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"Flotte! Der Branchentreff" 2020
Die Daten, die ein Auto ständig sendet, helfen, um den optimalen Wartungszeitpunkt zu ermitteln

Bleibt alles anders

Die Digitalisierung und der Daten(über)fluss werden weiterhin einiges im Leasing-, Fuhrparkmanagement- und Mobilitätsangebot der Dienstleister verändern. Wie sich fahrzeugbezogene Daten für genauere Restwertprognosen und Instandhaltung nutzen lassen und wovon der Nutzer noch profitieren kann, haben wir in der Branche nachgefragt.

Big Data: für den einen Fluch, für den anderen Segen. In jedem Fall eine finanziell wertvolle, aber auch datenschutzrechtlich heikle Angelegenheit. Seit die Digitalisierung im Fahrzeug Einzug gehalten hat, nimmt die Fülle an Daten aus dem Fahrzeug zu, die sämtliche Aktionen und Veränderungen aufzeichnen und analysierbar machen. Die Automobilindustrie nutzt die fahrzeugbezogenen Daten im Hinblick auf das vernetzte und autonome Fahren zur Entwicklung und Optimierung neuer Technologien. Aber auch um das Fuhrparkmanagement zu erleichtern, eignen sich bestimmte Daten. Wurden früher die Kilometerstände beim Tanken, beim Reifenwechsel oder bei anderen Werkstattaufenthalten erfasst und dokumentiert, können heute und künftig zu jedem Zeitpunkt relevante Fahrzeugdaten ermittelt werden. Die Telematik und die Vernetzung spielen dabei schon heute eine wichtige Rolle.

Wo die Chancen dabei für die Automobilbranche liegen, bringt Sanna Pöyhönen, Head of Data bei LeasePlan Digital, auf den Punkt: „Die neue Ära von Big Data bringt Vorteile für die gesamte Wertschöpfungskette – OEMs, Leasinggesellschaften, Flottenmanager und letztlich die Fahrer. OEMs können Daten in ihrer Produktentwicklung nutzen, um sicherere Autos zu bauen, die länger halten und fahrerfreundlicher sind. Leasinggesellschaften können ihr Leasing-Portfolio optimieren, einschließlich Autos, Preisgestaltung, Service- und Wartungsnetzwerk und Dienstleistungen für ihre Kunden. Flottenmanager haben die Möglichkeit, ihre Flotte hinsichtlich Kosten und Leistung zu überwachen und zu optimieren sowie in Bezug auf die Flotte Prognosen zu erstellen.“

Die Predictive Maintenance gehört zu den Lösungen der Automobilbranche, um Kostenreduktion und Kundenzufriedenheit zu generieren. Hiermit können schwerwiegende Ausfälle vorhergesagt und durch präventive Wartung verhindert werden, wie ein Bericht des Business Application Research Centers in der Publikation BARC-Guide Business Intelligence 2015 veranschaulichte. Vereinfacht erklärt funktioniert das folgendermaßen: Anhand von Daten aus Motorsteuergeräten hat man Merkmale und Muster identifiziert, die zu Fahrzeugdefekten geführt haben. Daraus wurde ein Bewertungsalgorithmus erstellt, der in Diagnosesoftware implementiert bei der Wartung signalisiert, ob ein Fahrzeugteil überprüft oder präventiv ausgetauscht werden sollte. So können schwerwiegende und vor allem kostspielige Ausfälle oder sogar Unfälle vermieden werden. Im Pkw-Bereich werden sich in den nächsten drei bis fünf Jahren entsprechende Konzepte etablieren, bei denen die Bordcomputer die von ihnen erfassten Störungen online an eine zentrale EDV übertragen, wo sie in Planungsprozesse einfließen, prognostiziert Henning Schick, Director Sales Europe bei der ARI Fleet Germany GmbH.

