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Amtlicher Rückruf: So hart trifft Opel die Strafaktion

2018-10-15

Warum muss Opel die Autos zurückrufen? Opel steht im Verdacht, Fahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen verkauft zu haben. Solche Softwareprogramme bewirken, dass die Autos im normalen Fahrbetrieb auf der Straße beispielsweise weit mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt. Auf dem Prüfstand hingegen funktionieren die Filter einwandfrei. Ziel ist es, weniger aufwändige und teure Reinigungstechnik in die Wagen einzubauen. Als einziger Hersteller hat Volkswagen derartige Manipulationen eingeräumt. Opel soll ein Steuerprogramm eingesetzt haben, das die zusätzliche Stickoxid-Reinigung der Abgase bei hohen Drehzahlen und in einem breiten Bereich von Außentemperaturen herunterregelt. Opel hat die Technik stets verteidigt, weil sie notwendig für den Schutz von Motorbauteilen sei. "Das Unternehmen bekräftigt, dass seine Fahrzeuge den geltenden Vorschriften entsprechen", erklärte Opel am Montag. Dagegen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob es sich um Betrug gehandelt hat. Eigentlich hatte sich die Bundesregierung mit Opel schon 2016 auf ein freiwilliges Software-Update für betroffene Autos geeinigt. Da Opel aber offenbar nicht schnell dabei vorankommt, verlor Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun wohl die Geduld. Was passiert mit den Autos? Vom Rückruf betroffen sind 95.000 Wagen der Euro-6-Modelle von Zafira, Cascada und Insignia - laut Medienberichten aus den Baujahren 2012 bis 2017. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Regierung die "freiwillig" vereinbarten Software-Updates nun per Rückruf erzwingen will. Auf Autofahrer kommt also voraussichtlich ein Werkstattbesuch vor, bei dem die Motorsteuerung angepasst wird. Solche Upgrades soll es herstellerübergreifend für 6,3 Millionen Autos geben - als "freiwillige Serviceaktion" und nicht zwangsweise, wie nun bei den betroffenen Opel. Welche Auswirkungen ein solcher Eingriff auf die Fahrzeuge hat, ist umstritten und schwer zu ermitteln. Messergebnisse über die Wirksamkeit der Updates hält das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unter Verschluss. Die Deutsche Umwelthilfe berichtet, dass Fahrzeuge verschiedener Typen nach dem Update nicht viel weniger oder sogar mehr Schadstoffe ausstoßen und teils mehr Sprit verbrauchen. Sowohl ohne als auch mit Softwareupdate sind die betroffenen Opel-Modelle somit prinzipiell von Fahrverboten betroffen, da beispielsweise das Land Berlin solche Restriktionen für Euro-6-Diesel nicht ausschließt. Wie hart trifft der Rückruf Opel? Für Opel entsteht vor allem ein erheblicher Imageschaden. Während eine "freiwillige Serviceaktion" noch irgendwie freundlich klingt, schwingen beim "amtlichen Rückruf" jede Menge Vorwürfe mit. Betroffene Opel-Fahrer bekommen vermittelt, dass sie in einem wirklich unsauberen Auto sitzen. "Rückrufaktionen werden nur bei erheblichen Mängeln für die Verkehrssicherheit oder Umwelt ausgelöst", schreibt das KBA unmissverständlich auf seiner Website zu Rückrufen. Zugleich wird Opel gedemütigt, weil die Bundesregierung dem Unternehmen offensichtlich nicht zutraut, seine Kunden in ausreichender Zahl zu dem Update zu bewegen. Der amtliche Rückruf ist verbindlich, Opel muss seine Fahrer nun zum Werkstattbesuch bewegen. Opel trifft der Rückruf aber auch deshalb hart, weil das Unternehmen negative Nachrichten derzeit so schlecht vertragen kann wie kaum eine anderer Hersteller. Mutterkonzern Peugeot (PSA) trimmt das Unternehmen mit einem Sparkurs auf Rendite. Der Absatz kriselt seit Jahren, die Produktion wurde zuletzt gedrosselt. Was bezweckt das Verkehrsministerium noch mit dem Rückruf? Verkehrsminister Scheuer will der Autoindustrie öffentlichkeitswirksam zeigen, wer beim Abgasskandal Herr im Haus ist - der Staat. Denn die Regierung steht öffentlich im Dauerfeuer der Kritik, weil ihr die Hersteller zuletzt sehr offensichtlich auf der Nase herumgetanzt sind. Gerade Opel hat sich unbeliebt gemacht. Wenige Stunden, nachdem sich die große Koalition Anfang Oktober auf einen Dieselkompromiss geeinigt hatte, torpedierten die Rüsselsheimer zentrale Ergebnisse. Die ausgehandelten Hardware-Nachrüstungen seien mit Opel nicht zu machen. Und während Volkswagen und andere Autohersteller schnell die angekündigten "Umtauschprämien" anboten, herrschte bei der Peugeot-Tochter erstmal Schweigen. Insofern weicht Scheuer im Fall Opel von seiner oft weichen Linie gegen die Industrie ab und nutzt seinen Spielraum, um Opel zu disziplinieren. Dass andere Hersteller möglicherweise beeindruckt sind und besser spuren, dürfte sein Haus einkalkuliert haben. Welche anderen Hersteller sind von Rückrufen wegen des Abgasskandals betroffen? Das KBA hat seine Rückrufpolitik im Zuge des Abgasskandals verschärft, nachdem es solche Maßnahmen "nur" aus Umweltgründen lange abgelehnt hat. Zum Beispiel traf es Daimler. Im August 2018 verdonnerte das KBA die Stuttgarter zu einem Rückruf von 280.000 Dieseln in Deutschland und insgesamt 690.000 in Europa - wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen. Auf der Liste stehen laut Ministerium unter anderem Varianten des Vito, der C-, E- und S-Klasse oder der SUVs GLC, GLE und GLS. Die Probleme bei diesen Fahrzeugen sind offenbar so groß, dass die "freiwillige Servicemaßnahme" schon von der Bezeichnung her nicht ausreicht. Daimler stellte sich auf den Standpunkt, dass in den Autos keine unzulässigen Abschalteinrichtungen verbaut seien. Das Update bekommen die Autos so oder so. Ansonsten waren vor allem Marken aus dem Volkswagen-Konzern betroffen. Für VW selbst erging schon Ende 2015 ein Rückruf für 2,4 Millionen Autos mit kleinen und mittelgroßen Motoren. Damit reagierte die Bundesregierung auf Erkenntnisse aus den USA, wonach Volkswagen die dortigen Behörden betrogen hatte. Audi stand zunächst nicht im Mittelpunkt des Skandals. Doch im Januar 2018 ordnete der Bund einen Rückruf für die Modelle A4, 5, 6, 7, 8, Q 5, SQ 5, Q 7 mit 3.0-Liter-Dieselmotoren Euro 6 an. Davon sind in Deutschland rund 77.600 und weltweit insgesamt rund 127.000 zugelassene Fahrzeuge betroffen. "Die schadstoffmindernde, sogenannte schnelle Motoraufwärmfunktion springt bei diesen Fahrzeugen nahezu nur im Prüfzyklus NEFZ an", schreibt das Verkehrsministerium. "Im realen Verkehr unterbleibt diese N OX-Schadstoffminderung." Später war auch ein VW Touareg mit 3,0-Liter Dieselmotor betroffen (in Deutschland 25.800, weltweit 57.600 Fahrzeuge).

Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/opel-so-hart-trifft-der-rueckruf-den-hersteller-und-die-fahrer-a-1233440.html#ref=rss

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