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Die Tankstelle der Zukunft

0 2019-06-03 797

Das Geschäftsmodell der Tankstelle dürfte sich zukünftig grundlegend ändern. Entwürfe sehen Tankstellen zunehmend in der Rolle als „grüne" Multiservicewelten und Mobilitätshubs, die für viele Bereiche neuer Mobilität Angebote bereitstellen. Ein Ausblick.

Es erscheint zunehmend wahrscheinlicher, dass der E-Mobilität in naher Zukunft der Durchbruch gelingt. Verbrenner werden sicherlich noch eine Weile unterwegs sein, doch einige Länder der EU haben bereits beschlossen, in absehbarer Zeit die Neuzulassung von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen zu verbieten. Damit erscheint auch das klassische Geschäft der Tankstellen ein Auslaufmodell. Mineralölkonzerne wie Shell oder Aral haben bereits auf diesen sich abzeichnenden Mobilitätswandel reagiert. Doch es wird nicht beim Aufstellen von Ladesäulen bleiben, Zukunftsentwürfe sehen Tankstellen zunehmend in der Rolle als „grüne" Multiservicewelten und Mobilitätshubs, die für viele Bereiche neuer Mobilität Angebote bereitstellen.

Die klassischen Treibstoffarten Benzin, Diesel und Erdgas werden noch für Jahrzehnte eine zentrale Rolle als Energieträger für unsere Mobilität spielen. Doch die Bedeutung anderer Energieformen wird wachsen. Entsprechend werden Tankstellen ihr Angebot stärker auf die Versorgung batterieelektrischer und wasserstoffgetriebener Fahrzeuge umstellen. Ladestrom wird künftig allerdings vor allem abseits der Tankstellen beziehbar sein, doch Autohöfe eigen sich für die Bereitstellung ultraschneller Ladesäulen, insbesondere entlang der Fernreiserouten, die ein „Betanken“ von E-Fahrzeugen in vergleichsweise kurzer Zeit erlauben. Und das nimmt bereits jetzt Formen an. So hat zum Beispiel Shell angekündigt, zusammen mit dem Stromanbieter EnBW in Deutschland noch dieses Jahr 50 Schnellladesäulen für alle Steckerstandards zu installieren, dem weitere folgen sollen. Mit 150 Kilowatt Leistung sollen sie Ökostrom für 100 Kilometer in sechs bis acht Minuten laden.

Darüber hinaus ist Shell derzeit dabei, parallel auch das Netz an Wasserstofftankstellen enger zu stricken. Ende 2018 waren es derer noch 20, Ende 2019 sollen es 100 sein. Dabei handelt es sich um eine Investition und Wette in eine vergleichsweise ungewisse Zukunft. Noch ist ein Durchbruch der H2-Mobilität nicht erkennbar, obwohl diese schon seit Jahrzehnten als Königsweg gehandelt wird. Doch braucht es hierfür entsprechende Autos und gewaltige Investitionen in die Infrastruktur. Vor allem koreanische und japanische Autohersteller zeigen derzeit großes Engagement in diese Richtung. Ob und wann jedoch Brennstoffzellenfahrzeuge in großer Zahl in Deutschland unterwegs sein werden, erscheint ungewiss.

Auch für die Energiewende sind noch große Investitionen und viel Engagement nötig. Doch es erscheint möglich, dass wir in vielleicht schon weniger als 20 Jahren unsere Energie vorwiegend aus regenerativen Quellen beziehen. Auch für den Betrieb von Fahrzeugen. Eine 2018 vorgestellte Studie der schweizerischen EMPA (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) sieht dabei die Chance, dass Tankstellen künftig mit überschüssiger Energie autark die Treibstoffarten selbst produzieren. Neben Strom für E-Autos per Photovoltaik könnten diese auch Wasserstoff per Elektrolyse oder synthetische Diesel- und Benzinkraftstoffe generieren. Laut dieser Studie könnte dies um 2035 soweit sein.