Carsten Classen, Produkt- und Innovationsmanager bei Athlon Germany, erläutert die Vorteile der Technologie folgendermaßen: „Neben Kostenvorteilen verbessern sich durch den Einsatz von Telematik auch die Sicherheitsstandards für Fahrer und Unternehmen. Sensoren sind in der Lage, Schäden und mögliche Defekte frühzeitig zu erfassen und an die Zentrale weiterzuleiten, bevor es zu Pannen der Unfällen kommt.“

Bereits seit über einem Jahr kommt die Predictive-Maintenance-Funktion bei carmobility im Rahmen der Telematiklösung FleetCONNECTED zum Einsatz, wie carmobility-Geschäftsführer Matteo Carlesso ausführt: „Deren Einsatz ermöglicht die Ermittlung des optimalen Wartungszeitpunktes der Fahrzeuge. Darüber hinaus werden Flottenmanager im Fall des Defekts eines technischen Bauteils umgehend informiert, sodass ein notwendiger Werkstattaufenthalt frühzeitig geplant werden kann. Der Datenzugriff erfolgt für den Fuhrparkmanager über das Online- Tool.“

Auch bei Arval arbeitet man intensiv an der Digitalisierung des Fuhrparks. In Deutschland stattet der Leasing- und Fuhrparkmanagementanbieter seine Fahrzeuge sukzessive mit Arval Active Link, der hauseigenen Telematiklösung aus, um zum Beispiel aktuelle Kilometerstände zu erhalten und Wartungsereignisse besser planen zu können. Zum einen können Fuhrparkleiter damit die Mobilitätsprofile der eigenen Flotte systematisch auswerten, zum anderen Parameter auf den Prüfstand stellen: etwa die Dauer des Leasingvertrags oder die Antriebsart der Fahrzeuge.

Neuartige Flottenreportings, wie sie derzeit LeasePlan mithilfe vorausschauender Instandhaltungskonzepte entwickelt, legen den Fokus auf die Erhöhung der Mobilität des Kunden. Mittels eines Mobilitätsindex, auf den der Fuhrparkmanager Zugriff hat, kann er Optimierungspotenziale erkennen und ausschöpfen. Solch ein Mobilitätsindex bereitet den Weg für die von der Branche erwartete Individualisierung und Flexibilisierung der Mobilität. Die Nutzung von Fahrzeugen durch mehrere Personen beispielsweise, was über das konventionelle Firmenwagenleasing hinausgeht.

Wenn Leasinggesellschaften die Daten von mehreren 10.000 Fahrzeugen, die sich in ihrem Bestand befinden, erheben können, ergeben sich daraus belastbare Analysegrundlagen, insbesondere für präzisere Restwertprognosen. Wie realitätsnah diese sind, muss die Praxis allerdings erst zeigen. Dann lassen sich diese auch zur Entwicklung neuer Mobilitätsangebote verwenden. Denkbar sei zum Beispiel, dass die umfassende Datenanalyse zu (fahr-)verhaltensabhängigen Leasingkosten führen kann, so Matthias Rotzek, Managing Director TraXall Germany powered by HLA Fleet Services.

Auch der Bereich des Fuhrparkleiters wird immer weiter mit dem des Travelmanagers verschmelzen. „Alle Akteure im Mobilitäts-Ökosystem müssen ihre Endnutzer und deren Anforderungen genauestens kennen, profitable und skalierbare Geschäftsmodelle und Technologien entwickeln, um diese Nachfrage auf schnelle und passende Weise zu bedienen“, skizziert Sanna Pöyhönen von LeasePlan Digital die zukünftigen Aufgaben des Mobilitätsmanagers. „Es kann sein, dass neue Akteure auf die Marktnachfrage reagieren und alte Prozesse in der Wertschöpfungskette verändern. Ein Beispiel sind die neuen Aufgaben des Fuhrparkmanagers in der Welt der autonomen Autos.“

