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Redakteur Max Friedhoff am Steuer des neuen Porsche Cayenne E-Hybrid im Rahmen der finalen Erprobungsfahrt in Südafrika | Foto © Porsche
Nach heftigen Regenschauern waren die Straßen teilweise überflutet | Foto © Porsche
Viele Straßen bestehen nur aus Lehm | Foto © Porsche
Strom wird wie bei einem Plug-in-Hybrid üblich per Stecker geladen | Foto © Porsche

Auf Herz und Nieren

0 2018-03-13 266

Vor der Markteinführung einer Modellreihe muss sie auf Herz und Nieren geprüft werden, teils unter extremen Bedingungen. Wie dies bei der Hybridversion des neuen Porsche Cayennes vonstatten ging, durfte der Autor bei der Begleitung einiger Porsche-Ingenieure während der finalen Abnahmefahrt erleben.

Während eine Kältewelle Ende Februar weite Teile des Kontinents fest im Griff hat und mit frostigen Temperaturen sowie jeder Menge Schnee für Chaos sorgt, sieht es gleichzeitig in Johannesburg, Südafrika ganz anders aus. Hier, in einer unterirdischen Hotelgarage vor der spätsommerlichen Hitze geschützt, bereiten sich gerade sechs Porsche-Ingenieure auf den Start eines neuen Arbeitstages vor. Wir sind mit dabei, wie dem künftigen Cayenne E-Hybrid die letzten Kinderkrankheiten ausgetrieben werden. Die Stichwörter, die man im Vorfeld nannte, lauteten „Finale Abnahmefahrt“ und „Gesamtfahrzeugerprobung“.

Die wenigen leicht getarnten Prototypen, mit denen wir in den kommenden Tagen die Umgebung von Johannesburg und Pretoria abklappern, sind erst vor kurzem per Luftfracht aus Deutschland gekommen – Böblinger Kennzeichen inklusive. Ein Fremdkörper auf einem unwirklich großen Kontinent. Nun sollen Mitarbeiter verschiedener Bereiche in der Entwicklung der Stuttgarter noch einmal für rund zwei Wochen ein intensives Auge auf das Hybrid-SUV werfen, um unangenehme Überraschungen in Kundenhand zu vermeiden. In unserer Gruppe geht es den Ingenieuren vor allem um Qualitätsmanagement, der Integration neuer Elektrik und Elektronik, akustische Feinheiten im Interieur des Cayenne und um das Zusammenspiel des großen Ganzen.

Nachdem Teamleiter Peter Hass die grobe Route für den heutigen Tag ganz klassisch mit einer großen Straßenkarte auf der Motorhaube abgesteckt hat, kann es losgehen. Eine exakte Streckenführung gibt es bei einer solchen Erprobung meist nicht. Wie die acht- bis zehntausend Kilometer, die in den kommenden zwei Wochen (inklusive Stop-and-Go-Verkehr in der Innenstadt) zusammenkommen, ist eigentlich egal. Hauptsache, es wird gefahren. Warum man für die finale Erprobung nach Südafrika geht? Das hat verschiedene Gründe. Vor allem ist es die Vielfalt an Bedingungen, die das Team hier vorfindet. Es ist heiß und stickig, die Straßen abseits der Hauptverkehrsadern sind nicht die besten und der Kraftstoff entspricht auch nicht dem europäischen Standard – alles kräftezehrende Voraussetzungen, um die letzten Fehler aus dem neuen Hybrid heraus zu kitzeln.

