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Mobilitätsmanagement wird künftig noch digitaler und damit flexibler

Flexibel ist Trend

„Pauschal“ klingt so banal, „Flatrate“ gleich viel werbewirksamer. Was bei Reiseangeboten anfing und bei Mobilfunkverträgen in aller Munde ist, findet auch bei Mobilitätsangeboten Anwendung . Ob Flatrate-Angebote attraktiv für Fuhrparks und Dienstwagennutzer sein könnten, wollten wir wissen und haben uns umgehört, welche weiteren Optionen es für eine flexible Dienstwagennutzung gibt.

Der Inbegriff des Automobils als Statussymbol gerät seit einigen Jahren mehr und mehr ins Wanken. Wenn der Nachbar das neue SUV in der Einfahrt sieht, mag er nicht gleich abschätzen können, ob es der neue Dienstwagen, ein Mietfahrzeug, ein Poolfahrzeug oder ein Carsharing- Objekt ist – alles ist denkbar. Und allen ist gemeinsam, dass sie nur auf Zeit dort zu sehen sind. Mal länger, mal kürzer. „Die Lebenssituationen unserer Kunden wandeln sich heute ständig. Das schlägt sich insbesondere im Trend von Besitz zur Nutzung nieder“, sagt dazu Susanne Hahn, Leitung Lab1886 Global, ein Inkubator der Daimler AG, in dem aktuell Mercedes me Flexperience, das erste Fahrzeug-Abonnementmodell von Mercedes-Benz, pilotiert wird. „Die hohen Wachstumszahlen bei unseren Mobilitätsservices car2go, moovel und mytaxi zeigen dies deutlich. Gleichzeitig steigen die Bedürfnisse hinsichtlich des Individualisierungsgrades von Mobilitätsdienstleistungen, was auch die Ansprüche an die Fahrzeugauswahl betrifft“, analysiert Hahn weiter.

Das führt zu einem Umdenken sowohl bei den Leasing- und Fuhrparkmanagementanbietern als auch bei den Automobilherstellern, die ebenfalls Mobilitätsangebote als alternatives Standbein zum klassischen Fahrzeugverkauf etablieren (müssen), um „nicht von Uber und DiDi Chuxing (chinesischer Ridesharing-Anbieter, Anmerkung der Redaktion) zu reinen Zulieferern degradiert zu werden“, wie Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), in einem Artikel von Thomas Strünkelnberg, dpa, auf heise online provokant formulierte.

Mietwagenanbietern spielt dieser Wandel in die Karten, die somit neben ihrer Kernkompetenz Kurzzeitmieten auch flexible Langzeitmietprogramme für Unternehmen auflegen können. „Choice beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Megatrend Mobilität und dessen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Lebensbereiche der Menschen. Der Trend Mobility-on-demand fordert als wichtigstes Merkmal die größtmögliche Flexibilität. Die Philosophie hinter unserem Langzeitmietangebot ‚carcharter‘ kombiniert genau dieses hohe Maß an Flexibilität mit einem effizienten Bestellprozess. Der Kunde kann das Angebot somit stets an seine momentane Lebenssituation anpassen“, beschreibt Julian Wolter, Head of long-term rental, Head of carcharter bei der Choice GmbH, die Möglichkeiten. Und dass es sich tatsächlich als Alternative zum individuell konfigurierten Dienstwagen erweist, zeigt sich darin, dass der Kunde seinen Wunsch-Neuwagen wählen kann, der nach Auslösung der Bestellung für ihn werksneu zugelassen wird.

Auch bei der Europa Service Autovermietung AG stellt man fest, dass viele Firmen und deren Mitarbeiter langfristige und starre Bindungen an Fahrzeuge nicht mehr als zeitgemäß empfinden. „Somit korrigiert sich gerade der letzte Trend, dass Fahrzeuge idealerweise nicht alle sechs Monate getauscht werden müssen“, berichtet Dominik Kühnlein, Leiter Vertriebsinnendienst. „Dadurch kommen wir zum Kernthema der ‚gemeinen‘ Autovermietung zurück und dieses Geschäft betreiben wir seit Jahrzehnten mit innovativen und smarten Lösungen.“

Kontrovers betrachten die Mobilitätsanbieter in Deutschland das Potenzial von Flatrate-Angeboten. Die Europa Service Autovermietung hat bereits 2016 ein erstes Konzept erarbeitet und stetig weiterentwickelt, kam aber bislang im Austausch mit Kunden und Geschäftspartnern zu dem Ergebnis, dass die Kunden noch nicht dafür bereit sind. Sollte sich das ändern, kann das Unternehmen die Markteinführung jedoch kurzfristig starten. Knut Krösche, Geschäftsführer der Volkswagen Leasing GmbH, zitiert die Ergebnisse einer Umfrage des International Car Distribution Programmes (ICDP) über das Marktforschungsinstitut YouGov, nach der sich die Nachfrage nach Flatrate-Angeboten in Deutschland noch in Grenzen hält. Daran wird sich aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern. Die Gründe sieht er darin, dass flexible Lösungen im Regelfall teurer im Vergleich zu klassischen Leasing- oder Vermietmodellen sind, was Fuhrparkmanager aus TCO-Gründen nicht rechtfertigen können.