Dieser Ausblick auf eine zukunftsfähige, noch digitalere Fuhrparkverwaltung erfordert eine Anpassung der Infrastruktur vieler Unternehmen. Das gilt mit Sicherheit nicht für große Firmen, bei denen eine digitale Verwaltung Status quo ist, sondern eher für kleinere Betriebe. Doch da bereits der Fiskus die Digitalisierung forciert, um Prozesse zu optimieren, und auf die papierlose Buchhaltung drängt, kann die Fuhrparkverwaltung nur davon profitieren. „Die Datentransparenz ist eine wichtige Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Fuhrparkmanagement, ebenso die Offenheit gegenüber neuen Mobilitätsformen. Das kann vom Einsatz von E-Bikes über Ride- und Carsharing- Systeme wie AlphaCity bis hin zur Einführung von Mobilitätsbudgets für die Mitarbeiter reichen, wie wir sie heute schon auf verschiedenen Märkten mit AlphaFlex anbieten“, fasst Ursula Wingfield, Geschäftsführerin der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH, zusammen.

„Wichtig ist, dass nicht nur der Fuhrparkbetreiber einen aktuellen und vor allem ganzheitlichen, am besten digitalen, Überblick über seine Flotte hat, sondern auch andere Stakeholder, wie zum Beispiel die Fahrer, meint Christian Schüßler, Commercial Director bei Arval. Das Unternehmen bietet bereits heute ein umfangreiches Angebot an Onlinelösungen zur Digitalisierung des Fuhrparks an. „Mit der Telematiklösung Arval Active Link erhält der Kunde Datenauswertungen in Echtzeit. Mit der App My Arval Mobile bleibt der Fahrer jederzeit informiert und vernetzt. Tools wie My Fleet Status und Integral Fleet beinhalten wesentliche Fuhrparkdaten in übersichtlicher Form, unabhängig von der Finanzierungsart oder vom Leasinganbieter – und dies in einer einzigen Plattform“, so Schüßler weiter.

Doch auch wenn stets die Vorteile für den Fuhrpark in den Vordergrund gestellt werden, sollte sich der Flottenmanager bewusst sein, welchen Nutzen der Dienstleister aus dem Datentransfer zieht. „Zwar lassen sich Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von Fahrzeugen erhöhen und unplanmäßige Werkstattaufenthalte perspektivisch verringern. Allerdings können durch die entsprechenden Daten auch Rückschlüsse auf das jeweilige Fahrverhalten gezogen werden. Dies ist insbesondere hinsichtlich mitbestimmungsrelevanter Faktoren zu beachten“, gibt Frank Hägele, Geschäftsführer für den Bereich Fleet der Deutschen Leasing, zu bedenken. Hier bringen sich dann unabhängige Fuhrparkmanagementdienstleister wie TraXall Germany ins Spiel, die es sich zur Aufgabe machen, die wirtschaftlichen und administrativen Vorteile solcher Lösungen für ihre Kunden zu analysieren und Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz zu unterbreiten. „Es gibt bereits einige Lösungen im Bereich Maintenance/Repair und Risk-Management“, weiß Geschäftsführer Matthias Rotzek, „deren Einsatz eine individuelle Kosten- Nutzen-Abwägung erfordert.“

Schlussendlich gilt auch für den Fuhrparkmanager: Oft ist weniger mehr! Matteo Carlesso von carmobility gibt zu bedenken, dass es nicht immer darum geht, eine Flut an Daten zu erhalten, sondern eher, sie sinnvoll einzusetzen. „Dies kann meist nur eine Handvoll Datensätze sein, die aber gerade im Fuhrparkmanagement eine signifikante Verbesserung der Transparenz ermöglichen. Darauf sollte man aufbauen. Der Markt lernt gerade, mit diesen Änderungen umzugehen. Es liegt aber noch eine weite Reise vor uns, bei der man die Dimensionen und Möglichkeiten noch gar nicht wirklich abschätzen kann.“ Ein Schlusswort, das sich jeder Fuhrparkverwalter zu Herzen nehmen sollte.

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