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"Flotte! Der Branchentreff" 2020

Aufbruchsstimmung

Die Fusion von car2go und DriveNow zu Share Now war ein Paukenschlag für den deutschen Carsharing- Markt. Durch die Zusammenarbeit beider Unternehmen ist ein fast übermächtiges Joint Venture entstanden, das mit über 1,7 Millionen Kunden und knapp 7.500 Fahrzeugen an der Spitze der Carsharing- Anbieter liegt (siehe Grafik). Doch der Markt wird in den kommenden Jahren weiter in Bewegung bleiben. So kündigte der Autovermieter Sixt an, zukünftig verstärkt auf die Ultrakurzzeitmiete zu setzen, und erweiterte die Sixt-App, Sixt One, mit dem letzten Update um Car- und Ridesharing-Funktionen.

Der Markt für neue Mobilitätsangebote ist hart umkämpft. Während in den USA und in Asien die Marktanteile weitestgehend schon verteilt sind, ist das Rennen in Europa um die Vorherrschaft auf dem Mobilitätsmarkt noch offen. Es ist also zu erwarten, dass sich noch einiges im Carsharing-Bereich ändert, nicht zuletzt weil auch die Autohersteller den Markt für sich erkannt haben. Dies sieht auch Bettina Dannheim, Geschäftsführerin der cambio-Gruppe, so, wenn sie sagt: „Die positive Entwicklung der letzten Jahre wird meiner Meinung nach weiter anhalten. Sowohl wirtschaftlich als auch politisch und gesellschaftlich erfährt das Thema Mobilität gerade viel Aufmerksamkeit. Ein Grund, warum aktuell fast monatlich neue Mobilitätsanbieter auf den Markt drängen. Sharing-Angebote liegen voll im Trend, egal ob es sich um Fahrräder, Autos oder Elektro-Roller handelt.“

Einer dieser neuen Mobilitätsanbieter ist beispielsweise Mazda. Stefan Kampa, Senior Manager Retail, Fleet & Mobility, Mazda Motors (Deutschland) GmbH, schildert die Motivation des japanischen Autoherstellers, sich auf diesem Feld zu betätigen, wie folgt: „Immer mehr Menschen sind Teil der ‚Sharing Economy‘, bei dem Autos geteilt werden, anstatt diese zu kaufen. Auf diesen Bewusstseinswandel reagiert Mazda mit seinem Carsharing- Angebot und befriedigt damit Kundenbedürfnisse nach flexiblen Mobilitätsangeboten. Ergänzend zum bisherigen Geschäft öffnet sich für Mazda somit ein zusätzlicher Markt in der neuen Rolle als Mobilitätsdienstleister. Neben einem Beitrag zur Verkehrsentlastung und zum Umweltschutz verspricht sich Mazda auch eine Steigerung der Markenwahrnehmung. Dabei ist Mazda auf sein Händlernetz angewiesen, das hierbei fest eingebunden wird und eine entscheidende Rolle einnimmt.“

Auf dem Weg vom Hersteller zum Dienstleister haben die Automarken einige Hürden zu nehmen und diese Veränderungen sind sehr einschneidend. Denn das ursprüngliche Geschäftsmodell, Autos zu produzieren und Käufer durch eine gewisse Markenidentifikation an sich zu binden, steht auf der Kippe. Das Fahrzeug an sich wird immer weiter in den Hintergrund gedrängt und Eigenschaften wie Komfort, Verfügbarkeit und Praktikabilität werden immer wichtiger. Die Markenidentifikation muss also auf einer anderen Ebene stattfinden und ist weitaus weniger von Emotionen geprägt. Denn wer kein Auto besitzen will, sondern nur an der Mobilität interessiert ist, dem ist vermutlich auch egal, welche Marke vorne auf dem Kühlergrill prangt, wenn er sich ein Fahrzeug ausleiht. Das weiß auch Philipp Reth, Geschäftsführer der Urban Mobility International GmbH, einer Gesellschaft des Volkswagen Konzerns: „Unsere Kunden können die Marke Volkswagen nicht nur beim Kauf eines Fahrzeugs erleben. WeShare wird als Submarke von Volkswagen einen für Innenstädte hochrelevanten Service anbieten, der durch den Einsatz von emissionsfreien Elektrofahrzeugen auf nachhaltige Mobilität setzt. Mit diesem Angebot werden wir eine hohe Loyalität und Identifikation bei unseren Nutzern schaffen.“