Doch einige Dienstleister sehen sehr wohl Potenzial im Flatrate-Angebot, insbesondere Premium-Marken wollen so Kunden per Abonnement an ihre Marke binden. Seit November 2017 können 50 Kunden im Pilotprojekt Porsche Passport in den USA zu einem monatlichen Fixpreis von 2.000 Dollar jederzeit eines von vier Modellen der Marke wählen. In der Gebühr sind Zulassung, Wartungs- und Inspektionskosten sowie alle Versicherungen enthalten.

Das All-inclusive-Programm von Jaguar Land Rover in Großbritannien nennt sich Carpe. Hiermit können Abonnenten jedes Jahr ein neues Fahrzeug erhalten. Dabei lassen sich die Fahrzeugspezifikationen auf die individuellen Bedürfnisse zuschneiden. Eine Beschränkung in der Laufleistung existiert nicht, Fahrzeug, Wartung, Instandhaltung, Versicherung, Pannenhilfe und Lieferung sind bereits im Pauschalpreis von monatlich 910 Pfund für einen Jaguar E-Pace und bis zu 2.900 Pfund für einen Land Rover Range Rover HSE inbegriffen.

Im April dieses Jahres ist Care by Volvo in Deutschland gestartet. Die Abwicklung erfolgt größtenteils online. In der fixen Monatsrate ab 499 Euro sind neben Kfz-Steuer und Versicherung auch alle Kosten für Wartung, Reparaturen, Winterbereifung, Räderwechsel und -einlagerung enthalten, eine Anzahlung ist nicht erforderlich. Das Abonnement ist derzeit für den Volvo XC40 und den V60 erhältlich. „Care by Volvo ist ein innovatives Mobilitätsangebot, bei dem die Kunden die Vorteile eines attraktiven All-inclusive-Abonnements genießen“, erklärt Thomas Bauch, Geschäftsführer der Volvo Car Germany GmbH in Köln. „Insbesondere kleinere Gewerbekunden ohne eigenes Flottenmanagement entlastet das Konzept: Neben dem genauen Kostenüberblick profitieren sie von Planungssicherheit und müssen sich um nichts kümmern.“

Mit Mercedes me Flexperience stellt der Stuttgarter Premiumhersteller ein voll digitalisiertes Mobilitätsangebot vor. Gegen Zahlung einer festen monatlichen Rate können die Kunden bis zu zwölf Fahrzeuge im Jahr je nach Wunsch und Bedürfnis flexibel nutzen. Die Rate umfasst Versicherung, Wartung und Reparaturen bis hin zu Reifen inklusive 36.000 Kilometer pro Jahr. Das Angebot richtet sich an Kunden, die einen langfristigen Mobilitätsbedarf haben und trotzdem auf maximale Flexibilität setzen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Fahrzeugmiete kann der Kunde zudem mittels App Motorisierung, Farbe und Innenausstattung des Fahrzeugs auswählen. Auch ein Upgrade in eine höhere Fahrzeugklasse ist jederzeit möglich. Die App gibt zudem einen vollständigen Überblick über Miethistorie und Kosten sowie dank Konnektivität auch über Fahrzeugdaten, wie beispielsweise Tankfüll- und Kilometerstand.

Wie unterschiedlich die Wege eines Konzerns sind, sich zu einem ganzheitlichen Mobilitätsanbieter zu wandeln, zeigt die Strategie der Volkswagen AG, die voraussichtlich Anfang 2019 ein intermodales Mobilitätsangebot auf den Markt bringen wird, das es Kunden ermöglicht, verschiedene Verkehrsträger untereinander zu vernetzen. Und auch ohne eigene Infrastruktur und Tochtergesellschaften bietet das Mobilitätsbudget eine Form der flexiblen Mobilität, die allerdings fast völlig auf die längerfristige Zuordnung eines Dienstwagens verzichtet – wohl auch, weil der Besitz eines solchen für einige Mitarbeiter nicht mehr zeitgemäß ist.

So kann der Nutzer wählen, für welche Fortbewegungsmittel er eine monatliche Summe einsetzt: Carsharing- oder Ride-Hailing-Lösungen, (Elektro-)Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel, Fernbus, Flugzeug, Taxi, Mietwagen et cetera. Anbieter aus der Mobilitätsbranche, beispielsweise Leasingunternehmen wie Alphabet, Athlon, und LeasePlan, unterstützen ihre Kunden bei der Einführung von Mobilitätsbudgets. Doch nicht nur Firmen, die aus dem klassischen Leasingbereich kommen, blicken mit solch innovativen Geschäftsfeldern in die Zukunft, auch Mietwagenanbieter wie belmoto, Ubeeqo aus der Carsharing-Branche und Start-ups wie MOBIKO, die ihr Mobilitätsbudget auch für Angestellte ohne Dienstwagenanspruch vermarkten wollen, setzen auf einen Trend zu flexibler Mobilität.

Dass betriebliche Mobilität in Zukunft nicht mehr hauptsächlich vom Dienstwagen abhängt , skizzieren viele Unternehmen aus der Branche. Ob es Realität werden wird oder nur Wunschdenken bleibt, wird sich spätestens zeigen, wenn die Generation Smartphone voll ins Berufsleben startet. Denn auf sie werden die voll digitalen Angebote zugeschnitten sein: on demand, überall.

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