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Der Ford Ka+ im Test
Der Innenraum ist solide
Der Ka+ ist gewachsen, auch im Fond ist Platz
Der Kofferraum ist ausreichend

Gut von A nach B

0 2017-10-19 151

Der Ford Ka ist deutlich gewachsen und trägt nun ein „+“ im Namen. Gilt der Zusatz auch für den Gesamteindruck oder arbeitet Ford mit dem Kleinen nur Fiesta-Reste auf?

Kein volldigitaler Tacho, kein großer Infotainment-Screen und keine pseudo-autonomen Helferlein: Der Ford Ka+ ist so normal, wie ein Auto nur normal sein kann. Der ehemals knuffige Winzling ist in der dritten Generation ordentlich gewachsen, was vor allem an der Plattform liegt, auf der er sitzt. Die stammt vom Vorgängermodell des neuen Fiesta und hebt sich längentechnisch deutlich vom alten Ka (Fiat-500-Basis) ab – nämlich um satte 31 Zentimeter. Der Ka+ ist nun 3,93 Meter lang und damit nur zwei Zentimeter kürzer als sein Plattform-Vorfahr Fiesta. Also wuselt der kleinste Ford nun nicht mehr im Kleinst- sondern schon im Kleinwagen-Segment herum, was vor allem dem Raumangebot im Fond zugutekommt: Hier finden selbst Großgewachsene Menschen Platz, die nun auch über zwei zusätzliche Türen einsteigen können, den Ka+ gibt es nur als Fünftürer.

Auch optisch ist der Ka+ keiner dieser typischen Lifestyle-Kleinwagen, die mit frechen Gesichtern und süßen Details punkten wollen. Vielleicht schon etwas zu kastig ist der Ford geraten, pragmatisch trifft es wohl am besten. Neben dem neuen Fiesta wirkt der Ka+ deutlich unmoderner und vor allem auch unsportlicher. Er rollt auf wirklich sehr kleinen 15-Zoll-Rädern, die in den Radhäusern etwas verloren scheinen. Unser Testwagen kommt außerdem in tristem Schwarz daher und musste zudem das Anbringen weißer Folien-Akzente (gegen Aufpreis) über sich ergehen lassen, was ihn irgendwie noch biederer erscheinen lässt. Aber: Bei Frauen scheint der Ka auch mit „Plus“ gut anzukommen, Freundin und Schwiegermutter attestieren dem Stadtkrabbler immerhin ein „knuffig“.

Unter der Haube des Ka+ steckt kein moderner Ecoboost-Dreizylinder-Turbo, der im Fiesta so gute Arbeit leistet, sondern ein müder Vierzylinder-Sauger mit 1,2 Liter Hubraum. Unser Modell wird von der stärkeren der beiden Motorisierungen angetrieben, das Triebwerk leistet 63 kW/85 PS. Der Motor fühlt sich aber so träge und schwerfällig an, dass das gesamte Fahrspaß-Potenzial, das Aufhängung und Lenkung dem Ka+ schenken, völlig verpufft. Auch die 112 Newtonmeter sind für flottes Vorwärtskommen zu wenig. Wie sich da wohl erst das Einstiegsmodell mit 52 kW/70 PS anfühlen muss? Übrigens, vom werksseitig angegebenen Durchschnittsverbrauch (5,0 Liter pro 100 Kilometer) ist der Kleine weit entfernt. In einem einigermaßen ausgeglichenen Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn genehmigte sich der Ka+ im Test deutlich mehr als acht Liter.

Genug gemeckert, kommen wir wieder zu etwas positivem. Hinter der aus dem Fiesta bekannten und mit Knöpfen überladenen Mittelkonsole versteckt sich ein simples aber in der Handhabung überzeugendes Infotainment-System, das zwar ohne Navi, dafür aber mit der „SYNC3“-Sprachsteuerung samt Smartphone-Kopplung daherkommt. Ein praktisches Feature, das man dem sehr spärlichen Innenraum so nicht auf Anhieb zugetraut hätte.

Ansonsten ist das Cockpit aufgeräumt und bietet verblüffend viele Ablagemöglichkeiten. Gleich sechs Cupholder finden sich allein in der vorderen Reihe und das versteckte Fach im Armaturenbrett, das sich nur bei geöffneter Tür finden lässt, ist ohnehin etwas Besonderes. Wer beim Blick auf den winzigen „Mäusekino“-Monitor im Kopf schon die Nummer des Optikers herauskramt, kann auch einfach das Smartphone in die Klappe auf der Mittelkonsole klemmen. Der USB-Slot dort eignet sich perfekt zur Stromversorgung des Navi-Smartphones. Die Sitze sind ausreichend bequem, bieten aber nicht allzu viel Seitenhalt. Ansonsten gibt es über das Cockpit des Ka+ nicht viel zu sagen. Viel Hartplastik, wenig moderne Technik und keine fingerabdruckempfindlichen Glas-Screens. Ob das nun positiv ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ach ja, fahren kann der Ka+ natürlich auch. Das tut er – abgesehen vom lahmen Motor – sehr unaufregend. Fahrwerk und Getriebe machen einen soliden Eindruck, hier merkt man die Verwandtschaft zum Fiesta. Die Aufhängung ist komfortabel und filtert die meisten Stöße gut ab. Der große kleine Ka ist kein Auto für die Autobahn oder die Landstraße, sondern eher für die Innenstadt. Parkplätze finden sich dank der kompakten Außenmaße wie von selbst und mit den kleinen Felgen samt hoher Reifen-Seitenwände ist auch ein Bordstein schnell mal erklommen.

Ob sich wirklich viele Käufer für den in Indien gebauten Ka+ finden werden, ist fraglich. Zu nah scheint das Modell mittlerweile größen- und preistechnisch am deutlich hübscheren und moderneren Fiesta zu liegen. Unser Testwagen mit der „Cool&Sound“-Ausstattung (Klimaautomatik und Infotainment inklusive) kostet mit dem stärkeren Motor 11.600 Euro. Für den günstigsten Fiesta sind „nur“ 1.300 Euro mehr fällig.

Ford Ka+  – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 3,93 Meter, Breite: 1,70 Meter, Höhe: 1,52 Meter, Radstand: 2,49 Meter

Reihenvierzylinder mit 1,2 Liter Hubraum, 63 kW/85 PS, maximales Drehmoment: 112 Nm, manuelles Fünfgang-Getriebe, Vmax: 169 km/h, 0-100 km/h: 13,3s, Verbrauch (NEFZ): 5,0 Liter / 100 Kilometer, Test-Verbrauch: 8,4 Liter / 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 114 g/km, Grundpreis ab 11.600 Euro

Kurzcharakteristik – Ford Ka+:
Warum: Unaufgeregtes Auto, solider Von-A-nach-B-Kommer
Warum nicht: lahmer Motor, langweilige Optik, viel Plastik im Innenraum  
Was sonst: Opel Corsa, VW Polo (Vorgängermodell), Ford Fiesta (Vorgängermodell)

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