jeder Betrieb selbstverantwortlich ist. Daher ist die unternehmerische Motivation der einzelnen Servicewerkstätten vor Ort bereits eine wichtige Qualitätssicherung. Jedes selbstständig tätige Unternehmen weiß, dass zufriedene Kunden immer wieder zurückkommen werden. Aufgrund dieser Freiheiten fällt es auch den Kfz-Werkstätten leicht, sich unserem Netzwerk anzuschließen.

Darüber hinaus stellen wir nicht nur ein System für Prozesse und Abläufe für die Werkstätten bereit, sondern auch für die Teilelieferanten. Wir verwenden nur Ersatzteile in Erstausrüsterqualität, entsprechend der Gruppenfreistellungsverordnung. Das bedeutet, dass unsere Kunden auf der rechtlich sicheren Seite sind, wenn mal etwas sein sollte. Gerade für Fuhrparks ist es wichtig, dass beste Teile verarbeitet werden. Oft können wir dabei auch noch erhebliche Preisvorteile an den Kunden weitergeben, da unsere Ersatzteile zwar von Marken wie ZF, SKF oder Textar stammen, jedoch anstelle eines Logos des Fahrzeugherstellers nur eine Seriennummer aufgedruckt ist. Bei einem Auftrag durch Global Automotive Service kann der Kunde sicher sein, dass die entsprechenden Ersatzteile auch von den Werkstätten verbaut werden. Denn wir bezahlen die Werkstatt für die Reparatur und nicht der Flottenkunde. Somit haben wir auf der einen Seite die Sicherheit, dass nur Reparaturen nach Herstellervorgaben durchgeführt werden. Auf der anderen Seite erhält der Fuhrparkmanager dadurch eine zentrale Abrechnung über Global Automotive Service.

Flottenmanagement: Welche Dienstleistungen und Services rund um das Thema Mobilität bietet Global Automotive Service neben dem klassischen Werkstattkonzept noch an?

Andreas Brodhage: Wir haben mit unseren 1.450 Kfz-Betrieben ein bundesweites Full-Service- Werkstattnetz, das in den nächsten Monaten noch ausgebaut wird. Der Kunde erwartet einen guten Service vor Ort und um dies zu realisieren, muss ein breites Netz von Werkstätten vorhanden sein. Diese Netzdichte ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale, hier sind wir auch bemüht, diese Vorreiterposition auszubauen. Darüber hinaus ist es in dem heute sehr schwierigen Kfz-Markt wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Kunden aufzubauen. Denn eine Werkstattbindung kann nur zustande kommen, wenn Vertrauen zwischen Kunde und Kfz- Betrieb besteht. Diese Bindung gelingt uns zum einen durch Transparenz und ein entsprechendes Reporting und zum anderen durch den angesprochenen Service vor Ort. Der Flottenkunde hat egal für welchen Schadenfall bei uns einen Ansprechpartner, der dann den Auftrag für die Reparatur an die passende Werkstatt in Flottennähe weiterleitet. Dies entlastet auch den Fuhrparkverantwortlichen, weil er sich nicht weiter auf die Suche begeben muss, den geeigneten Werkstattbetrieb zu finden.

Flottenmanagement: Welche Ziele haben Sie sich mit Global Automotive Service mittel- und langfristig gesetzt? Welche neuen Dienstleistungsprodukte möchten Sie anbieten?

Andreas Brodhage: Wir wollen weiter wachsen und der größte Auftragssteuerer in Deutschland werden. Noch in diesem Jahr soll die Anzahl der im System angeschlossenen Werkstätten auf 2.000 Betriebe anwachsen. Denn nur so kann ein engmaschiges Servicenetz aufgebaut werden, das vor allem für Flottenkunden interessant ist. Darüber hinaus arbeiten wir an einer Erweiterung des Dienstleistungsportfolios in den Bereichen Reifen und Smart Repair. Demnach lautet unser Ziel, auch die Qualifikation des Servicenetzwerkes in der Breite weiter zu erhöhen. Gerade bei dem Thema Smart Repair, seien es jetzt Steinschlag, Lackschäden oder Dellen, herrscht nur wenig Marktpluralität in Deutschland. Das wollen wir ändern und unser Netzwerk in diese Richtung ausbauen.


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