Beim Blick auf die bereits angesprochene Grafik mit den zehn größten Carsharing- Anbietern erkennt man allerdings, dass die ersten beiden Plätze den Autoherstellern BMW und Daimler gehört, danach jedoch vor allem markenunabhängige Unternehmen den restlichen Markt dominieren. Zwar folgen Flinkster (Deutsche Bahn), cambio und Stadtmobil mit großem Abstand zu Share Now, vor allem was die Zahl der angemeldeten Kunden betrifft. Sie liegen aber beim stationsbasierten Carsharing vorne. Denn „Carsharing ist nicht gleich Carsharing“, wie Toni Opl, Team Marketing, Creativity & Innovation bei der Choice GmbH, weiß. „Es kommt auf den Anwendungsfall an. Aus wirtschaftlicher Sicht hängt die ideale Carsharing- Form ganz klar von den örtlichen Gegebenheiten ab. In Städten und dicht besiedelten Gebieten sind beide Modelle sinnvoll, während in ländlichen Regionen ein Free-Floating-Modell eher schwierig zu realisieren ist. Wir wollen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und damit zur Entlastung von Straßen und Umwelt beitragen, dazu müssen Verfügbarkeit und Preise der Angebote stimmen. Und: Carsharing funktioniert am besten in Ergänzung zum ÖPNV. Auch dieser muss dementsprechend ausgebaut und erschwinglich sein“, erläutert Opl weiter. Doch funktioniert dies überhaupt? Entlastet Carsharing die Innenstädte oder sind es nur noch mehr Fahrzeuge auf engem Raum? Das kommt ganz auf das System an, wie Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing e. V., erklärt: „Stationsbasiertes Carsharing hat eine hohe verkehrsentlastende Wirkung. Das zeigen wissenschaftliche Studien seit Jahren. Free-Floating- Carsharing hat sich in den letzten Jahren zu einer sehr beliebten Form entwickelt, die jedoch leider nicht dieselben entlastenden Effekte erzeugt. Städte und Kommunen müssen für sich die Frage klären, welche Formen des Carsharing sie auf welche Weise fördern wollen.“ Allerdings stellt Nehrke auch fest, dass die Kombination aus verschiedenen Systemen einen positiven Effekt in diesem Zusammenhang haben dürfte. 

Ein weiterer Pluspunkt von Carsharing gegenüber dem Besitz von Fahrzeugen ist der hohe Anteil an Elektrofahrzeugen. Derzeit liegt der Elektroanteil am Pkw-Bestand in Deutschland noch unter einem Prozent. Carsharing-Unternehmen setzen jedoch verstärkt auf die Stromer. So beispielsweise auch Stadtmobil. Matthias Kall, Geschäftsführer der Stadtmobil Rhein-Ruhr GmbH, beziffert den Anteil von Elektroautos in der Flotte von Stadtmobil auf rund 15 Prozent: „Als ressourcenschonende Mobilitätsform setzte Carsharing bereits früh auf verbrauchsoptimierte und umweltfreundliche Fahrzeuge. So wurden bei Stadtmobil bereits vor über zwanzig Jahren die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz von mit Erdgas betriebenen Fahrzeugen gesammelt. Heute sind etwa 15 Prozent der Fahrzeuge von Stadtmobil mit elektrischem Antrieb ausgerüstet. Sie ermöglichen dem Nutzer einen einfachen und kostengünstigen Zugang zur Elektromobilität. Für typische Nutzungsmuster im Carsharing, wie zum Beispiel Fahrten im städtischen Umfeld, sind elektrische Fahrzeuge perfekt geeignet.“ Das Teilen von Autos ermöglicht also eine schnellere Verbreitung der neuen alternativen Antriebstechnologien.

Speziell für Flotten ergeben sich darüber hinaus noch weitere Vorteile. So ist Firmen-Carsharing oft schlicht kostengünstiger, als eine eigene Poolfahrzeugflotte zu unterhalten. Zudem sinkt der Verwaltungsaufwand auf ein Minimum. „Der große Vorteil: Die Fixkosten eines eigenen Fuhrparks können durch die alternative Nutzung von car2go deutlich reduziert werden. Vereinzelte Unternehmen substituieren ihren Fuhrpark sogar gänzlich durch alternative Mobilitätsangebote, um eine maximale Kosteneinsparung zu erzielen. Die Abrechnung der geschäftlichen Fahrten erfolgt über zwei unterschiedliche Abrechnungsmodelle (klassische Reisekostenabrechnung / monatliche Sammelrechnung an Unternehmen). Der Schlüssel zu unseren Fahrzeugen ist die car2go App. Via App wird das Fahrzeug reserviert, das geschäftliche car2go-Bezahlprofil vor Fahrtantritt ausgewählt und die Miete gestartet. Mit car2go hat ein Unternehmen, gleich welcher Größe, einen passgenauen Fuhrpark, der natürlich individuell skalierbar ist. Aktuell nutzen mehr als 11.000 Unternehmen in Deutschland das flexible Angebot von car2go“, berichtet Nikolai Worms, External Communications car2go Group GmbH.

Fazit
Die Sharing-Economy ist gerade erst so richtig in Schwung gekommen: Leihradsysteme etablieren sich und wenn erst einmal E-Scooter in Innenstädten erlaubt sind, wird die Mikromobilität noch mehr an Fahrt aufnehmen. Auf längeren Strecken werden Carsharing oder Ridesharing an Bedeutung gewinnen, besonders auch vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote in Innenstädten. Hinzu kommt, dass die Flotten- CO2 und Kosten einsparen müssen und für diese daher Carsharing lukrativ wird. „Wachstumschancen sehen wir insbesondere im Corporate-Bereich. Immer mehr Unternehmen suchen nach innovativen Lösungen, um ihren geschäftlichen Mobilitätsbedarf abzudecken“, so der Geschäftsführer der Ubeeqo GmbH, Max Kury. Die Entwicklungen im Bereich der Mobilitätsdienstleister machen deutlich: Was vor Jahren noch eine Zukunftsidee gewesen ist, geht nun endlich in Serie. Es herrscht Aufbruchsstimmung.

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