In einer Ende 2018 gemeinsam von Aral und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstmals vorgestellten Studie kommt Tankstellen eine weitreichendere Rolle als nur die des Energiemaklers zu. Demnach könnten sich diese zudem zu Knoten- und Anlaufpunkte für diverse Mobilitätsformen wandeln. Zwar rechnet man damit, dass es 2040 weiterhin klassische Zapfsäulen geben wird, allerdings wird sich ihre Zahl zugunsten von Ladesäulen verringern. Laut Aral könnten diese mit einer Leistung von 350 Kilowatt den Ladevorgang für viele hundert Kilometer auf wenige Minuten verkürzen. Zusätzlich könnten Tankstellen künftig als Akkuwechselstationen fungieren. Vor allem für elektrisch getriebene Motorroller oder E-Bikes bieten sich derartige Akku-to-go-Systeme an. In China arbeitet derzeit der E-Autobauer Nio daran, sogar Wechselakkusysteme für seine Elektroautos aufzubauen.

Ein weiterer Baustein der von Aral vorgestellten Zukunftsstrategie ist die Funktion der Tankstelle als Servicestation für autonome Fahrzeugflotten. Neben der Versorgung mit Energie, in welcher Form auch immer, wären auch Pflegemaßnahmen wie die Fahrzeugreinigung denkbar. Außerdem soll die Tankstelle eine Art Knotenpunkt werden, an dem viele unterschiedliche Mobilitätsformen aufeinandertreffen. So sieht die Aral-Vision Landeplätze für elektrische Microflieger wie etwa Personendrohen oder eVTOLs vor. Von Lufttaxis können Personen auf dem Gelände der Tankstelle direkt auf autonome Autotaxis oder einen elektrischen Mietroller umsteigen.  

Auch als Logistikcenter könnte Tankstellen in Zukunft eine größere Rolle beikommen. Bereits heute finden sich in Deutschland auf etlichen Aral-Tankstellen Paketstationen. Der E-Commerce wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Darüber hinaus erscheinen Postdienstleistungen oder Bankgeschäfte interessante Geschäftsfelder, vor allem angesichts der attraktiven Öffnungszeiten.

Selbstverständlich werden Tankstellen auch in einigen ihrer klassischen Geschäftsfelder weiter aktiv bleiben. Die Rolle als 24-Stunden-Supermarkt wird vermutlich eine tragende Umsatzsäule bleiben. Allerdings sollten Tankstellen, um dem Kunden ein attraktiven Einkaufserlebnis zu bieten, ihr Erscheinungsbild und ihr Angebot verändern. Auch mit dem Ausbau von Gastronomiewelten ließe sich die Attraktivität steigern. Tankstellenbetreiber dürften zudem Möglichkeiten der zunehmenden Digitalisierung und Konnektivität stärker nutzen. In China gibt es bereits Servicestationen, deren Warenangebot dem Besucher auf dem Infotainmentdisplay angezeigt wird. Der Kunde kauft per Bildschirmberührung und bekommt die Ware prompt ans Fahrzeug geliefert. Für solche Services würden dann auch neue digitale Bezahlformen wie das In-car-payment interessant werden.

Auch typische Serviceangebote wie etwa Wagenwäsche haben Zukunft. Wenn künftig Tankstellen vornehmlich regenerative Energien bereitstellen, würde der Fahrzeugwäsche ebenfalls ein grünes Antlitz gut zu Gesicht stehen. Ein interessantes Modell hat etwa die PM-Tankstelle Geilenkirchen umgesetzt, die neben der Erzeugung von Solarstrom auch Regenwasser auffängt, sowie Brauchwasser aufbereitet und so für Wagenwäsche kein Trinkwasser mehr verbraucht. Dass Tankstellen grüner werden, ist nicht nur Vision, sondern in Teilen bereits Wirklichkeit.

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Carsharing rechnet sich doch!

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