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Elektrisch reisen

0 2018-10-15 368

Es funktioniert wirklich: Der Trip mit dem Hyundai Kona Electric nach Paris hat bewiesen, dass die 600 Kilometer weite Strecke von Frankfurt aus sich rein elektrisch bewältigen lässt. 

Nein, der Hyundai Kona Electric ist schon länger bestellbar und keine Neuheit des traditionellen Autosalons in Paris. Dennoch ist die Frage spannend, ob es gelingt, mit dem Stromer von der hessischen Metropole Frankfurt ins fast 600 Kilometer entfernte Paris zu gelangen. Noch vor wenigen Jahren hingen Elektroautos schließlich im wahren Sinne des Wortes an der Leine, also am Kabel, um genau zu sein. Nach 80 Kilometern war nicht selten schon Schluss und das Auto musste wieder an die Steckdose.

Doch sprechen wir über Zahlen. Am Grundpreis von 39.000 Euro für die große Kona-Version mit 150 kW/204 PS Leistung und 64 kWh Akkukapazität merkt man, dass das Fahren eines E-Autos heute noch nicht unbedingt eine ökonomisch getriebene Entscheidung ist, auch wenn die Serienausstattung sicherlich nicht gerade mager ausfällt (E-Sitze, Navi, Rückfahrkamera und Tempomat mit aktiver Steuerung). Ein ökologischer Trendsetter zu sein, kostet eben Geld ­und immerhin, Fahrspaß ist jedenfalls mit von der Partie, der Koreaner zieht sauber an und kräftig durch. Bereits nach 7,6 Sekunden steht die digitale Geschwindigkeitsanzeige bei 100 km/h, das Höchsttempo liegt allerdings nur bei knapp 170 Sachen. Geschwindigkeitssüchtige kriegen an dieser Stelle für ihre 204 eingekauften Pferde wenig geboten. 

Hyundai wollte es wissen und hat die Fahrt von Frankfurt nach Paris unter einen wettbewerblichen Anspruch gestellt. Die Aufgabe bestand darin, am Ziel noch möglichst viel Restreichweite übrig zu behalten. Doch mit 90 km/h hinten einen Lkw klemmen? Nicht mit uns. Das wäre ein Zielkonflikt, schließlich soll das Elektroauto ja eine gewisse Alltagstauglichkeit gewährleisten – neue Antriebstechnik hin oder her.

Hyundai verspricht, mit dem Kona E-Auto realistische 482 Kilometer weit zu kommen – und in der Praxis, so viel sei sicher, gehen knapp 400 Kilometer, selbst wenn man (wie wir) auf deutschen Autobahnen auch mal das Höchsttempo nutzt und es über weite Distanzen immerhin bei Richtgeschwindigkeit belässt. So soll ein annehmbarer Kompromiss zwischen zügigem Fortkommen und akzeptablem Energieverbrauch entstehen.

Kurz vor Reims nach 356 Kilometern bei zügiger Fortbewegung steuern wir den Stromer sicherheitshalber dann doch an die Ladestation. Die 50-kW-Anlage sorgt dafür, dass die Lithium-Ionen-Batterie binnen einer halben Stunde zu 80 Prozent befüllt wird – danach geht es in einem Rutsch nach Paris. Natürlich sind 30 Minuten immer noch zu lange für eine „Tankdauer“, doch wenn man sich in der Zeit ohnehin stärkt, kann man damit leben. Die Krux allerdings besteht darin, dass es an unserer Raststätte nur einen einzigen Ladepunkt gab. Gut für uns, dass derzeit noch nicht so viele Elektroautos unterwegs sind – sonst hätte es eine längere Wartezeit werden können.

Fazit: Mit realen Reichweiten von rund 400 Kilometern wird das Elektroauto nun auch alltagstauglich, so dass man sein Leben zusammen mit dem fahrbaren Untersatz planen kann und sich nicht mehr nach dem Auto richten muss. Aber die Fahrzeuge sind viel weiter als die Infrastruktur. Daher: Bis der Stromer auch für Außendienstler eine echte Alternative etwa zum Diesel wird, müssen noch sehr viele, schnell arbeitende Ladepunkte geschaffen werden.

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