Wir lassen die hohen mit Stacheldraht gekrönten Mauern unseres Hotels hinter uns und begeben uns auf eine Art Bundesstraße, die aus Johannesburg heraus in Richtung Norden führt. Peter Hass lauscht andächtig. „Hörst du das? Das Getriebe heult noch ein bisschen unterhalb von 2.000 Touren“. Dann drückt er zum ersten Mal auf den Trigger-Knopf des kleinen Dataloggers, den jeder Cayenne auf dem Armaturenbrett trägt. Jetzt werden die Daten sämtlicher Sensoren in der großen Messtechnik-Kiste im Kofferraum zehn Sekunden rückwirkend und fünf Sekunden in die Zukunft aufgezeichnet. Bis zu 1,5 Gigabyte an Daten kommen so zusammen. Pro Auto. Jeden Tag. Denn auch als Testfahrer bei Porsche sitzt man nicht ausschließlich am Steuer teurer Luxusboliden und lässt sich in entlegenen Teilen der Welt die Sonne auf den Pelz brennen. Vor dem Feierabendbier wollen Daten sortiert, ausgewertet, besprochen und schließlich nach Deutschland geschickt werden. Egal, wie schlecht die Internetverbindung irgendwo im Nirgendwo gerade ist.

Nächster Stopp: Eine lehmige Waschbrettpiste vom Allerfeinsten. Mitten im Dschungel. Hier kann der neue Cayenne E-Hybrid, dessen Markteinführung im Sommer erfolgen soll, zeigen, dass die Bezeichnung „SUV“ bei Porsche nicht nur eine hohle Marketingphrase ist. Unter der Haube der zweiten Plug-in-Hybrid-Generation des Cayenne steckt ein neuer Motor, der statt auf 2,9 nun auf 3,0 Liter Hubraum setzt und bei dem ein großer statt zweier kleiner Turbos für Ladedruck sorgt. Das Turboloch füllt ohnehin der Elektromotor. Dazu gibt es nun eine Tiptronic, die alte Doppelkupplung wurde über Bord geworfen um den Cayenne im Hängerbetrieb belastbarer zu machen. Dank einer neuen Hybridstrategie kommt das Plug-in-SUV nun auf eine Systemleistung von 340 kW/462 PS und schickt 700 Newtonmeter Drehmoment an alle vier Räder.

Besonders bei unserer Offroad-Übung in den beinahe unendlichen Weiten der südafrikanischen Steppe erweist sich der früh anliegende E-Boost als hilfreich. Bis auf 1.700 Meter über Null klettert unsere kleine Kolonne an diesem Tag. Mit der gleichen Straßenbereifung, mit der auf deutschen Autobahnen mehr als 250 km/h drin sein sollen – beeindruckend. Übrigens soll der Hybrid nicht nur Performance- und Verbrauchsvorteile bieten, das Ganze geht laut der Ingenieure vor Ort auch nicht zu Lasten des Kofferraumvolumens oder der Geländegängigkeit. Vor allem Letzteres stellt der Cayenne auch beim Abstieg eindrucksvoll unter Beweis. Im Offroad-Modus und mit höhergelegter Luftfederung scheint keine Felskante zu scharf und kein Abhang zu steil für den E-Hybrid.

Doch auch auf gewöhnlichem Asphalt macht der E-Hybrid eine brillante Figur. Das Drehmoment, das der E-Motor von unten heraus freigibt, macht das Anfahren sanft und gleichzeitig druckvoll. Gleiches gilt für eventuelle Zwischenspurts. Und von den Fähigkeiten, die der Cayenne in den Bereichen Fahrwerk oder Lenkung an den Tag legt, durfte man sich ja schon bei der Fahrvorstellung des „normalen“ Cayenne im letzten Herbst überzeugen.

Zurück auf befestigtem Terrain rollt unsere Gruppe durch einen Vorort Pretorias, wie man ihn sonst nur aus Dokumentationen kennt. Kleine Wellblechhütten, tiefe Schlammlöcher und augenscheinliche Armut. Der Kontrast Porsche und Slum könnte kaum extremer sein. Und trotzdem sind die Einheimischen unserem Konvoi deutlich aufgeschlossener gegenüber als erwartet. Es wird gelacht, gestaunt oder ungläubig gestikuliert. Und trotzdem fühlt es sich nun noch komischer an, das täglich Brot mit dem Fahren von Luxusgütern zu verdienen. Eine Erfahrung, die laut eigener Aussage auch den Porsche-Testfahrern nicht fremd ist. Ein bisschen Demut kann eben nie schaden. Selbst in den Reihen eines der größten Sportwagenhersteller bei einer Testfahrt am anderen Ende der Welt.

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